Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

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Félin
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Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von Félin »

Moin zusammen,

für wie wahrscheinlich haltet ihr denn, dass man, so man einmal Blut geleckt hat, sich von dem ganzen wieder abzuwenden und in Zukunft doch wieder ein normales Vanilla-Leben zu führen?
Ich hab mal bei datenschlag was von Vanilla-Schüben gelesen, die oft aus Schuldgefühlen zu kommen scheinen und infolgedessen man alles wegwirft, was mit BDSM zu tun hat.
Auch ansonsten hab ich durchaus mitbekommen, dass man mit BDSM nichts mehr zu tun haben will, weil ein oder mehrere Doms/Subs hintereinander sich als Vollpfosten herausgestellt haben, von denen man sehr verletzt wurde und was man natürlich in Zukunft vermeiden möchte.

Aber wenn all das nicht gegeben ist, passiert es auch dann sich gegen BDSM zu entscheiden? Oder fehlt einem da etwas auf Dauer, quasi einmal BDSMler, immer BDSMler? Und wie geht man als perverser Freundeskreis/perverser Partner mit so etwas um? Sollte man missionieren, sollte man darauf vertrauen, dass sich das alles schon irgendwie fügen wird oder noch was ganz anderes?

Ich bin gespannt
Félin
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Ich glaube, am Südpol gibt es keine Hummeln, weil Pinguine die Ungerechtigkeit nicht ertragen würden. (www.twitter.com/diktator)

Chimaera
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von Chimaera »

Hm, ich habe eine Freundin die jetzt in einer vanilla Beziehung und offensichtlich sehr glücklich ist, bei der vorher niemand, inkl. ihr selbst, gedacht hätte daß das möglich sei.

Ich selbst habe da ein wenig schwankende Selbsteinschätzungen. Zu Anfang war BDSM für mich klar eine Option, dann war ich mir nicht sicher ob ich die Finger davon lassen könnte, inzwischen denke ich aber, daß ich, wenn man mit der Person eine wirklich starke Verbindung und Anziehung auf anderer Ebene spürt, z.B. immer ein Gespräch zusammen findet, die sexuelle Lust harmoniert, etc. ich BDSM wahrscheinlich nicht vermissen würde.
Solang der Sex heiß, lang, leidenschaftlich und befriedigend ist - und dann kommt natürlich wieder die Definition von 'wann fängt BDSM an' ins Spiel. Mal ein bißchen kebbeln und raufen im Bett? Darum würd ich garantiert nie herum kommen.
Was wahrscheinlich nicht ginge, wäre mit jemandem mit dem ich schon in dem Kontext zusammen war, plötzlich auf Vanilla umsteigen, da gäbe es einfach zu viele Trigger.

Missionieren würde ich bei anderen auf keinen Fall, die Personen wissen ja auch was sie aufgeben. Wenn sie merken, daß es ihnen im Moment nicht gut tut oder einfach nichts bringt, ist es richtig sich davon zu distanzieren, jeder muss selbst erspüren und herausfinden womit er glücklich ist. Und ein offener Geist für Dinge die einen glücklich machen, auch wenn man es nicht erwartet hätte, ist der gesündeste Weg. Falls es Ängste aus schlechten Erfahrungen sind, kann man eine Hand reichen, aber es bleibt weiterhin bei der betroffenen Person ob sie diese annehmen will.
Wenn BDSM im Bekanntenkreis die größte Gemeinsamkeit war, kann es natürlich sein, daß die Freundschaft mit der Zeit ausblutet, aber das ist ein natürlicher Mechanismus. Menschen wechseln ihren Bekanntenkreis mehrfach im Leben und Sandkastenfreundschaften, auch wenn man immer mal wieder davon hört, sind wirklich ein rares Gut. Das man sich auseinanderentwickelt bedeutet ja nicht, daß man verbrannte Erde zurücklässt, auch ohne gemeinsame Ausflüge auf die nächste Fetischparty kann man ja noch ab und zu 'wie gehts, was gibts neues?' Kontakte erhalten.

