"Fifty Shades of Grey"

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Lulu
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von Lulu » 28. Dez 2012 19:38

Ich werde kommentarlos jedem Recht geben, der argumentiert, dass 50 Shades schließlich auch keine Weltliteratur darstellen soll und deshalb auch nicht so literaturkritisch betrachtet werden darf.
Problem ist meiner Meinung bloß, dass die ganze verdammte Welt eben die verdammte NICHT-Weltliteratur zu lesen scheint. Soll mir das jetzt sagen, dass die Mehrheit keine literarischen Ansprüche mehr an Romane erhebt und das allgemeine Niveau irgendwie gerade ganz drastisch am sinken ist oder, dass die Weltbevölkerung bloß aus Arztromane lesenden Vorstadtmuttis mittleren Alters besteht?! Ich hoffe mal nicht.

Klar, ich les auch mal weniger anspruchsvolle Bücher, nur missfällt mir der Gedanke, dass eben echt so viele Menschen auf den verschiedenen Kontinenten alle gleichzeitig entschieden haben jetzt auch anspruchslose Bücher zu lesen. Was läuft denn da schief? Was ist das für eine Sekte?

Vielleicht sollte ich das ganze weniger harsch ausdrücken, aber es sollte doch in zivilisierten Gesellschaften nicht "normal" sein, das Trivial-Fan-Fiction-Romane wie Fifty Shades den Erfolg von tatsächlich gut geschriebenen Büchern von renommierten Autoren so krass überschreiten. Das signalisiert denen, die sich wirklich bemühen abwechslungsreiche Literatur zu verfassen doch bloß, dass sie auch genau so gut sein lassen könnten und demzufolge mit schnulzigen Liebesgeschichten Karriere machen könnten. Und das ist doch wirklich was Trauriges...
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SevenSins
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von SevenSins » 28. Dez 2012 21:17

@ Lulu: Ganz interessanter Artikel der in diese Richtung geht gabs vor kurzem hier
Wenn zwei Menschen sich treffen, einander gut tun wie verrückt, hinterher nicht mehr durch die Tür passen vor Grinsen - who cares about the fucking definition?

Lulu
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von Lulu » 28. Dez 2012 23:35

Guter Artikel, Danke für den Hinweis :) Ging ja genau in die Richtung, die ich ansprechen wollte. Ich find das alles sehr schade, für die Bücherindustrie, den Büchermarkt, die Autoren und vor allem für jeden von uns. Wir müssen aufhören uns derart von Medien bestimmen zu lassen, aber das sagt sich immer nur so leicht.
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Adri-san
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von Adri-san » 4. Jan 2013 19:44

ich hab so viel gutes über das Buch gehört, das muss ich mir jetzt auch endlich holen =)

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Sirenensang
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von Sirenensang » 4. Jan 2013 22:29

Adri-san hat geschrieben:ich hab so viel gutes über das Buch gehört, das muss ich mir jetzt auch endlich holen =)
Am besten leihst du es dir von irgendjemandem, dann schiebst du dem*r Autor*in nicht noch mehr Geld in den Arsch. Muss ja mittlerweile weh tun. :)

deidre
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von deidre » 4. Jan 2013 22:50

Sirenensang hat geschrieben:
Adri-san hat geschrieben:ich hab so viel gutes über das Buch gehört, das muss ich mir jetzt auch endlich holen =)
Am besten leihst du es dir von irgendjemandem
Staedtische / oeffentliche Buechereien haben den Muell mittlerweile fast durchgehend in mehrfacher Ausfertigung. Guenstiger fuer n langen Zeitraum leihen, ohne dass irgendein Fan der es gekauft hat Entzugserscheinungen kriegt, ist fast nicht machbar. ^^

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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von SpielKatze » 10. Jan 2013 18:28

