Polyamorie

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Sihaja
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Re: Polyamorie

Beitrag von Sihaja » 15. Jan 2009 14:31

dulcamara hat geschrieben:Das ist nur meine persönliche (!) Wahrnehmung - und der Grund, warum ich den Wahlspruch aller Polys, dass Liebe unbegrenzt vorhanden wäre, nicht so ganz beipflichten kann.
Also von diesem "Wahlspruch" habe ich bisher noch nicht gehört. Ich finde aber das an ihm etwas dran ist, und zwar nicht nur für Polys, wie Carisa passend bemerkt hat. Ich kann doch nicht davon ausgehen das ich nur eine bestimmte Menge an Liebe in mir habe die ich dann ökonomisch Sinnvoll verteilen muss?!
dulcamara hat geschrieben:Könnte es sein, dass Polyleute so im Durchschnitt größeren Wert auf Individualität und Eigenständigkeit trotz Beziehung legen? Dass man generell den anderen mehr Freiheiten lässt und sich weniger (vorsicht, Kitsch!) "im anderen wiederfinden muss" um zu lieben?
Ich glaube das kann man so allgemein nicht sagen. Ich lege auch in Zweier-Beziehungen viel Wert auf Individualität, bzw meine Freiheiten. Ich halte es für wichtig das man eine gewisse Schnittmenge an Dingen hat, die übereinstimmen, die beide mögen, quasi als Grundlage der Beziehung. Aber man braucht auch seine Freiheiten, seine Zeit für sich.

lg
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GeheimnisHueter
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Re: Polyamorie

Beitrag von GeheimnisHueter » 15. Jan 2009 17:34

@Carisa:
Naja, das mit den Kindern ist aufm Papier zwar durchaus ein wohlklingendes Argument, aber wenn man Mitglieder einer mehrköpfigen Familie mal fragt, ob sie sich nicht doch manchmal zu kurz gekommen fühlen, es fängt ja bereits bei zwei Kindern an, dann bekommt man da im Regelfall durchaus ein Ja zu hören :)
Ebenso wenn man insbesondere Väter fragt, die fühlen sich dann nach der Geburt des ersten Kindes oft auch ein wenig abseits, nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Weibchens etc.

Ergo würd ich schon sagen, man muss mit seiner Aufmerksamkeit durchaus haushalten. Mit der Liebe nicht unbedingt, die halte ich für durchaus unerschöpflich. Aber es bedarf eines echten Managements, wer bekommt wieviel "life time", wer muss mal zurückstecken, etc.
Entsprechend halte ich so ne Polyamorische Beziehung für deutlich schwieriger und anstrenger als eine Zweierbeziehung, falls beide Beziehungen gleich eng und intensiv geführt werden. Meist klappts mit der Multi-Beziehung ja dann doch eher nur, indem viel viel mehr miteinander geredet wird und alle die Einzelbeziehungen etwas lockerer führen, wegen potenzieller Eifersucht muss das in meinen Augen auch fast sein. Ein "das geht jetzt nur uns beide was an" geht da eben weniger gut.

Sich in mehrere zu verlieben ist nicht schwierig, besonders wenn man einen breit gefächerten Geschmack hat, aber das dann wirklich unter einen Hut zu bekommen - aus meinem Umfeld kenn ich da niemanden, der das auf längere Zeit hinbekommen hätte. Aber ok, wegen der Problematik mit der gesellschaftlichen Ächtung verläuft sowas ja meist auch eher verdeckt, vllt. hab ichs bei manchen auch einfach nie mitbekommen :)
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Re: Polyamorie

Beitrag von Sihaja » 15. Jan 2009 17:39

GeheimnisHueter hat geschrieben:Naja, das mit den Kindern ist aufm Papier zwar durchaus ein wohlklingendes Argument, aber wenn man Mitglieder einer mehrköpfigen Familie mal fragt, ob sie sich nicht doch manchmal zu kurz gekommen fühlen, es fängt ja bereits bei zwei Kindern an, dann bekommt man da im Regelfall durchaus ein Ja zu hören :)
Ebenso wenn man insbesondere Väter fragt, die fühlen sich dann nach der Geburt des ersten Kindes oft auch ein wenig abseits, nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Weibchens etc.
Die Frage ist ja wohl ob das daran liegt dass sie weniger geliebt werden oder daran dass wenn die Menge der Leute die da zum lieben da sind steigt halt die Menge der Zeit die man mit jedem einzelnen verbringen kann einfach sinkt.
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Re: Polyamorie

Beitrag von GeheimnisHueter » 15. Jan 2009 21:50

Ja, das Problem ist halt irgendwie, dass Liebe und Aufmerksamkeit bzw. miteinander verbrachte Zeit zwar zwei verschiedene Dinge sind, aber eben in der Praxis und in der Erwartung doch arg aneinander gekoppelt werden. Natürlich liebt eine Großfamilien-Mutter (bzw. -Vater) jedes ihrer neun Kinder gleich (naja, Hand aufs Herz, ist natürlich pure Romantik - jeder hat so seine Lieblingskinder, tendenziell sind's meist die jüngsten Küken wegen des Kindchenschema-Effekts). 100% Liebe geteilt durch neun ergibt also weiterhin 100% Liebe für jeden Sprössling. Aber 24 Stunden minus Schlaf und ein klein wenig Zeit für sich selbst geteilt durch neun, da bleibt effektiv ganz eindeutig weniger pro Nase übrig.

