Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG"

Musik, Filme, Bücher - alles was dort mit BDSM zu tun hat, findet hier seinen Platz

Moderatoren: Kuscheltier, Seelenoede

Benutzeravatar
SpitShone
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 70
Registriert: 5. Jan 2015 14:18

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von SpitShone » 18. Feb 2015 09:31

Die erste Hälfte fand ich eigentlich auch nicht so schlimm. Da macht er sogar noch deutlich, dass er nichts tun möchte, was sie nicht will. Ich habe mich da noch gefragt, wo das Problem ist. Dann ging's aber los mit der emotionalen Abhängigkeit. Klar, es ist nur eine Geschichte. Leider wird aber diese Abhängigkeit aus der heraus Miss Steele ihre eigenen Grenzen ignoriert, mit BDSM bzw. Submission gleichgesetzt - zumindest von den vielen Medienvertretern, die darüber berichten. Keine Angst, ich will dir nichts mies reden, jeder darf den Film finden, wie er will :D Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ah, OK - ich weiß nicht, wie ich den Film bewerten würde, wenn ich nicht vorher ein paar Auszüge aus dem Buch gesehen hätte. Vielleicht wäre ich dann etwas offener und nicht so eingeschossen auf Kritik ^^'

Was das Zeigen absolut ungesunder Szenen betrifft: Ja, ich finde es bedenklich, einen angeblich erfahrenen Protagonisten dabei zu zeigen, wie er mit einem dicken (!) Lederflogger erstmal kräftig auf den Bauch seiner Sub schlägt (oder mit einer Reitgerte auf die Rippen...). Ich finde das deshalb bedenklich, weil ich mich frage, wie viele dann denken, das könne man bedenkenlos tun. ABER: SoG ist nicht die einzige Quelle, die in so wichtigen Punkten wie Sicherheit völlig falsche Vorgaben liefern. Überall bekommen wir unrealistische Inhalte vorgeführt, sei es Porn oder einfach nur ein Actionfilm. Es macht ja auch nicht sofort jeder alle Stunts nach, nur weil es im Fernsehen aussieht, als wäre das möglich.
Um grandios auf die falschen Körperstellen zu schlagen, braucht es kein SoG sondern einfach nur die Abwesenheit von vorheriger Information. Vielleicht regen wir uns alle so auf, weil SoG etwas mehr gehyped wird als der Durchschnittsporn oder Actionstreifen? Oder weil es von den Medien als BDSM-Film bezeichnet wird?

Ich glaube, es steckt noch mehr dahinter, als die Angst, dass andere es nachmachen könnten. Ich möchte hier nochmal erwähnen, dass es mich auch stört, dass er als SM-Streifen bezeichnet wird, hat er doch mit SSC so viel zu tun wie der Papst mit Gruppensex. Trotzdem finde ich es spannend, über das ganze Thema nachzudenken :D

Ich habe mich bei dem Gedanken ertappt: "Die zeigen 'uns' völlig falsch, das ist so nicht richtig, 'wir' werden hier in ein völlig falsches Licht gerückt!" -- Es geht zumindest bei Gedanken dieser Art um mehr als die Angst, dass sich Vanillas beim Sex verletzen. Anscheinend haben sich bei mir Szenemechanismen aktiviert, von denen ich dachte, ich hätte sie überwunden :D Das ist SO ein interessantes Thema!!! (finde ich)
Ich fange anscheinend an, ein "die und wir"-denken zu entwickeln, wie ich es das letzte Mal hatte, als ich noch 'aktiver Gothic' war. Auf der einen Seite möchte ich nicht, dass viele Menschen denken, 'wir' würden so verantwortungslos mit Schmerz und Verletzungsgefahr umgehen, wie es Mr. Grey tut. Auf der anderen Seite würde ich die Möglichkeit nicht ausschließen, dass ich den Gedanken blöd finde, dass sich Radiomoderatoren und Journalisten als "SM-Experten" hervortun, nur weil sie mal einen Wikipedia-Artikel gelesen haben. Da steckt schließlich Identitätsarbeit drin ;)
Ist das nicht eigentlich völlig albern? Ich meine, ich oder wir haben BDSM ja nicht gepachtet. Soll doch jeder drüber reden, wie er möchte - bestenfalls springt dabei mehr Toleranz für Kink raus.

Deshalb versuche ich, meine eigene Kritik am Film kritisch zu sehen. Ich bleibe dabei, dass er wenig mit SM zu tun hat und dass ich es für bedenklich halte, einem so großen Publikum weis zu machen, dass SM SO läuft. Aber meine Gedanken zum Thema Szene-Mechanismen finde ich nicht völlig abwegig :D

Benutzeravatar
SpitShone
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 70
Registriert: 5. Jan 2015 14:18

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von SpitShone » 18. Feb 2015 09:39

Mir ist noch etwas eingefallen. Ein weiterer Gedanke war "So, und jetzt sieht das wieder so aus, als wäre Submission automatisch das völlige Zurückstellen eigener Bedürfnisse. Grummelgrummelgrummel...". Der ist aber ebenfalls persönlich aufgeladen. Ich habe jahrelang gedacht, Submission WÄRE das völlige Zurückstellen eigener Bedürfnisse.
Ich habe gedacht, wenn man als Sub BDSM spielen möchte, müsse man jede Art von Schmerz und Demütigung ertragen und mögen, sonst wäre man kein "richtiger" Sub. Dass das allgemein als Szenemythos belächelt wird, wusste ich lange Zeit nicht - wie auch, ohne Kontakt zu Leuten, die 'das' wirklich machten ;)
Ich habe gedacht, dass man, wenn man maso ist, auch automatisch Sub sein muss. Und ich habe gedacht, dass man als Top zwingend drauf stehen muss, Leute leiden zu sehen. Dass es auch "Servicetops" geben kann, die schlagen, weil es dem Partner Spaß macht, aber eigentlich kein Interesse an Dominanz an sich haben, wusste ich auch nicht. Ebenso wenig wusste ich, dass man dominant UND maso sein kann, ohne dass etwas mit einem 'falsch" ist. Überhaupt gibt es noch sehr viel, das ich nicht weiß.