Edit:
Vanillaschübe hatte ich zwar schon, aber nie im zusammenhang mit Schuldgefühlen. Einfach nur manchmal das Gefühl, ich will jetzt Sex, Kuscheln, Liebhaben, ohne alles drum und dran. Nur ich und der den ich liebe, pur, so nah wie es geht. Also eher ein Drang nach gelegentlicher Vereinfachung, back to the basics. Kein werben, kein aufgeilen, einfach nur wissen, daß der andere einen so wie man ist mit jeder Faser begehrt und gleiches auch zeigen, ich habe ihn, er hat mich und alles ist gut, zumindest für ein paar ruhige Minuten.
Das geht bei mir normalerweise mit einem Drang einher mich von anderen Menschen, außer Partner und Familie für eine Weile zurückzuziehen - der passendste Begriff den ich dafür bisher gefunden habe 'peopled-out'. Nachdem die Akkus dann wieder voll sind, gibt sich das auch wieder.

Marnie
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von Marnie »

Warum nicht? Wenn man SM einfach nicht mehr braucht, um Intimität, Erregung oder was-auch-immer aufzubauen, wäre man doch schön blöd, zwanghaft damit weiterzumachen, nur um "cool" und sexuell kreativ zu bleiben, den Anschluss nicht zu verlieren oder die SMJG-Freunde nicht zu enttäuschen. Und wer anfängt, Leute zu missionieren, die so langsam Vanilla werden, hat einen Knall. Ich dachte, wir sind sexuell tolerant. Hört die Toleranz etwa da auf, wo die Perversion aufhört? Oder hat man gar ausser seiner Sexualität gar keine gemeinsame Basis mit seinen Freunden?

Pucko
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von Pucko »

Diese Gedanken dem BDSM fern zu bleiben kreisen bei mir auch immer wieder mal im Kopf herum sobald man einen tollen Menschen aus dem Vanilla Umfeld kennen lernt mit der man sich eine Beziehung vorstellen könnte. Einige Menschen können das auch super ausblenden. (kenne da selbst einen der ne Vanilla Beziehung führt obwohl er BDSM'ler ist)

Ich für meinen Teil habe das auch schon mehrfach versucht, einmal sogar am Anfang mit einer Vanilla Beziehung, doch konnte ich das nicht einfach ausblenden und man kommt irgendwann zu der Erkenntnis das man sich eigentlich nur selbst belügt und kommt zu den magischen Worten "Schatz ich möchte da mal mit dir über was sprechen.". Der eine mit mehr, der andere dann mit weniger Erfolg. ;)

Ich würde aber mal drauf tippen das die meisten in diesem Forum das nicht ausblenden können. :angel:

Quotenvanilla
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von Quotenvanilla »

Wie mein Nickname suggeriert, bin ich ja nicht gerade die härteste Perverse hier.
Zwischendurch habe ich immer wieder furchtbare Vanilla-Schübe, bei denen ich nichts, was mit Bdsm zu tun hat, sexuell was abgewinnen kann.
Wenn in einer solchen Situation jemand anfängt, zu "missionieren", mich zu überreden oder das Thema auch nur intensiv beredet, verlängert sich die Phase. Dabei weiß ich aber immer, dass es eben nur eine Phase ist, ein "jetzt nicht, aber später".

edit: wieso sie "furchtbar" sind? Weil sie mich nicht gerade glücklich machen, wenn ich gerade einen habe und dann auch mit meiner Vergangenheit und Sexualität nicht glücklich oder zufrieden bin.
Manche Männer verstehen unter Vorspiel eine halbe Stunde betteln.

Schildkroete
Vielschreiber
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von Schildkroete »

Bei mir soll es das auch geben ;)
Aber da ich definitiv kein Mensch bin, der sich durch BDSM identifiziert, sondern es als Opus operatum praktiziert :)

Ein Freund von aktiver "Mission" bin ich definitiv nicht. In einem solchen Fall würde ich abwarten, der/die Betreffen/de wird sich entweder selber wieder ändern oder scheint mit seiner/ihrer Wandlung glücklich(er) zu sein. Zwang. egal ob aktiv oder passiv, ist niemals hilfreich. Wenn man mit BDSM ganz aufhören kann, ist es für einen selber keine festgewurzelte Eigenschaft, sondern vielmehr eine Neigung oder auch Vorliebe die man hinter sich lassen kann, wie man einen Lebensabschnitt (Schulwechsel, Partnerwechsel, ...) hinter sich lassen kann; Wenn nicht, dann nicht.

