wenn die eltern nicht verstehen...

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

Moderatoren: Seelenoede, Kuscheltier

tegi
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 1192
Registriert: 25. Apr 2005 13:57

wenn die eltern nicht verstehen...

Beitrag von tegi »

guten morgen allerseits, ich muss mir mal wieder ein wenig von der seele schreiben:

vor einiger zeit habe ich meinen eltern gesagt was ich so mag, einfach um zu vermeiden, das bei gewissen geräuschen, spielzeugen usw spontane urängste aufkommen. anfangs war auch alles toll, meine eltern schienen mich zu verstehen und ließen mich machen - alles schien perfekt.

aber wie sovieles bei uns daheim ist es mehr schein als sein!

meine mutter hat es eigentlich nie so richtig wahrhaben wollen, sie scheint es munter vor sich hin zu verdrängen und in gesprächen mit meiner schwester, die widerrum ihre "infos" von meinen eltern hat, kam jetzt eigentlich heraus, das da noch genug urängste vorhanden sind.
meine schwester machte sich primär sorgen um die hygiene, als ich diese sorge dann mittels ein paar erläuterungen und der tatsache das ich beim sex kondome verwende beseitigt hatte, da kam dann das eigentliche problem auf: was ist BDSM...

trotz eines nun über ein jahr dauernden aufklärungsfeldzuges meinerseits habe ich das gefühl, das dieses bild von dem sich selbst glücklich zu tode strangulierenden oder des fetten bänkers der sich von einer hässlichen domina auspeitschen lässt mit den worten "ich war ein ganz unartiger junge", nicht wirklich beseitigen. meine schwester ist nciht viel älter als ich, ich habe es nun nochmal einigermaßen erklärt, da auf diese "anormalität" meinerseits, BDSM, bei uns daheim extrem viele probleme zurückzuführen sind...

meine mutter macht eigentlich ihr ganzes leben nichts anderes als zu repräsentieren, man könnte eine karrikatur von ihr anfertigen, wie sie mit mühe und not eine langsam zerbrechende glänzende fassade eines hauses unter einsatz aller gliegmaßen aufrechterhalten will, nur um das verfallene gemäuer dahinter zu verdecken. sie will es nicht wahrhaben, einerseits tut sie so als sei es normal, andererseits verweigert sie jegliche informationen zu dem thema aufzunehmen!

mein vater hingegen will einen sohn auf den er stolz sein kann und "er haut seine freundin" ist nun wirklich nichts, worauf er stolz sein kann, ich soll normal sein, leistung erbringen und nur das zählt, da passt nun BDSM rein gar nicht rein!

immerhin bin ich nicht schwul, dann wäre ich mal so richtig am arsch, aber nunja, da habe ich ja nochmal glück gehabt!

meine eltern schauen weg, sie wollen es nicht sehen, sie wollen es mit aller macht verbieten, sie wollen alles, was nicht ihren maßstäben aus ihrer jugend entspricht verbieten, einschränken, stoppen.

wann darf man ersten sex mit einer freundin haben? muss man erst 4wochen lang im park spazieren gehen, 4mal im kino und 7mal in der eisdiele gewesen sein, bevor man einfach mal sex hat? scheinbar schon! aber ich bezweifle das es so am reinen sex liegt, ich denke es liegt vielmehr an der art der sexuellen handlung, die auch noch hier im hause vorgenommen wurde!
ein handtuch, welches als unterlage diente wurde bei der schmutzwäsche aussortiert, meine mutter wollte meinen "spermalappen" nicht waschen! das dieses handtuch im schlimmsten falle die intimbereiche 2er personen berührte aber keinesfalls mit sperma o.ä. flüssigkeiten in kontakt kam, das war egal das handtuch diente einfach nur der absicherung, da ich keinen bock darauf hatte mir das gelaber meiner mutter anzuhören wenn sie im bett einen, oder sagen wir lieber "irgendeinen" fleck fand.

