Selbstakzeptanz/Verwirrung

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

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BloodyChrona
Zaungast
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Registriert: 9. Aug 2014 22:17

Selbstakzeptanz/Verwirrung

Ungelesener Beitrag von BloodyChrona »

Hallo ihr,

zu mir: Ich bin 16 und weiß seit etwa 4 Jahren, dass BDSM ein goßes Thema in meinem Leben spielt - dies habe ich mehr oder weniger akzeptiert. Sexuell unerfahren und auch keine Aussichten auf Änderung in sich ^^ Wird wohl im späteren Verlauf des Themas hier interessant werden. Würde mich als bisexuell bezeichnen.

Mein Anliegen hier zu schreiben ist nun folgendes.
Ich habe einen guten Kumpel und wir sind wohl beide ineinander verliebt, aber ich weiß nicht, bzw bin mir zu 80 Prozent sicher, dass er mit dem Thema BDSM nichts zu tun hat und das wohl auch abstossend finden würde. Seit Tagen habe ich das Gefühl, dass ich ein Teil von mir verdrängen würde. Ich versuche diese Seite zu verdrängen, da ich glaube da es sonst keine Zukunft mit uns beiden hätte. Langfristig gesehen würde das also bedeuten ich würde "diese" eine Seite von mir komplett verdrängen. - Das ist jetzt schon nicht toll, aber anders geht es wohl nicht.

Meine Frage ist wohl nun, ob ich die Beziehung eingehen sollte und versuchen soll das Thema anzusprechen oder es lassen soll, weil es langfristig wohl mir nicht gut tun würde. Klar könnt ihr mir keine richtige Antwort geben, aber vielleicht seid ihr auch schon mal in so eine Situatin geraten und wisst wie das ist und wie ihr euch dann verhalten habt. Das würde mir wahrscheinlich auch schon helfen.

MFG
Chrona

Jabar
Orga
Beiträge: 103
Registriert: 13. Aug 2012 00:03

Re: Selbstakzeptanz/Verwirrung

Ungelesener Beitrag von Jabar »

Hallo Chrona,

du fragst nach erlebten Situationen und genau solche will ich im Folgenden schreiben. Man sollte aber natürlich dementsprechend auch nicht von meinen Erlebnissen auf andere Situationen schließen.

Die erste Situation behandelt meine erste Beziehung. Während diese Beziehung über 2,5 Jahre andauerte, merkte ich im späteren Verlauf, wie BDSM mir immer wichtiger wurde. Meine damalige Freundin war dem gegenüber alles andere als aufgeschlossen. Das war zunächst auch nicht so das Problem. Sex spielte damals noch keine allzu große Rolle und BDSM war für mich auch noch nicht so wichtig. Das änderte sich grade gegen Ende hin jedoch. Es hat mich richtiggehend belastet, dass ich diesen Teil von mir unterdrücken musste, während dieser immer größer und aktiver werden wollte. Ich war damals noch nicht soweit, dass ich die Beziehung deswegen beendet hätte, aber das hat vermutlich auch daran gelegen, dass Sex keine wirkliche Rolle spielte. Denn grade während diesem merkte ich das Verlangen nach BDSM doch am deutlichsten. Die Beziehung ging dann aus anderen Gründen zu Ende und ich hab danach nur für mich festgestellt: Nie wieder eine Beziehung mit einer Vanilla.

Situation Nummer zwei, die ich die letzten Monate über von einer befreundeten BDSMlerin mitbekomme. Sie war sich ihrer BDSM Neigung zu Beginn ihrer Beziehung völlig bewusst und hatte den perfekten Freund gefunden. Er ist allerdings "nur" Vanilla, der BDSM gegenüber offen ist, damit aber nicht allzu viel anfangen kann. Das war auch auch vor Beziehungsbeginn so abgeklärt, welche Einstellungen die beiden dazu haben. Die erste Zeit über war das auch kein Problem, sie waren bisschen experimentierfreudig und meine Bekannte war glücklich. Aber nach und nach störte sie dann doch, dass ihr Freund eben kein BDSMler ist. Die Experimente haben abgenommen, er will ihr nicht richtig weh tun und wenn er doch mal was macht, stört sie sich daran, dass er es nicht von sich aus macht, sondern nur weil sie es will.

Meine persönliche Erfahrung mit BDSM-Vanilla Beziehungen sind also eher negativ. Würde man mich nach meinem Rat fragen, würde ich dementsprechend auch damit antworten, dass ich es nicht empfehlen würde. Obgleich ich nicht ausschließen möchte, dass es funktionieren kann. Um jetzt aber konkret zu deiner Situation zu kommen, würde ich empfehlen, definitiv mit deinem Kumpel vorher schon mal über BDSM zu sprechen. Kann ja auch mehr in Form eines allgemeineren Gesprächs sein, da lässt sich bei ihm ja vielleicht auch eine Einstellung zum Thema erkennen. Und falls sich dein Verdacht bestätigt, würde ich von einer Beziehung abraten, aber ich lasse mich auch gerne eines besseren belehren. ;)

Viele Grüße,
Jabar

Peacemaker
Vielschreiber
Beiträge: 422
Registriert: 7. Okt 2013 20:43

Re: Selbstakzeptanz/Verwirrung

Ungelesener Beitrag von Peacemaker »

Hallo :)

ich würde mich meinem Vorposter anschließen, kann funktionieren, kann aber auch bitter in die Hose gehen.
Ich persönlich habe diesbezüglich auch keine guten Erfahrungen gemacht.