*edit*: Habe gerade mal wieder Texte alle "früher konnte ich mir BDSM/24/7/diesUndJenes nie vorstellen, doch dann kam der Augenblick an dem sich alles änderte..... Wieso sollte das nicht auch in die andere Richtung möglich sein?
Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;
herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt;
nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.
Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.
-Prediger 3,1-8
...and Homer, since you're dressed for it, I've got some
S and M for you -- scrubbing and mopping!

Carisa
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von Carisa »

warum soll das nicht so sein...
Man ändert sich als Mensch doch häufiger, wie viele Mädels fanden in der Pubertät Pferde gaaaaanz toll und später langweilig?

Und BDSM kann ne Zeitlang interessant sein und dann vielleicht auch irgendwann nicht mehr, aber das kann sich auch wieder verändern.
Es gibt auch Menschen die ihr Leben lang immer Hetero waren und dann irgendwann auf Homo umschwenken, ohne vorher schon in der Richtung unterwegs gewesen sein...

johnrambo
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von johnrambo »

Félin hat geschrieben: ...Ich hab mal bei datenschlag was von Vanilla-Schüben gelesen, die oft aus Schuldgefühlen zu kommen scheinen und infolgedessen man alles wegwirft, was mit BDSM zu tun hat...
Félin

jap...nicht genau so, aber so ähnlich...ich krieg ab und zu so schübe, besonders wenn was nicht gut läuft, wo ich mir denk, warum bin ich so ein krankes, perverses Schwein :) und warum kann ich nicht einfach nur auf normal sex stehen...Fakt ist dass in meinem Freundeskreis niemand auch nicht im Entferntesten so tickt wie ich - und - obwohl es alles, allles sehr sehr liebe und kluge Menschen sind, es jeden schockieren und von mir wegtreiben würde...dem nach kann ich oft mit niemandem darüber reden, aber...naja...ich schmeiss da gar nix weg, und dann kommen wieder Erfolge...und dann denk ich mir: ich kanns mir leisten so zu sein wie ich bin und ich steh da nochmal ne klasse drüber, es geht keinen was an, weil ich ja sowieso bei allem total anders bin und meinen Weg geh...
"ZERSCHMETTERT IN STÜCKE - (IM FRIEDEN DER NACHT)" lawrence weiner

female_warlock
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von female_warlock »

Ich habe knapp 3 Jahre jegliche BDSM-Aktivität eingestellt, weil ich in einer Beziehung mit einem Vanilla war. Zunächst dachte ich, dass ich ihn vielleicht ein bisschen in die Richtung bewegen kann - dem war leider nicht so. Dann dachte ich, dass ich ihm zu Liebe darauf verzichten kann ... und es ging eine Zeit lang gut. Aber irgendwann hat es mich innerleich schier aufgefressen, dass ich das, was mir so sehr gefallen hat und was ich jahrelang ausgelebt habe "weg" war und keine Aussicht auf Veränderung bestand. Dies war letztendlich auch der Punkt der dann eine ganze Reihe weiterer Beziehungsprobleme ausgelöst hat. Sexuelle Frustration, Fehler des Anderen waren auf einmal Probleme, ständig wegen Kleinigkeiten gestritten und das "nur", weil er wusste, dass ich BDSM brauch, er mir es aber nicht geben konnte....

Letztendlich haben wir uns vor einigen Wochen im Guten getrennt - ja, wirklich im Guten, wird reden ganz normal miteinander - und es geht uns beiden gut damit. Für mich war das schon eine riesen Last die ich da mit mir rumgeschleppt habe, weil ich so sehr gehofft habe, dass die Liebe stark genug ist um auf BDSM zu verzichten. Ich für meinen Teil kann also sagen: ohne BDSM geht es nicht mehr.
weiblich - 22 Jahre - Switcher

deidre
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Re: Und auf einmal ist man nicht mehr pervers...

Beitrag von deidre »

In Depri-Phasen (wo jegliche Lust sich dem Gefrierpunkt naehert), kann ich nichts mit BDSM anfangen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass sich BDSM komplett aus meinem Leben verabschiedet. Ich sitze auch einfach so gerne zu Fuessen meines Schatzes, beiße ihn beim Kuessen und werde -von ihm- gerne fest umarmt.

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