das handtuch ist ein tolles beispiel wie meine sexualität direkt abgelehnt wird, ungeachtet meiner erklärungen wurde das handtuch als "ekelhaft" aussortiert, ich werde es wohl einfach heimlich mit meiner sonstigen wäsche waschen müssen oder es verbrennen müssen, sexualität ist ja schließlich etwas abstoßendes, keinesfalls anzufassendes oder gar normal behandelbares.

da wird einem trotz der tatsache das das lauteste "gerät" im zimmer nicht die freundin sondern der ventilator war gesagt man hätte das gestöhne und geschreie bis in den garten gehört, bei geschlossenem fenster, eine wirklich interessante theorie, da ncihteinmal laute musik durch ein offenes dachfenster im garten gut zu hören ist und "wir" sehr leise waren.

ich finde es überaus faszinierend, wie verzweifelt gründe vorgeschoben werden, um zu sagen das die vorgenommenen sexuellen handlungen doch ekelhaft wären und nicht "tolerierbar" seien, so wurde dann der nächste kleine zwischenfall, eine ncihtigkeit, zum absoluten familienstreit hochgeschauckelt, mit absolut erdrückenden beleidigungen, einfach nur stellvertretend für das was man natürlich nciht direkt angreifen kann: die sexualität des sohnes!

ich bin mit meinem latein am ende, hier im hause werden regelungen und maßstäbe angesetzt und mit einer beleidigenden penetranz durchgeprügelt, die eher vor 30jahren bzgl der sexualität galten, darüber richtig reden? fehlanzeige! es vertuschen, verdrängen, andere gründe zum streiten vorschieben? volltreffer!


ich bin jetzt soweit, das ich sagen muss: outing war nötig und wichtig, da meine eltern sich andernfalls in paranoiden wahnvorstellungen bzgl meiner wochenendausflüge verlaufen hätten. aber outing ist nciht einfach, auf den ersten blick war es toll, es einfach den eigenen eltern anvertrauen zu können, das nimmt einem eine unglaubliche last. langfristig gesehen muss ich jedoch sagen, hat das outing bei mir zu extremen spannungen in der familie geführt, mangels toleranz, offenheit und einfach den mut sich mit dingen zu befassen die nicht im bereich der normalität liegen, der normalität, die sich manche leute gerne einbilden um sich das leben zu vereinfachen.

ich werde jetzt sehen das ich von zuhause wegkomme, ausziehe, sehe, das ich unterhalt bekomme und abstand gewinne. mit den derzeitigen sanktionen ist sogar ein "normales" sexualleben in diesem hause hier absolut unmöglich, von dem sexualleben, welches ich anstrebe muss ich da wohl gar nicht soviel reden, ich bin einerseits zutiefst enttäuscht von meinen eltern, andererseits weiss ich, das nciht alles, wofür ich jahre brauchte um es zu verstehen von den eltern in wenigen monaten aufgeholt werden kann, bei manchen eltern wird dies wohl nie möglich sein, ich weiss nicht ob das verhältnis zwischen meinen eltern und mir nun dauerhaft oder nur für eine gewisse zeit durch BDSM zerstört bzw gestört wurde, zur zeit sieht es einfach nur aus wie ein riesiger scherbenhaufen und ich habe nicht vor auf diesen scherben solange herumzuspringen, bis sie zu staub zerfallen und nie wieder zusammengesetzt werden können.

auch wenn nun gerade in den letzten 1-2 wochen viel hässliches gesagt wurde, so hässliches, das ich eigentlich nicht verzeihen kann, so muss ich sagen: es sind meine eltern und irgendwo besteht in mir dann doch, trotz der extrem vielen verfehlungen ein wunsch das alles gerade zu rücken, aber nicht jetzt, jetzt ist bei dem versuch auch nur irgendetwas ein wenig zu rücken eigentlich alles zerstört worden.



ich frage mich immer noch, warum nach dem outing alles so normal war, alles so "sonnenschein"-like und eher rosarot als alles andere, vermutlich einfach nur eine simple schutzmaßnahme um sich nicht anmerken zu lassen, wie dreckig es im inneren aussieht, eine grausame maskerade, die irgendwann zusammenbrechen musste.

