Studie ueber unterschiedliche Beduerfnisse der Psyche

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Ernie
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Re: Studie ueber unterschiedliche Beduerfnisse der Psyche

Beitrag von Ernie » 26. Jun 2012 19:49

Naja, aussagenlos ist die Studie nicht. Aber ich würde es eher als "Hinweise drarauf, dass..." begrenzen ;-) So wie übrigens bei den meisten Studien^^.

Und den Hauptbefund, dass der eine eher dann mit der Beziehung zufrieden ist, wenn es auch der andere ist, finde auch sehr schön =
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Evve
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Re: Studie ueber unterschiedliche Beduerfnisse der Psyche

Beitrag von Evve » 26. Jun 2012 20:46

"The diversity of couples included in our sample is an important strength of this study [...] " (mehr unter "Method -> Participants" u. "Strengths and Limitations")
Die Stichprobe ist also -sofern man dem eigenen Bericht glauben schenkt (wieder für Fachidioten: ISI Impact Factor: 1.911 (ich möchte aber keine Diskussion über den IF hier eröffnen))- repräsentativ. Man kann natürlich an jede Universität gehen und sagen "hey, ihr müsst euch eure Probanden weltweit zusammensammeln", klar wäre das repräsentativer. Aber das ist ein Totschlagargument wie "Warum testen Sie nicht gleich die Population!".
Die Stichprobengröße allein ist kein Maß dafür ob das Ergebnis einer Studie signifikant ist. Die 156 sind also durchaus annehmbar, denn um ein signifikantes Ergebnis in den Daten zu erhalten waren es genug!

Allerdings gibt es einen Haufen anderer Sachen die mich die Reliabilität und Variabilität, die von dieser Studie anzweifeln lassen. Zwei davon beschreiben Waldinger und Co ja selbst in ihrer Kritik am Ende der Studie: Die Paare können sich zum einen gegenseitig beeinflusst haben und dazu müsste es weitere Studien geben. Außerdem wurde das Experiment unter Laborbedingungen durchgeführt und die sind i.d.R. selten repräsentativ für Alltagssituationen (Wer nimmt sich schon alleine auf Audiotape auf wie er über ein Problem spricht und spielt es dann dem Partner vor??).

Imho bewegt man sich aber allein schon dann auf dünnem Eis, wenn man versucht Empathie (bzw. hier emapthische Korrektheit) durch Auswertung von Fragebögen zu einem numerischen Relativ zu machen und zu messen. Erst recht, wenn die Probanden das selbst machen ( "Following the discussion, participants viewed the videotape of their interaction and continuously rated their degree of emotional negativity and/or positivity during the interaction with an electronic rating device designed for this study.The device had a knob that moved across an 11-point scale that ranged from very negative to neutral to very positive.") Der Unterschied zwischen Männern und Frauen könnte z.B. allein dadurch entstehen, dass die beiden Geschlechter ihre Gefühle grundsätzlich auf einer "Skala" völlig unterschiedlich bewerten. Das wäre vielleicht auch interessant, aber hier kann man finde ich nicht davon ausgehen, dass diese Unterschiede in der Bewertung auf tatsächlichen Unterschiedenen in den Gefühlen beruhen. Das selbe gilt m.E. für die Bewertung der Gefühle des jeweils Anderen. Sie schreiben zwar in der Studie, dass sie das geprüft haben und Männer und Frauen da im Mittel etwa gleich "Maß anlegen", aber irgendwie kann ich das nicht ganz glauben. Und um mal etwas zynisch zu werden: was bitte ist dieses tolle "electronic rating device" welches die sich da für ihre Studie gebastelt haben? *g* Ok, vielleicht ist es ja auch seriös, zugegeben, man weiß es nicht. Aber das Problem des "quantitativen Messens" von "negativen/positiven" Gefühlen und "Empathie" bleibt auf jeden Fall bestehen.

Die Studie wurde zwar bis jetzt noch nicht zitiert, aber sie wurde eben auch erst im April veröffentlicht. Mal abwarten.
Vielleicht wird sie ja sogar erfolgreich repliziert! :wink:
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Ernie
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Re: Studie ueber unterschiedliche Beduerfnisse der Psyche

Beitrag von Ernie » 26. Jun 2012 21:35

Evve hat geschrieben:Aber das ist ein Totschlagargument wie "Warum testen Sie nicht gleich die Population!".

Das sind aber einige der Sachen, die du oben nennst auch ;-) Die Frage nach der Stichprobengröße und ihrer Zusammenstellung war auch vor allem für die Diskussion für Leute, die nichts damit verwandtes studieren gedacht =) Diskussionen über Vor- und Nachteile von Laborexperimenten, der Reliabilität, Fragebogenerhebeung usw. werden wieder sehr akademisch und ausufernd. Sie lassen regelmäßig das ganze Seminar ins Stocken geraten und sind für dich und mich wahrscheinlich leidenschaftlich und emotional zu debatierende Themen, aber die, die es diskutieren wollen, kennen die Probleme eh; die, die es nicht kennen, haben hier auch nichts davon ;-) Denke ich.
(Was keine Kritik sein soll, weil ich dir inhaltlich zustimme, nur will ich die Diskussion nicht abkommen lassen vom eigentlichen Thema: Bedürfnisse beim Verstanden werden und das Reden über Gefühle in der Beziehung.)

[Okay, ich kann es auch nicht lassen^^: Die Signifikanz habe ich oben auch erwähnt. Die steht nicht zur Debatte. Die Frage ist nur in welchem Maß sie für welche Gruppe repräsentativ ist ;-) ]
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Re: Studie ueber unterschiedliche Beduerfnisse der Psyche

Beitrag von Evve » 26. Jun 2012 21:47

jaaaaa, sorry, wie du auch merkst: ich konnts nich lassen und sowas lenkt mich gut ab =) :angel: Und gänzlich unwichtig ist es ja nun auch nicht.

Also nach einem kurzen Exurs zurück zum Thema.
„Eure Erfahrungen / Meinung? „
zu
"Es wird behauptet, dass Maenner in Beziehungen zufriedener seien, wenn die Frau gluecklich / gut drauf ist. Weil es die eigene Stimmung hebt. Andererseits wird behauptet, dass Frauen frustrierte Maenner moegen, wenn diese ueber ihre Probleme sprechen, weil Frau sich dann als Partner ernst genommen / gebraucht fuehlt. „
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Re: Studie ueber unterschiedliche Beduerfnisse der Psyche

Beitrag von <laura> » 17. Jul 2012 22:17

Cat_on_the_Moon hat geschrieben: Was mich interessieren würde was passiert nach diese Aussage denn wenn zwei Frauen eine Beziehung führen? Die müssten sich gegenseitig ja nur fertig machen um sich gut zu fühlen und das glaube ich nun wirklich nicht.
Ich hatte das so verstanden, dass es den Frauen darum geht, dass der Partner sich mitteilt, mit ihnen redet. Sie finden es laut der Studie also nicht unbedingt toll, dass ihre Männer schlecht drauf sind, sondern, wenn die Männer mal zu ihnen kommen und von ihren Problemen erzählen. Bei zwei Frauen würde sich das Problem daher nicht ergeben, nimmt man an, dass Frauen generell mitteilsamer und redseliger (in Bezug auf Probleme) sind.

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