"ungewollt geheilt" bzw. Libidoverlust durch Medis, F65.5

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

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kati
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Registriert: 28. Jun 2012 17:51

"ungewollt geheilt" bzw. Libidoverlust durch Medis, F65.5

Beitrag von kati »

Hallo zusammen.

Ich dachte eigentlich, dass ich hier nicht mehr schreiben würde... so kann mensch sich täuschen.
Bisher hatte ich ein befriedigendes Sexualleben (ca. 5 Jahre), habe viele Leute kennengelernt, und hatte mehrere sehr schöne Session.
Leider hatte ich letzten Sommer eine Psychose, und musste dann in die Psychiatrie. Dort habe ich erstmal die volle Dröhnunge Psychopharmaka bekommen, so dass meine Verfolgungsgedanken ziemlich schnell wieder weg waren.
Die Medikamente hatten allerdings auch sehr starke Nebenwirkungen, unter anderem ist nun seitdem meine Libido komplett im Eimer. Alles, was mich an devoten und masochistischen Fantasien früher mal angeturnt hat, und damit meine ich, dass ich davon richtig nass geworden bin, lässt mich heute einfach nur kalt. Körperliche Reaktion gleich null. :x

Meinem Psychiater habe ich schon gesagt, dass ich "Libidoverlust" habe, und ich werde vorraussichtlich in 2 Monaten mein derzeitiges Medikament (Abilify bzw. Aripiprazol) absetzen. Allerdings mache ich mir Sorgen, dass ich nun vielleicht dauerhaft mit BDSM nix mehr anfangen kann. Was für mich gleichbedeutend ist mit keinen geilen Sex mehr haben können.

Nun bin ich nicht die einzige, habe schon viele Berichte im Internet gefunden, wo die Betroffenen beklagt haben, dass ihr Sexleben nicht mehr funktioniert.

Ich würde gerne wissen:
Gibt es hier vielleicht noch andere Leute, die Erfahrungen mit Neuroleptika machen "durften" und bei denen es Auswirkungen auf die Libido bzw. auf die Neigung gab?
Hat sich das Sexleben nach Absetzen der Medikamente wieder normalisiert?
Könnte es sein, dass vor allem Leute, die durch Kopfkino geil werden bzw. bdsm'ler bei Einnahme von Psychopharmaka/ Neuroleptika unter Libidoverlust leiden und Vanillas davon nicht oder weniger betroffen sind?


Ich mache mir übrigens auch so meine Gedanken, ob es nicht sein könnte, dass mein "Neurotransmittergleichgewicht" im Gehirn allgemein gestört ist, und sich das bei mir in verschiedenen Bereichen zeigt.
Den Beschreibungen nach denke ich, dass ich neben meinem Masochismus sowohl ADHS/ADS als auch bipolare Tendenzen habe.

Ich bin jetzt am überlegen, ob ich meinem Psychiater genauer schildere, was meine sexuellen Neigungen bisher waren. Allerdings habe ich keine Lust, dann F65.5 diagnostiziert zu bekommen. So ganz sicher, dass bdsm bei mir keine Störung ist, bin ich mir leider nicht... auch wenn ich nicht bewusst unter meiner Neigung gelitten habe.
Ich könnte mir halt vorstellen, dass es bei mir iwo doch ne Art Kompensationsmechnismus ist.
Habe im Internet dazu folgendes gefunden:


http://www.seele-und-gesundheit.de/diag ... ungen.html
1.3.1. Risikovermeidung
(...) Allen Abweichungen der sexuellen Präferenz ist eines gemeinsam: sie vermindern die genannten Risiken ["Man kann zurückgewiesen, verlacht, gedemütigt oder missbraucht werden"], indem sie einer vollständig-dialogischen Intimbeziehung aus dem Wege gehen. (...)
Beim Sadomasochismus findet durch die extreme Polarisierung der Rollen eine wechselseitige Entängstigung statt. Der Sadist herrscht total. Wer das tut, hat nichts zu befürchten. Der Masochist gibt alles und fordert nichts. Wer sich so verhält, reduziert die Gefahr der Zurückweisung erheblich. Einer ebenbürtigen Beziehung von Subjekt zu Subjekt gehen beide dabei aus dem Weg.
Außerdem stand auf der selben Seite noch etwas zum Sexualtrieb bzw. dessen Verminderung durch Medikamente:
1.4.1. Medikamente

Die Möglichkeiten einer medikamentösen Behandlung sind begrenzt. Ursächlich ist eine sexuelle Störung kaum je durch Medikamente erreichbar. Es ist allerdings möglich, die Stärke des Sexualtriebs insgesamt zu dämpfen. Dann lässt auch der Druck nach, abweichende Impulse auszuleben. Zur Anwendung kommen....