auch erschreckend: trotz vieler erklärungsversuche, auch bei meiner schwester scheint der eindruck noch so extrem von vorurteilen durchsetzt zu sein, das es eigentlich auch nicht wirklich verständnis ist, was sie hat, auch da ist es eher nur "aufgesetzt", aber es ist einfach so unglaublich mühsam menschen klarzumachen was BDSM ist, wenn diese menschen nur die unglaublich platte und dumme klischeewelt des fernsehens und der zeitung kennen - wenn überhaupt.
alles was der mensch nicht kennt, das macht ihm angst, ironischerweise kann man dann dem menschen ruhig sehr genau erklären was es ist, wie man dazu kam, es wird evt für eine kurze zeit präsent sein, aber dann wieder durch vorurteile und angst weggeschwemmt.
vermutlich müssen manche BDSM erst selbst mit ansehen oder gar selbst an sich, mit dem partner erleben um es irgendwie einschätzen zu können.




das wars auch schon, mal gucken ob ich da noch etwas hinzufüge...

...sollte irgendjemand fragen zur situation haben oder sonstige fragen, werde ich sie gerne beantworten, sofern die beantwortung der frage nicht in zu intime bereiche hineingehen würde.

na dann gute nacht!
Wer meint sich für irgendwas rechtfertigen zu müssen, der fühlt sich schuldig, also lasst den Scheiss, nehmt eine aufrechte Körperhaltung an und lebt euer Leben!

Wäscheklammer
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 84
Registriert: 17. Jan 2004 17:59

 

Beitrag von Wäscheklammer »

Hallo Tegi!
Was du da erleben musst tut mir sehr leid und ich glaube ich kann dir wirklich nur den Tipp geben einfach auszuziehen. Und ich glaube auch da kannst du reden so viel du willst. Wer sich wegen einem sogenannten Spermahandtuch anstellt, wird BDSM nie verstehen.
Ich habe gerade auch ein Outing hinter mir, nachdem meine Mutter vor 2 jahren bei mir die Wahl der Qual gefunden hatte. Sie hat mir einen Zettle geschrieben auf dem stand " Prügel kannst du auch von mir haben!" Nich sher nett. Aber jetzt hatte sich das Thema ergeben und ich habe ihr ein bisschen verständlich gemacht worum es bei SM so geht. Und sie meinte dass wenn zwei Menschen etwas einvernehmlich miteinander tun was Spaß macht, sie nichts dagegen hätte. Ihr einziger Einwand war, dass ich nicht mit Fremden spielen sollte.
Wäscheklammer
Lächle und seih froh denn es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer

_jamiZ
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 46
Registriert: 26. Jul 2006 22:28

 

Beitrag von _jamiZ »

Lieber Tegi,

es ist faszinierend für mich, dass ich tendenziell nicht der einzige in diesem alter bin, dem derartiges widerfährt.

gut, meine erfahrungen liegen ein lange zeit zurück und behandeln ein anderes thema - das kiffen. dennoch liest sich dein monolog original wie ein auszuug aus dem blog meines lebens. von daher kann ich dir einiges über deine situation erzählen:

deine eltern stehen meiner meinung nach gerade in einem zwiespalt. vorher gab es einen gedanken, der darauf pochte, dass du endlich erzählst, was los ist. jetzt verwirft sich dieser gedanke immer mehr und deine eltern haben das gefühl, sich darüber zu ärgern, dir jemals zugehört zu haben. ich denke da liegt der hund begraben und dort solltest du, fairer weise, ein letztes mal versuchen anzusetzen.


ich würde entweder nocheinmal die direkte konfrontation mit der person aus deinem elternhaus suchen, zu der du den besten draht hast (es gibt IMMER einen den man mehr mag). geh hin, rede und frage sie, was eigentlich passiert ist. drücke vielleicht dein verständnis aus, das deine eltern diese welt mögl. weise niemals aktzeptieren werden, aber sage ihnen auch, das du ein recht hast, deine sexualität auszuleben, was sie ja zu 99% gar nicht mitbekommen müssen. biete ihnen an, offen über details zu reden, oder sie auch ganz weg zu lassen. sage ihnen mal, dass du es unsinnig findest, wegen einer abnormalität - die nunmal einen menschen aus macht und die bei ihnen in irgendeiner form auch zu finden sind ("... sieh mal, papa ist der geborene sicherheitsmensch und überlegt sich alles 1000 mal - sowas ist normal!") - deine eigentlich gute beziehung zu deinen eltern zu zerstören.