Wobei es ja auch nicht so ist, dass jeder Mensch irgendwie den ganzen Tag mit seiner/m Liebsten/m verbringen will. Spätesten nach der wilden Verliebtheitsphase sucht man auch in einer Zweierbeziehung ja seine eigenen Freiräume und Abstände, um sich nicht gegenseitig auf den Wecker zu gehen. Und diverse Menschentypen brauchen von Haus aus mehr Freiraum und Distanz.

So ne Multibeziehung geht mit solchen dann wohl noch am ehesten, aber mit so klammernden "Ich ruf dich nachher an Schatz, ok? / Warum hast du nicht zurückgerufen? / Können wir uns morgen wiedersehen?"-Menschen, kann ich's mir fast nicht vorstellen wie das dann zu dritt aussieht.


Aber nochmal zu dem Argument "alle gleich doll lieben" - aus der Wirtschaftssprache heraus kennen wir nunmal den hohen Wert der "Exklusivität". Wenn ein Gut geteilt wird, wird dieses Gut in den Augen der meisten Menschen heruntergewertet, das muss gar nicht unbedingt in die Eifersucht herüberschwappen, die geht ja mehr in Richtung "verletztes Ego".
Da Liebe nämlich ohnehin nicht messbar sondern was Subjektives ist, kann das bei multipler Liebe schon sein, dass die Beteiligten jeweils ein geringeres Gefühl davon haben, geliebt zu werden, weil man im Hinterkopf halt eben doch rechnet und die Exklusivität vermisst. Andererseits hat man zwar dann auch zwei Liebhaber, aber naja, ob das zusammenaddiert dann genauso erfüllend ist wie ein singulärer exklusiver Partner? Ist halt alles kein einfaches Ausbalancieren von Quantität und Qualität. Hängt sicher ganz ganz stark von der Persönlichkeit der Beteiligten ab. Verschrobene stille Naturen, die ihre Gefühle eher hinterm Damm halten, tun sich bei so ner multiplen Beziehung sicherlich nochmal um einiges schwerer als bei einer einzelnen Paarbeziehung.

Aber vielleicht ist ja bereits das Darübernachdenken und Herumrechnen schon der Fehler - wer mehr für den Moment lebt, der ist da sicherlich offener für sowas. Ich schätze also ich wäre eher ungeeignet ;)
Zuletzt geändert von GeheimnisHueter am 15. Jan 2009 22:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Polyamorie

Beitrag von Stormwind » 15. Jan 2009 21:54

...dafür sind auch mehr Leute da, die lieben können?
Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden, wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen :-)

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Re: Polyamorie

Beitrag von GeheimnisHueter » 15. Jan 2009 22:08

Hab oben noch weitergeschrieben per Sklavin Edith - Joa, ist halt die Frage ob die Addition im Kopf subjektiv gleichwertig erscheint. Kann man pauschal bestimmt nicht beantworten.

Aber an sich haste schon Recht - man bekommt ja dann theoretisch insgesamt wieder gleich viel Aufmerksamkeit und Zeit geschenkt. Das ist bei dem Kinderbeispiel anders, denn Kinder können nicht so leicht die Rolle der Mutter oder des Vaters übernehmen (bei klassischen Großfamilien passiert aber natürlich in der Tat genau das zur Kompensation, die älteren Kinder erziehen die jüngeren mit und sind für sie da)
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Re: Polyamorie

Beitrag von Félin » 16. Jan 2009 14:40

Für mich persönlich wäre Polyamorie nichts.
Klar kann man mehrere Kinder lieben, aber ich denke Liebe zu seinen Kindern und Liebe zu seinem Partner ist noch ein Unterschied. Ich erwarte mehr von meinem Partner, als ich von meinen Kindern erwarten würde.
Und warum ich denke, dass Polyamorie nichts für mich ist? Zum einen das Zeitmanagment-Problem, man hat nun einmal nur begrenzt Zeit. Zum anderen würde ich es nicht ertragen, nicht die unangefochtene Nummer 1 für den Menschen zu sein, den ich liebe, dem ich soviel von mir gebe - andere Frauen würden da für mich Konkurrenz bedeuten, was mich wieder unter Stress setzen würde und mich total verunsichern würde.
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Ich glaube, am Südpol gibt es keine Hummeln, weil Pinguine die Ungerechtigkeit nicht ertragen würden. (www.twitter.com/diktator)

