BDSM Themen in Kunst und Literatur

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Gwenyvere
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BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Gwenyvere »

Hallo ihr Lieben

Mich würde eine Sammlung von Anklängen von BDSM Themen in Kunst und Literatur interessieren. Wo es - nicht durch diese pathologenisierung abgetrennt- einfach auftritt.
Hintergrund? Habe mich vor kurzem in Heidelberg ein wenig kulturell fortgebildet, und bin unter anderem auf das Bild "Herkules und Omphale" von Laurent de La Hyre gestoßen. Der Text des Museums dazu ist hier zu finden: http://www.museum-heidelberg.de/servlet ... 202006.pdf
Der Sage nach war er als Sklave für drei Jahre an ihren Hof verkauft worden, um hier zur Sühne und Läuterung für seine Freveltaten, Mord und Tempelraub,Frauenarbeiten zu verrichten. Zugleich von ihr gedemütigt wie erotisch fasziniert musste Der Sage nach war er als Sklave für drei Jahre an ihren Hof verkauft worden, um hier zur Sühne und Läuterung für seine Freveltaten, Mord und Tempelraub,
Frauenarbeiten zu verrichten. Zugleich von ihr gedemütigt wie erotisch fasziniert musste der stärkste Mann Griechenlands Omphale dazu in einem symbolischen Kleidertausch auch die Attribute seiner männlichen Kraft, Löwenfell und Keule, überlassen und Frauengewänder tragen.
"Diesen Aspekt,[ dass der Held in Frauengewändern gekleidet wurde] hatte Mitte des 16. Jahrhunderts vor allem Lucas Cranach in seiner künstlerischen Bearbeitung des antiken Stoffes herausgestellt"
http://www.abcgallery.com/C/cranach/cranach25.JPG

Ich find es interessant solche Dinge zu entdecken. Nicht in dem pupertären Sinne, überall BDSM zu finden, sondern weil ich finde dass das zeigt, dass wir eigentlich Elemente leben, die in unserer Kultur seit langem verwurzelt sind, aber bl öderweise irgendwann mal als krankhaft deklariert und somit aus ihrem natürlichen Gefüge herausgerissen worden sind. Was dann zu diesem blöden Schubladendenken führte.

Soviel zum meinem gedanklichen Hintergrund. Worüber seit ihr noch alles schönes gestolpert?

Liebe Grüße
Gweny

Marnie
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Marnie »

Ich hatte mal eine vollständige nicht für Kinder aufbereitete Ausgabe der 1001 Nächte. Die war echt multipervers, BDSM inklusive.

Elidea
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Elidea »

Ist vielleicht vom Thema ein bischen ab, aber über die Antike kann ich an sich folgendes berichten:
Damals wurden zum größten Teil Sklaven gehalten. Es war ein Privilig Sklaven halten zu können. Das heißt, das Leute mit Sklaven in der damaligen Gesellschaft hoch angesehen worden sind. Und nicht selten kam es dabei zu sexuellen Beziehungen. Ob der Sklave immer freiwillig mitgemacht hat möchte ich hier nicht diskutieren. Und in wie weit die Strafe des sexuellen Empfindens beigetragen hat, mögen sich die Geister auch streiten.

Und wenn wir etwas weiter ins Mittelalter gehen so können wir feststellen, dass es Männern gesetzlich erlaubt war ihre Ehefrauen zu schlagen. In wie weit sie im Einzelfall als sexuelles "Vorspiel" ansahen, sei mal dahingestellt.

Doch denke ich, das BDSM keine Erfindung der Neuzeit ist. Es ist sogar historisch nachweisbar.

Sehr oft wird deSade in der BDSM-Szene zitiert. Ich allerdings bin was diesen Schriftsteller angeht geteilter Meinung. Ich bezweifele nicht, dass er eine Sadomasochistische Neigung hatte, doch geht es meiner Meinung nach in seinen Gestichten (Justine und Juliette) nicht nur darum.

Und die Geschichte der O muss ich ehrlich zugeben, hat mich erschreckt. Die Tatsache sich so sehr an einen Menschen zu binden und sein eigenes Ich aufzugeben, so dass man nicht mehr Leben möchte, sofern besagte Person diese "entlässt", lässt mich an der erotischen Darstellung der Gesamtgeschichte zweifeln. Erotik sollte ein Teil der Hingabe sein, insbesondere in Bezug auf BDSM, aber nicht Selbstaufgabe.
Dominiere mich, aber erwarte nicht, dass ich meinen Willen aufgebe.

Kannst du, nach all deinen bisher geführten Beziehungen, JETZT noch sagen, dass du geliebt worden bist?