es ist nur ein vorschlag, mir wäre all das recht wichtig, einfach um des versuchs wegen. falls sie dann abblocken, ziehe deine konsequenzen und zeige ihnen, was sie mit ihrem kanalisierten verhalten anrichten.

bei allem was du tust wünsche ich dir verdammt viel glück!
jamiZ
Hütet Euch vor dem Alien, dem Mutanten, dem Ketzer...

tegi
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 1192
Registriert: 25. Apr 2005 13:57

 

Beitrag von tegi »

konfrontationen gab es schon genug, es half nichts, zZ bleibt nur ausziehen, abstand und ruhe und mal gucken ob es mit der zeit gerichtet werden kann.
Wer meint sich für irgendwas rechtfertigen zu müssen, der fühlt sich schuldig, also lasst den Scheiss, nehmt eine aufrechte Körperhaltung an und lebt euer Leben!

_jamiZ
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 46
Registriert: 26. Jul 2006 22:28

 

Beitrag von _jamiZ »

das hatte ich mir gedacht..

und es ist auch richtig, zu einem zeitpunkt, an dem es einfach nicht mehr geht zumindest für sich selbst einen schlussstrich zu ziehen.

ich finde es gut, dass du mit einer haltung in die zukunft schaust, die durchaus daran interessiert ist, irgendwann wieder eine verbindung zu knüpfen.
Hütet Euch vor dem Alien, dem Mutanten, dem Ketzer...

Sihaja
Unglaublicher Schreiber
Beiträge: 1083
Registriert: 21. Dez 2005 02:04

 

Beitrag von Sihaja »

naja, meine meinung zu dem thema kennst du ja... an deiner stelle hätte ich mich schon vor jahren aus dem staub gemacht...

trotz allem können mir solche halsstrarrigen menschen, die in ihrer eigenen kleinen heilen vorstadt-welt so festgefahren sind nur leid tun. sorry, aber wer nicht mal seinen sohn so akzeptieren kann wie er ist der ist einfach eine miserable mutter / vater. mag sein, dass es schwer für sie ist das zu akzeptieren. aber dennoch finde ich es traurig, dass sie es nicht mal zu versuchen scheinen. denn zumindest DAS wäre ihre pflicht als eltern...

das mit der fassade kenne ich nur zu gut, zum glück ist meine mutter mittlerweile so weit das sie sagen kann "das ist ihr ding, ich hab damit nichts am hut". aber das hat vier harte jahre gedauert. und am meisten weh tut es, wenn einem die menschen die einem am meisten bedeuten sagen, dass sie enttäuscht sind. wenn einen genau diese menschen nicht akzeptieren und man selbst nicht mehr genau weiß, wer man eigentlich ist, und ob man wirklich so leben will.

ich habe mich vor vier jahren entschieden, dass ich meinen weg gehen werde, egal, was meine eltern oder meine freunde dazu sagen. es war wirklich nicht einfach, grade am anfang. aber ich weiß, dass es der richtige weg war. und damit ich es nie vergesse, habe ich mir das, was mir am allerwichtigsten ist, meine "freiheit" in den rücken stechen lassen... ich werde sie mein leben lang mit stolz tragen...

tegi... das wichtigste ist, dass du weißt, wer du bist und was du willst. es mag weh tun, wenn du feststellst, dass die personen, die dir am meisten bedeutet nicht zu dir stehen. aber du darfst nie vergessen, wer du bist und wohin du willst. und woher du gekommen bist. schau dir an was du geschafft hast, und wer dich begleitet hat. und wer dich in zukunft begleiten wird, egal welchen weg du einschlägst. es wird immer jemanden geben, der dir kraft gibt. und wenn du selbst der jenige bist.


so, vermutlich tropft schon das schmalz aus dem bildschirm... aber das musste nun einfach mal gesagt werden :-)


achja... wenn du nicht weißt wo du hinsollst... ich hab immer ein offenes ohr und eine bequeme couch...


haja
If it hurts it will only make you stronger.
If it requires sacrifice victory will be that much sweeter.
And nothing, really nothing compares to reaching goals that others said were out of your reach.