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Re: Polyamorie

Beitrag von Sihaja » 23. Jan 2009 00:42

GeheimnisHueter hat geschrieben:aus der Wirtschaftssprache heraus kennen wir nunmal den hohen Wert der "Exklusivität". Wenn ein Gut geteilt wird, wird dieses Gut in den Augen der meisten Menschen heruntergewertet, das muss gar nicht unbedingt in die Eifersucht herüberschwappen, die geht ja mehr in Richtung "verletztes Ego".
Da Liebe nämlich ohnehin nicht messbar sondern was Subjektives ist, kann das bei multipler Liebe schon sein, dass die Beteiligten jeweils ein geringeres Gefühl davon haben, geliebt zu werden, weil man im Hinterkopf halt eben doch rechnet und die Exklusivität vermisst. Andererseits hat man zwar dann auch zwei Liebhaber, aber naja, ob das zusammenaddiert dann genauso erfüllend ist wie ein singulärer exklusiver Partner? Ist halt alles kein einfaches Ausbalancieren von Quantität und Qualität. Hängt sicher ganz ganz stark von der Persönlichkeit der Beteiligten ab.
Das mit der "Exklusivität" kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber ist das dann nicht viel mehr ein Problem des Partners der nicht Poly ist als das des Polys? Und ist diese Sehnsucht nach Exklusivität denn dann nicht einfach eine Form von Eifersucht? ("Er verbringt Zeit mit einer Anderen, obwohl er sie auch mit mir verbringen könnte") und weiter gedacht müsste das ja dann auch bedeuten, dass offene Mono-Beziehungen ein ebensolches Problem mit sich bringen - das schein aber hier überhaupt niemand zu denken?

Wenn ich mich "geringer geliebt fühle", bedeutet das dann nicht auch einen Vertrauensbruch zum Partner? Ich glaube ihm seine Aussage nicht, dass er mich genauso sehr liebt wie die / den Anderen.

Ok, ich bin mittlerweile echt müde und wenn das was ich da schreibe nicht so viel Sinn macht dann führt das bitte darauf zurück.

Die Quintessenz ist doch folgende: Das Problem an Polyamorie sind nicht diejenigen die Poly sind, sondern ganz eindeutig die, die es nicht sind. Sich aus einer Mono- in eine Polyperspektive hineinzuversetzen und auch noch damit zu leben ist vermutlich schwierig bis unmöglich für die Meisten. Umgekehrt sollte es allerdings nicht wirklich ein Problem sein, da Poly ja nicht bedeutet das man ausschliesslich mehrere Personen gleichzeitig liebt. Die Folge sind das Gefühl "einer von vielen" zu sein und nicht "DER / DIE EINE". Obwohl das nach Polymaßstäben natürlich Quatsch ist.


so
gute Nacht
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Re: Polyamorie

Beitrag von GeheimnisHueter » 23. Jan 2009 17:56

Ja, das kann gut sein, dass die einen das Problem gar nicht sehen, das andere damit hätten.
und weiter gedacht müsste das ja dann auch bedeuten, dass offene Mono-Beziehungen ein ebensolches Problem mit sich bringen - das schein aber hier überhaupt niemand zu denken?
Was uns zu der Frage führt, wo genau der qualitative Unterschied zwischen einer Poly- und einer offenen Mono-Beziehung liegt. Ist erstere genauso locker und ungebunden wie letztere? Ich denke mal nicht, sonst wäre es ja eine offene Mono-Beziehung mal drei :)

Aber vielleicht ist sie das ja doch? Dann sehe ich wiederum keine so großen Probleme, also wenn jetzt drei oder vier Leute mit Ziel offener Beziehung merken, dass zufällig jeder jeden kennt und mag/liebt, und dann halt das Schild "Polyamorie" auf ihre Konstellation kleben. Aber wie oft passiert das schon? :)
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Re: Polyamorie

Beitrag von Garden » 23. Jan 2009 19:25

Also zwischen der offenen Monobeziehung und der Polybeziehung sehe ich doch einen sehr großen Unterschied. Mono, offen heißt doch nur, dass man einen festen Partner hat und dazu dann noch für jeden die Möglichkeit besteht mit anderen Menschen ihren Spaß zu haben. Hierbei muß Partner A die Personen mit denen sich Partner B vergnügt nicht umbedingt kennen oder gar austehen können. Des weiteren können hier diese zusätzlichen Personen durchaus wechseln.

In einer Poly-Beziehung ist es nach meinem Verständniss so, dass Partner A genau so mit Partner B zusammen ist wie mit Partner C und, dass dann natürlich auch Partner B und C eine entsprechende Form von Beziehung miteinander haben.

Ob diese Polybeziehung nun "exklusiv" oder "offen" ist, ist ja noch mal eine ganz andere Frage.
All knowledge is worth having!

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