Ich glaube, das könnte einer der Punkte sein, die mich so stören - dass nun über SoG ein Bild vermittelt wird, wie SM "so ist" oder "zu sein habe". Und das auch noch mit einem Film, in dem jemand mit einem schweren Flogger auf empfindliche Stellen drischt... Irgendwie komme ich über diese Szene nicht hinweg :D


Benutzeravatar
Debby
Schreiberling
Beiträge: 103
Registriert: 9. Apr 2011 21:41

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von Debby » 19. Feb 2015 16:52

Ich habe den Film mit ein paar Kolleginnen gesehen und war angenehm überrascht, darüber dass sie Charaktere auf einmal so wirkten als hätten sie tatsächlich Charakter.
Im Buch wirken die alle sowas von flach, dass es kaum zu ertragen war und die stilistischen Fehler (ständige Wiederholung, uninteressante Beschreibungen...) waren nur grausam. Den dritten Teil habe ich mir dann nur noch geliehen um auch das Ende zu kennen aber Geld wollte ich dafür nicht mehr ausgeben.
Im Film wurde die Geschichte so kompakt erzählt, das Mr. Grey und Miss Stele sogar wirkten wie normale Menschen und Wiederholungen und so gab es auch nicht oder sind mir zumindest nicht aufgefallen.

Die Aufregung um die "schlimmen SM-Szenen" kann ich auch gar nicht verstehen. Die wurden doch alle mit Perwoll gewaschen um sie besonders weich zu machen. Wenn die bei einem von uns ins Schlafzimmer gucken würden...

Naja zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen: Buch -> FURCHTBAR
Film -> IST OK


LG
Toleranz ist eine Tugend innewohnen sollte.

Benutzeravatar
Debby
Schreiberling
Beiträge: 103
Registriert: 9. Apr 2011 21:41

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von Debby » 22. Feb 2015 12:23

Hier noch etwas zum Thema SoG :lol:

http://www.swr3.de/spass/comix/Baumarkt ... index.html

Soooo lustig!
Toleranz ist eine Tugend innewohnen sollte.

Benutzeravatar
ScreamOutTears
Schreiberling
Beiträge: 50
Registriert: 18. Jan 2015 16:09

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von ScreamOutTears » 22. Feb 2015 18:09

Hahahaha! Das ist super klasse!
Wacken 2016 I'm there :D

Benutzeravatar
WiseGuysFan
Schreiberling
Beiträge: 114
Registriert: 16. Jan 2015 20:02

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von WiseGuysFan » 22. Feb 2015 18:52

:lol: Das war gut! "Cheffe, Ketten" "Mhmmm" "Oh, Cheffe hat noch de Knebel im Mund..."

Benutzeravatar
KatzenDame
Stammgast
Beiträge: 202
Registriert: 29. Jan 2014 23:07

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von KatzenDame » 24. Feb 2015 18:48

MrCode und ich waren auch im Kino.
Ich habe alle drei Bücher gelesen und muss sagen, dass sie - trotz schrecklichen Schreibstils und Wiederholungen - besser waren als der Film.
Shades of Grey ist im Grunde nur eine Mischung aus Twilight, Pretty Woman und "die Schöne und das Biest". *seufz* MrCode hat die ganze Zeit gelacht, geschmunzelt oder Kommentare bezüglich der grauenhaften Knoten im Film gemacht, während ich einfach nur den Kopf geschüttelt habe und erstaunt war, wie man einen solch schlechten Film produzieren kann. Ernsthaft - der grottenschlechteste Film, den ich je gesehen habe. ( So etwas tue ich mir in der Regel nicht an)
Der Film bestand aus aneinandergereihten Szenen, in denen eigentlich nicht viel passierte - und die Schauspieler hätten einen Preis für die schlechteste schauspielerische Darstellung überhaupt verdient. Dass BDSM so falsch dargestellt und dann auch noch so gehyped wird, ist in meinen Augen einfach nur gefährlich.

Folgendes Video hat nicht nur mich köstlich amüsiert, sondern auch viele andere. :)

https://www.youtube.com/watch?v=8dy4HAKnvR8 (Amüsante Kritik, in der auch erwähnt wird, dass einfach nur Klischees immer wieder aufgegriffen werden)
"Do not love somebody who only sees the light in you - love somebody who isn’t afraid of the dark." - Unknown

Benutzeravatar
Debby
Schreiberling
Beiträge: 103
Registriert: 9. Apr 2011 21:41

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von Debby » 24. Feb 2015 21:50

Hahahah... KatzenDame

Wie genial! Ich habe Tränen gelacht

:lol: :lol: :lol:

Danke :D
Toleranz ist eine Tugend innewohnen sollte.

Benutzeravatar
ScreamOutTears
Schreiberling
Beiträge: 50
Registriert: 18. Jan 2015 16:09

Re: Masochist geht freiwillig mit seiner Freundin in "50 SoG

Beitrag von ScreamOutTears » 25. Feb 2015 10:00

Sehr amüsant!

Hab ich gleich mal weiter geteilt! :D
Wacken 2016 I'm there :D

Antworten

Zurück zu „BDSM & Medien“