Capt. Sado
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 14
Registriert: 25. Apr 2006 01:52

 

Beitrag von Capt. Sado »

Toleranz ist ein Beweis des Mißtrauens gegen ein eigenes Ideal.

tegi, mutest du deinen Eltern nicht vielleicht etwas zu viel zu?
Ich bin überzeugt, dass du wohl versucht hast dich in die jeweiligen Charaktere deiner Eltern hineinzuversetzen. Bestimmt auch in der Überzeugung ein offenes Wort von ihrem Sohn würde viele Zweifel im Vorfeld ersticken... aber ist es nicht doch etwas komplizierter?

Fasaden sind wichtig. Für jeden von uns. Einmal mehr, einmal weniger.
Das deiene Eltern kurz nach den Gesprächen ein eher offenes und harmonisches Bild gezeigt haben kann für mich etliche vernünftige Hintergründe haben. Sei es um dir Respekt für deine offnen Worte zu zollen. Du schreibst auch, dass deine Eltern alles, was nicht den Maßstäben ihrer Jungd entspricht stoppen wollen.
Nun, solche Ideale geben Kraft. Man kann sich an so etwas klammern und Kraft finden. Man propagiert dies gerne als Normal und kann somit sehr leicht das Abnormale erkennen und nennen. Dies ist bequem. Wer ist nicht gerne bequem?

Bestimmt sind nach diesen Gesprächen deinen Eltern tausende von Gedanken durch den Kopf gegangen und viele davon haben Zweifel geschürt. Zum einen vor dem Unbekannten, dem BDSM, zum anderen um das unnormale Verhalten ihres Sohnes.
Das daraus unqualifizierte Äußerungen rersultieren, verwundert mich nicht. Aber auch hier wird die Zeit die Wogen kletten.
Sollte es für dich möglich sein, wage den Schritt der räumlichen Distanz, wobei ich räumlich gerne betonen würde. Bei allem andrern würden wahrscheinlich nicht heilende Wunden verbleiben.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass sich unter der glänzenden Fasade baldmöglichst wieder ein stabiles und familiäres Gemäuer befindet!

Kat
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 23
Registriert: 16. Jul 2006 16:04

 

Beitrag von Kat »

duuuu tegiiii? eigentlich würde ich ja hier jetzt erstmal was posten, aber ich denke, wir beide drehen heute nochmal eine ausgiebige Runde durch den Tierpark... (vllt sehen wir dann auch endlich mal die Teddys O.o)....

Zu den anderen:
Ich kenne selbst ebenfalls das Problem, den eigenen Eltern etwas klar zu machen, was seit langer Zeit ist, aber noch nie zur Aussprache kam. Meine Eltern wissen nichts von meinem Bezug zum BDSM, einfach weil ich sie aufgrund meiner Vergangenheit nicht schon wieder mit etwas schocken will... die haben in den letzten Jahren genug gelitten... ich hatte meine Volljährigkeit und die damit doch etwas gestiegene Unabhängigkeit genutzt um ihnen Dinge zu erzählen, die so passiert waren. Und die Wochen danach waren jedesmal die Hölle, weil meine Eltern sich zu unrecht Vorwürfe gemacht haben und echt nachtäglich mit mir mitgelitten haben. Sei es jetzt die erste Beziehung (mit einer Frau), oder daraus folgende Missstände in meinem Leben (vorerst hier kein weiteres Outing, da mein Freund da Vorrecht hat :)). Manchmal ist es besser zu schweigen und sein Schauspiel fortzusetzen... einfach nur um jemanden, den man verdammt gerne hat zu schützen. Und so schwer ist es für mich (leider) mittlerweile nicht mehr, eine Maskerade aufrecht zu halten... egal für wieviele Menschen... diese Schauspielerrei hatte sich in all den Jahren bei mir nur bedingt absetzen lassen(!), was ich ein paar sehr guten Freunden verdanke, die einfach gelernt haben zu sehen, wenn ich nur "spiele". Solche Leute sind es auch, die einem gerne zuhören, für einen da sind (auch in der Woche um 23Uhr) und einem - sofern man das will - mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Wenn jeder von uns in sich selbst schaut wird er höchstwarscheinlich genauso wie ich die Antwort finden, das Freunde eh immer mehr wissen als die eigene Familie. Selbst meine Schwester weiß davon nichts... okay, sie weiß auch einige andere Dinge nicht. Aber das ist alles nur Schutz.