[*]Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Eine häufige Nebenwirkung dieser Substanzen liegt in einem Libidoverlust.
Naja, zurück zu meinem Psychiater:
Eigentlich denke ich, ich habe nicht viel zu verlieren, und ich glaube eig. auch nicht, dass er mir ne Diagnose gegen meinen Willen stellt. Wobei sich auch ohnehin das mit dem "Behandlungsbedarf" erledigt haben sollte, schließlich leide ich nicht unter meiner "Krankheit" äh Neigung, sondern will sie wiederhaben. Hach ja.
Naja, und was mir auch nicht ganz aus dem Kopf will: Es gibt da ein autobiografisches Buch mit dem Titel "Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen" ("I never promised you a rose garden"), in dem die Protagonistin an Schizophrenie erkrankt. Es gibt darin auch eine Szene, die andeutet, dass die Protagonistin auch masochistisch ist. Nun ist Schizophrenie sicherlich seltener als Masochismus, aber iwi frage ich mich doch, ob es da einen Zusammenhang gibt. Zumal ich mich auch darin wiedergefunden habe, dass das Mädel Schwierigkeiten hatte, Kontakte zu Gleichaltrigen aufzubauen (war selbst Außenseiterin und Mobbingopfer).
Vielleicht weiß da ja jemand Näheres dazu (Studien, ...)?

Naja, soweit erstmal. Freue mich über jede Antwort.
"Most people would sooner die than think; in fact, they do so." - Bertrand Russell

kati
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Beiträge: 53
Registriert: 28. Jun 2012 17:51

Re: "ungewollt geheilt" bzw. Libidoverlust durch Medis, F65.

Beitrag von kati »

btw... mir ist grad aufgefallen, dass ich eig. in der falschen Kategorie (Hilfe, ich stehe auf BDSM. Was nun?) poste^^ Müsste hier ja eig. heißen: "Hilfe, ich stehe nicht mehr auf BDSM. Was nun?" :D
"Most people would sooner die than think; in fact, they do so." - Bertrand Russell

ponos
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Re: "ungewollt geheilt" bzw. Libidoverlust durch Medis, F65.

Beitrag von ponos »

Zum Libidoverlust:
Ich habe mal kurzzeitig SSRI genommen und hatte ebenfalls kompletten Libidoverlust in der Zeit. Nach dem Absetzen wurde es ein Stück besser (ungefähr mit den anderen Wirkungen gleichzeitig, einige Wochen), ging aber erstmal nicht auf den vollen Stand zurück. Nach ein paar Monaten wurde das aber wieder mehr, aber sehr langsam und schleichend.

Zur Diagnose:
Ich kann dir jetzt nicht sagen, inwieweit das bei dir krankhaft ist oder nicht. Meine Erfahrung ist aber, dass sich die meisten Therapeuten eher für die Auswirkungen der Sexualität (z.B. Frust, Beziehungskonstrukte, ...) interessieren als dafür, ob jetzt ein Penis in eine Vagina gesteckt oder ein Rohrstock auf einem Hintern platziert wird.

Zu den zitierten Stellen: Schon alleine die Tatsache, dass dort S/M mit D/s gleichgesetzt wird, lässt mich vermuten, dass die Verfasser sich nicht tiefgehend mit dem Thema BDSM auseinandergesetzt haben. Inwiefern das eine Bewertung zulässt, lasse ich mal bewusst offen. Ich gehe aber stark davon aus, dass sich die meisten Meinungen in der Szene von der dort dargestellten unterscheiden werden.

Rainbow
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Re: "ungewollt geheilt" bzw. Libidoverlust durch Medis, F65.