Ich bin auch recht froh, dass ich das Buch nur geliehen, nicht selbst gekauft habe. Obwohl ich mich zu Anfang gefreut hatte, dass es ein Buch mit einem Thema das mir so am Herzen liegt gibt, war ich extrem enttäuscht.
Und zwar nicht unbedingt wegen des Schreibstils - über den man sicherlich diskutieren kann -, sondern viel mehr wegen der Stereotype und der schlichten Plattheit der Protagonisten.
Anastasia ist dumm, naiv, obrigkeitsgläubig und -hörig, verklemmt und scheint ein total falsches Bild von BDSM im Kopf zu haben - das sie dann Christian aufzwängen will.
Christian ist an sich ein nachvollziehbarer Charakter (wenn auch trotzdem platt). Wenn nur nicht andauernd von seiner 'inneren Traurigkeit' und seiner 'verletzten Seele' die Rede wäre, die ihn dazu bringen so zu handeln wie er es tut. Denn schließlich kann niemand einfach so, aus Spaß an der Freude, Top sein wollen. Wie Anastasia Christian als 'Monster' beschreibt tut mir richtig in der Seele weh.
Das alles wirft mMn ein falsches Bild auf BDSM generell. BDSM soll hier einfach nur eine ansonsten platte Liebesgeschichte 'aufpäppen' und nebenbei 'geheilt' werden, damit man dann 'glücklich' zusammen sein kann.
Ich gebe zu, die eine oder andere Szene ist ganz nett zu lesen (was die schlecht gewählten Synonyme für z.B. Geschlechtsorgane immer wieder kaputt machen), aber bei anderen lese ich Anastasias inneren Monolog und frage mich, wieso sie ihm nicht einfach zu verstehen gibt, dass sie das nicht will. Sie ist/war schließlich Jungfrau und hat noch gar keine Ahnung von ihren Soft oder Hard Limits. So ein Käse.

Ganz abgesehen davon rollen sich mir immer wieder die Zehennägel auf bei den Kommafehlern, schlecht gewählten Synonymen, einfallslosen Dialogen, etc. - aber jedem das Seine.
Für seichte Unterhaltung in der Bahn reicht es ja.
Wovor ich Angst habe ist, dass Leute sowas als Leifaden verwenden. Und/Oder ein noch schlechteres Bild von BDSM bekommen, ergo: 'Alle BDSMler sind Gestörte wie Christian - man kann nur so sein, wenn man irgendwie traumatisiert und nicht ganz richtig im Kopf ist.'
Hoffentlich kriegt meine Mutter das Buch nie in die Finger. Sonst fängt sie doch nochmal nen Kreuzzug dagegen an xD

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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von deidre » 10. Jan 2013 18:44

SpielKatze hat geschrieben:Hoffentlich kriegt meine Mutter das Buch nie in die Finger. Sonst fängt sie doch nochmal nen Kreuzzug dagegen an xD
Muhahahahar. I should send her a copy. Seriously :D

Ich hab frueher schon nicht verstanden, was alle an der O so toll finden. Gor war auch nie meine Welt. Scheinbar ist die Mainstream-BDSM-Literatur / das beruehmte Zeug fast durchgehend was fuer bestimmte Fetischisten. Identifizieren konnte ich mich bisher mit nichts davon. Was ich sehr schade finde.

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SpielKatze
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von SpielKatze » 10. Jan 2013 19:06

Also mit der O konnte ich sehr wohl was anfangen, weil ich das eher symbolisch sehen konnte bzw. einfach als 'abgedrehte Kunstliteratur' wahrgenommen habe. Wollte sogar meine Facharbeit in Deutsch drüber schreiben (mit 'Justine&Juliette' von de Sade vergleichen in Bezug auf Autorengeschlecht, Zeit, Stil, usw.), aber ich durfte natürlich nicht. Geliebte bayrische Heimat. *seufz*

Was meine Mutter angeht ist sie zwar sehr tolerant und offen, aber wenn sie liest, dass alle Tops gequälte Realsadisten sind, könnte sie sich das mit der Sympathie meinem Freund gegenüber nochmal überlegen xD

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Gwenyvere
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Re: "Fifty Shades of Grey"

Beitrag von Gwenyvere » 20. Feb 2013 16:53

Für alle, die noch keinen Selbstmord begehen, wenn Shades of Grey erwähnt werden: Deutschlandradio Kultur widmet sich heute um 19:30 der Frage: "Ist der Hype um den Trivialroman 'Shades of Grey' wirklich ein Ausdruck dafür, dass der Sadomasochismus im Mainstream angekommen ist?
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/

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