Auch wenn ich hier vielleicht schon vom Thema abweiche, aber irgendwie muss das gerade alles raus:
Ich hatte damals (vor ca. 9 Jahren) immernur Stress mit meinen Eltern. Meine damalige erste große Liebe haben sie nie kennen gelernt, weil ich Angst hatte, sie würden eine Tochter "vom anderen Ufer" nicht akzeptieren können. Es folgten durch den Stress und noch ein paar andere Geschehnisse wieder andere Situationen. Das ich mich dies und der anderen Sachen bezüglich geäußert habe gegenüber meinen Eltern lag eigentlich nur daran, das sie mich irgendwan so gereizt hatten, das ich nicht mehr Schauspielern wollte, sondern nur noch explodiert bin. Ich glaube der Höhepunkt war damals der Versuch, mich zu einer Erziehungshilfe zu schleifen. Da endeten die ersten zwei Sitzungen eigentlich beide gleich: Drei Leute redeten ununterbrochen auf mich ein, machten mich fertig, zerstörten mein Schauspiel und mein Selbstvertrauen, versuchten mich in IHRE Schiene zu zwingen und aus mir ein anständiges und braves Mädchen zu machen... jetzt so im Nachhinein... könnte ich mir sogar vorstellen, das diese Situation bei mir ein wenig die Sehnsucht nach einer starken Hand hat aufschwellen lassen.
Aber egal... Als es dann zu dieser Explosion kam hatte mich ein guter Kumpel aus Köln vor einem sehr großen Fehler bewahrt... er lud mich binnen 5 Minuten telefonat ein, ihn übers WE besuchen zu kommen. Genau damit verhinderte er, das ich aus einem Sportgerät eine Waffe machte. Ich hatte meinen Eltern einen Zettel geschrieben, wo alles drauf stand was in den letzten Jahren passiert war... wie ich mich gefühlt habe, was ich für Gedanken hatte, warum ich das Schauspielern mache... ich glaube ich habe damals mit Absicht alles sehr Vorwurfsvoll verfasst, weil ich wollte, das sie sich genauso schlecht fühlten wie ich es tat. Das sie spürten, welchen Schmerz sie und ein paar andere Leute mir angetan hatten - das sie endlich wussten, was sie dort WIRKLICH in Ihrer Familie hatten. Mit meinem letzten Geld habe ich dann drei Tage spontanen Urlaub eingeworfen und binnen drei Tagen 5 verschiedene Städte besucht :).

Was aber letzten Endes das ganze niederfassen dieses Textes zu bedeuten hat: Einerseits möchte ich damit Mut aussprechen. Es gibt keine Familie wo alles Friede Freude Eierkuchen ist. Es gibt auch keine perfekte Welt. Es gibt die Welt die man sich selbst macht und anderen erlaubt zu machen. Klar, ein paar Dinge sind einfach vorgegeben, aber trotzdem liegt es immernoch an uns, den entscheidenden Schritt zu machen. Und wenn es nur ist, das du dich jetzt z.B. entscheidest auszuziehen und deinen endgültig eigenen Weg zu gehen - ohne eine Mutter und einen Vater die direkt(!) hinter dir stehen und dich in den Arsch treten, stützen oder anderes.
Andererseits wollte ich mir auch einfach mal (wieder) ein wenig aus dem Gedächniss schreiben. Viele Dinge heute erklären sich mir, wenn ich anfage darüber zu schreiben. Und auch interessieren mich oft die Meinungen anderer zu diesen Dingen (auch wenn ich hier aufgrund von Respekt gegenüber Tegi noch nicht alles erzählt habe), da gerade Neutrale Personen, die einen nicht kennen und keine eigene Meinung besitzen immernoch die besten Richter sind. Natürlich soll hier nicht gerichtet werden, aber wenn es jemanden verlangt, sich dazu zu äußern, dann soll er das ruhig tun.