Beitrag von Rainbow »

Ich habe (bzw soll eigtl immer noch nehmen :D) ein SSNRI (Serotonin- Noadrenalin-Wiederaufnahmehemmer) genommen.
Dieses Medikament hat sich nicht direkt auf meine Libido ausgewirkt, mein Interesse und Reaktion auf sexuelle/Bdsm Praktiken haben sich dadurch nicht verädert ABER ich hatte emense Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu bekommen.
Klitorale Orgasmen waren nie ein Problem für mich, aber durch das Medikament hab ich plöztich Ewigkeiten gebraucht, um diesen zu erreichen. Selbst bei der Masturbation, teilweise bekam ich schon Krämpfe in den Händen.
Mein Partner hatte keine Chance mehr mich auch nur irgendwie zum Orgasmus zu bringen. Ich war zwar stark erregt, aber ich kam einfach nicht zum Orgasmus, das war wie eine Sperre!
Jetzt nehme ich die Medis grad nicht (hab sie immer wieder vergessen, müssen deshalb neu eingestellt werden erst) und alles ist wieder normal. Hab jetzt schon Angst die wieder zu nehmen xD

Also wahrscheinlich wird es sich wieder normalisieren :)
Conceal, don't feel, don't let them know..

Egianor
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Re: "ungewollt geheilt" bzw. Libidoverlust durch Medis, F65.

Beitrag von Egianor »

Ich habe zwar vor ein paar Jahren für einige Zeit Antidepressiva bekommen, allerdings kann ich mich nicht mehr an deren Auswirkungen auf meine Libido erinnern. Zum einen, weil es schon eine ganze Weile her ist, zum anderen, weil das damals eines der geringeren Probleme gewesen wäre ...
Ich weiß aber, dass es auf der Liste der Nebenwirkungen stand und dass mein Therapeut mich damals frage, ob ich damit ein Problem hätte und das, wenn es zu einem Problem werden wollte, man nach anderen Medikamenten gucken könne.
Nun hast Du das ja mit Deinem Theraputen schon besprochen und auch wenn ich verstehen kann, dass Dich die fehlende Libido belastet, vielleicht kannst Du auch einfach abwarten, was passiert, ohne Dich jetzt verrückt zu machen.
Vielleicht wird ja alles wieder normal - oder zumindest normaler ...?
kati hat geschrieben:Allerdings mache ich mir Sorgen, dass ich nun vielleicht dauerhaft mit BDSM nix mehr anfangen kann. Was für mich gleichbedeutend ist mit keinen geilen Sex mehr haben können.
Wäre das wirklich so schlimm? Ich kann verstehen, dass sich das erst einmal nahezu unmöglich anhört - aber letztendlich gefällt an BDSM doch, dass es erregt und sich gut anfühlt.
Wenn sich Dein Interesse da nun verschiebt und Dich BDSM nicht mehr erregt, bedeutet das noch nicht zwangsläufig, dass Du keinen guten Sex mehr haben kannst - es ist dann vielleicht nur etwas anderes, das Dich anmacht.
Ich denke nicht, dass Vanilla-Sex (oder jede andere Form der sexuellen Befriedigung) schlechter ist, als SM, auch wenn ich persönlich mit Vanilla im Moment auch überhaupt nichts anfangen kann.
Aber ich denke, wären Vanillas gelangweilt von dem was sie tun, dann würden sie es nicht machen.
Was ich damit sagen will, ist, dass Dein Sex nicht unbedingt schlechter werden muss, nur weil Dich BDSM nicht mehr erregt. Vielleicht findest Du dann nur etwas anderes antörnend und das kann dann genauso geil sein.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute!
Das Murmeltier erwachte am Morgen und beschloss, ans Meer zu gehen. Alle waren dagegen, sein Vater, auch seine Mutter, die Tante und die Geschwister. "Am Meer ist die Freiheit" sagte das Murmeltier und brach auf.
Christoph Miethke Das Murmeltier, das Meer, die Freiheit & das Glück

Mandragora
Frischling
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Registriert: 24. Mai 2016 17:47

Re: "ungewollt geheilt" bzw. Libidoverlust durch Medis, F65.

Beitrag von Mandragora »

Ist schon ein paar Monate her der Post, und ich bin neu hier, könnte dir aber eventuell zu dem Thema schreiben, falls das noch gewünscht ist, hab ähnliche Erfahrungen gemacht.

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