Wildruebe
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Wildruebe »

Was aber ziemlich typisch für die Neuzeit ist (zumindest soweit wir es heute beurteilen können), ist die Möglichkeit das eigene Leben ziemlich selbstbestimmt gestalten zu können: besonders für die Frauen. Insofern gibt es zwar zahlreiche historische Formen von Sklaverei etc., die beispielsweise in den zahlreichen Harems- und Sklavenmarktgemälden von Jean-Léon Gérôme und den übrigen Orientalisten dargestellt wurden:

http://www.orientalism-in-art.org/Slave ... le%29.html

Dennoch halte ich die Ähnlichkeiten für eher oberflächlich: die Beziehungsform zwischen einem heutigen Dom und seiner Sklavin hat auch bei TPE (hoffentlich) in den meisten Fällen größere Ähnlichkeit mit einer Vanilla-Ehe von heute als mit der Sklaverei im alten Rom, im arabischen Raum etc., weil sie von beiden Seiten freiwillig eingegangen und auch freiwillig gelöst werden kann.

Ansonsten war de Sade ein mehrfacher Vergewaltiger und kein Vorbild, mit dem sich heutige BDSMer identifizieren sollten. Und die Meinung meiner Vorrednerin zur Geschichte der O teile ich auch. Wirklich gute Kunstwerke mit BDSM-Bezug werden eher in der Zukunft
zu suchen sein als in der Vergangenheit.

Nachtkatze
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Nachtkatze »

Elidea hat geschrieben:Und wenn wir etwas weiter ins Mittelalter gehen so können wir feststellen, dass es Männern gesetzlich erlaubt war ihre Ehefrauen zu schlagen. In wie weit sie im Einzelfall als sexuelles "Vorspiel" ansahen, sei mal dahingestellt.
Das hat nicht wirklich was mit Mittelalter zu tun. Vergewaltigung in der Ehe ist in Deutschland erst seit 1997 strafbar.
"Nun, am Ende ist an allen ihren Passionen nichts so Apartes oder Seltsames, denn jeder weiß und fühlt, wie nahe Wollust und Grausamkeit verwandt sind." (L. v. Sacher-Masoch)

neurotoxin
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von neurotoxin »

Die Werke von Mirbeau haben da schon weitaus mehr als nur Ankläge. Das sind teilweise echte SM-Romane. ;)
Für mich leider die falsche Konstellation was das Machtverhältnis angeht, aber sonst sicher ne nette Sache wenn man klassischere Literatur mag.

Viele Künstler des Jugendstils (<3 Jugendstil) haben ja auch einige heiße Sachen gemacht. Gustav Klimt als mein Lieblingskünstler hat da aber weniger mit BDSM am Hut gehabt, schade. Paul Avril hat da schon mehr in BDSM-Richtung gezeichnet. Z.B. hat er auch Fanny Hill (auch so ein klassisches Buch mit BDSM-Thematik) illustriert. Wem Paul Avril jetzt nix sagt. Das ist das Pseudonym von Edouard Henri Avril, wann immer er was erotisches gezeichnet hat. ;)
Zuletzt geändert von neurotoxin am 29. Mär 2010 20:22, insgesamt 1-mal geändert.

Gwenyvere
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Gwenyvere »

Wem Paul Avril jetzt nix sagt. Das ist das Pseudonym von Edouard Henri Avril, wann immer er was erotisches gezeichnet hat.
Jetzt ist es klar! ;) Hmm, meine Ausgabe hatte diese Bilder nicht :( Und vorallem denk ich mir: wann wird heute nochmal so viel Arbeit in die Illustration gesetzt?

Zur Literatur: Ich bezog mich in meiner Fragestellung auch weniger auf Folter und Vergewaltigungsszenen, was in der Literatur wirlich eher auffindbar ist. Habe mir jetzt bei Amazon mal "In Leder gebunden- sadomasochismus in der Weltliteratur" bestellt. Leider sagen die Kritiken bereits dass es sich hauptsächlich um ""nichtkonsensuelle Unterwerfung, Brutalität, Folter und Mord in der Weltliteratur" handle, aber vielleicht findet sich dennoch was brauchbares darunter

Gewitterwind
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Gewitterwind »

Wildruebe hat geschrieben: (...)
http://www.orientalism-in-art.org/Slave ... le%29.html
(...)
...*sabber* also, irgendwie finde ich das Bild gerade sehr toll :-D

@topic: Was andere bildende Künstler angeht, fällt mir noch Egon Schiele ein (ich liebeliebeliebe Schiele). Das mag zwar nicht auf den ersten Blick BDSM sein, aber doch schon eine grenzwertige Art von Erotik, und da sehe ich durchaus nen Bezug, auch was Fetische angeht (Minderjährige; aber auch Kleidung). Tabus eben.

Hab ich schon gesagt, dass ich Schiele ganzganz toll finde? :angel:
And if you're gonna dine with them cannibals -
Sooner or later, darling, you're gonna get eaten
(Nick Cave)

Wildruebe
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Wildruebe »

Gewitterwind hat geschrieben:...*sabber* also, irgendwie finde ich das Bild gerade sehr toll :-D
Wenn du weiter sabbern willst, hier gibt es mehr in dem Stil:

http://www.orientalist-art.org.uk/slaves.html

Wildruebe
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Re: BDSM Themen in Kunst und Literatur

Beitrag von Wildruebe »

Und hier gibt es noch ein paar, von Johann Heinrich Füssli & Konsorten. Finde ich persönlich aber wenig ansprechend:

http://www.tate.org.uk/britain/exhibiti ... /room2.htm

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