Soweit vorerst von mir. Muss jetzt wieder an die Arbeit.

Mfg
Kat

Lasira
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 191
Registriert: 6. Sep 2005 22:56

 

Beitrag von Lasira »

Wenn Eltern nicht verstehen ... oder nicht verstehen wollen ...
Ich finde es grausam, wei manche eltern mit ihren Kindern umgehen, wenn sie etwas über deren Sexualität erfahren. Weder Homosexualität noch andere sexuelle Vorlieben sollten die Eltern zu solch einem Verhalten verleiten.
Sicher haben viele Eltern ein Problem damit, wenn ihre Kinder groß und somit sexual aktiv werden. Aber das müsste unabhängig von der Ausrichtung des Kindes passieren.
Ich muss zwar damit leben, dass meine Eltern immer noch Sex haben, aber vorstellen, oder es gar mitbekommen (egal ob visuel oder akustisch), will ich es auf keinen Fall. Vielleicht kann man das Verhalten der Eltern so verstehen, dass es ihnen genauso geht. Für sie sind wir immer noch die Kinder, die sie selber auf die Welt gebracht und/oder groß gezogen haben. Dass wir selber sex haben, ist für viele nicht leicht zu verstehen. Gerade wenn man noch immer im alten "Kinderzimmer" wohnt, in dem man einst noch mit Puppen spielte. Sobald man ausgezogen ist, sehen sie das gelegentlich anders. Das ist für viele Eltern ein unübersehbares Zeichen, dass man ein eigenständiger Mensch ist, und nicht mehr nur das Kind der Eltern.

Allerdings sollten Eltern der Sexualität des "Kindes" auch mit gesundem Menschenverstand begegnen. Immerhin können sie einen durch permanente Ablehnung nicht "umerziehen"! Weder Homosexualität, noch die Neigung zum BDSM kann man freiwillig ablegen. Wenn Eltern mit ihren Kindern da nüchtern drüber reden würden, wäre vieles einfacher. Und mein Gott, ich verstehe ja, wenn sie es nicht unbedingt mitbekommen wollen (wie gesagt, ich will sie ja auch nicht belauschen).

Meine Eltern reagieren gar nicht. Ich habe mit ihnen nie über BDSM oder meine Bisexualität geredet. Ich habe aber auch nie etwas getan um es zu vertuschen. Die Gerte lag neben dem bett, Bücher wie die Wahl der Qual liegen offen rum. Ich habe mehr bilder von nackten Frauen in meinem Zimmer als von Männern ... Sie sprechen gar nicht darüber, und wenn ich mir so anhöre, was da geschehen kann, dann ist es mir auch ganz recht so.
Aber verheimlichen wollte ich es ihnen nicht!

carpe noctem
Lasira
Nur wer weiß, wie hart und zart zu vereinen sind, kann aus Schmerz Lust machen.
Nur wer mächtig genug ist, seine Untergebene auch in den Arm zu nehmen, kann von ihr Demut fordern.
Alles andere ist ein aufgesetztes Spiel ohne Tiefe!

tegi
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 1192
Registriert: 25. Apr 2005 13:57

 

Beitrag von tegi »

hmm das scheint mir fast als würden es deine eltern wissentlich ignorieren, das haben meine auch versucht, aber kaum ist dann mal eine frau zu gast rasten die aus... :(
Wer meint sich für irgendwas rechtfertigen zu müssen, der fühlt sich schuldig, also lasst den Scheiss, nehmt eine aufrechte Körperhaltung an und lebt euer Leben!

Antworten

Zurück zu „Hilfe, ich stehe auf BDSM! Was nun?“