Was mir aber viel mehr auffällt:
Wenn du selber Zweifel daran hast, ob die Beziehung funktioniert, dann würde ich dir raten, dein Bauchgefühl genau zu befragen, ob du diese Beziehung willst.
Dieses "ich bin verliebt, aber weiß nicht" und "ich verdränge einen Teil von mir" hört sich für mich erstmal nicht so gut an. :/
Ist BDSM der einzige Grund für Zweifel oder ist da vielleicht noch mehr? (Brauchst du auch nicht drauf antworten, denk nur mal drüber nach.)

Dich selber verstellen oder verdrängen solltest du auf gar keinen Fall. Damit tust du dir nur weh und einer Beziehung tut das auch überhaupt nicht gut.

lg und alles Gute
Peacemaker
Sie sind unmöglich! - Nein, nicht unmöglich. Nur etwas... unwahrscheinlich. (Dr. Who)

Kleines Etwas
Orga
Beiträge: 72
Registriert: 28. Jul 2013 15:01

Re: Selbstakzeptanz/Verwirrung

Ungelesener Beitrag von Kleines Etwas »

Hallo Chroma,

Ich möchte dir zu nichts raten, weil ich nicht wissen kann, wie euer Verhältnis zueinander ist, wie sehr ihr in einander verliebt seid und wie wichtig dir bdsm ist. Es ist durchaus sinnvoll sich Gedanken darüber zu machen aber ich finde manchmal sollte man auch auf sein Bauchgefühl hören. Wenn du "Schmetterlinge im Bauch" hast und du dir nicht seliger wünscht als mit ihm zusammen zu sein würde ich mir überlegen ob es sich nicht lohnt das Risiko einzugehen, dass er nicht auf bdsm steht. Wenn du am liebsten deine Phantasien ausleben möchtest , dann solltest du das davor vielleicht ansprechen auch wenn subtil und deine Entscheidung von seiner Reaktion abhängig machen.

Zu meinen Erfahrungen:
Ich wusste erst was bdsm ist und dass ich es toll finde, als mein erster Freund, mittlerweile Ex mich in diese "Welt" eingeführt hat und mich der Thematik vertraut gemacht hat. Am Anfang natürlich recht harmlos aber er hat mein Interesse geweckt und trägt auch ein Teil der Schuld daran, dass ich jetzt hier bin. Wenn ich ehrlich bin, bin ich darüber ganz froh.
Allerdings muss ich sagen, dass ich jetzt kein Verhältnis mit einem Vanilla eingehen würde. Mir wäre das zu anstrengend.

lieben Gruß
kleines etwas
Eigenartig
wie das Word Eigenartig
es fast als andersartig hinstellt
eine eigene Art zu haben. (Erich Fried)

Aishi
Orga
Beiträge: 115
Registriert: 1. Jul 2012 21:16

Re: Selbstakzeptanz/Verwirrung

Ungelesener Beitrag von Aishi »

Hallo Chroma,

wie hier bereits mehrfach gesagt wurde: Es kommt dabei wirklich auf deine Prioritäten an. Wenn du aber das Gefühl hast, dich sozusagen selbst zu verleugnen, wenn du BDSM seinetwegen komplett aus deinem Leben streichst, wäre das für eine eventuelle Beziehung von Vorneherein keine sehr gute Grundlage.

Zu den eigenen Erfahrungen: Ich war ein Jahr und etwas über drei Monate in einer Vanilla-Beziehung. In meinem Fall war es ähnlich wie bei dir: Ich war 16 Jahre alt, wusste zu dem Zeitpunkt schon länger von meinen Neigungen und hatte ebenfalls nicht wirklich Erfahrung. Du siehst also, die Situation ist mir bekannt. ;)

Ich habe mich damals dafür entschieden, der Beziehung eine Chance zu geben. Dass BDSM da keine Rolle spielen wird, war mir von Anfang an klar (ich kannte die betreffende Person schon seit ein paar Jahren und konnte das entsprechend gut einschätzen). Hier war meine Unerfahrenheit vielleicht sogar ein kleiner Vorteil, weil ich noch nicht so genau wusste, was mir entgeht, um es mal so auszudrücken, auch wenn die Neugier natürlich immer noch da war und ich doch einiges vermisst habe.

Was BDSM anging, gab es wie erwartet keine wirkliche Entwicklung, aber das wusste ich ja. Meine Ex war grundsätzlich nicht soo experimentierfreudig, letztendlich hat es sich aber ergeben, dass wir hin und wieder mal kleinere Rollenspiele gemacht haben, mal die Augen verbunden oder mit einem Tuch gefesselt wurde - für sie als Vanilla war das sicher schon abenteuerlich genug, von BDSM aber für mich noch sehr weit entfernt. Dazu kam noch, dass sie selbst eher etwas, na ja, zurückhaltender war, weshalb ich mich tatsächlich des Öfteren mal mehr oder weniger unfreiwillig in der dominanteren Rolle wiedergefunden hab (und sowas als Sub :? ). Kurz gesagt: Optimal war das nicht, aber durchaus machbar. Sie hat auch bis heute nichts von meinen Neigungen erfahren.

Gescheitert ist die Beziehung an anderen Gründen, aber ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass fehlendes BDSM auch zum Zeitpunkt unserer Trennung kein Grund für mich gewesen wäre, Schluss zu machen. Es kann also schon funktionieren, aber ob es das tut, kommt wohl auf die jeweilige Person an. Schief gehen kann es auf viele verschiedene Arten - vielleicht verpasst du die Liebe deines Lebens, wenn du deinen Partner nur danach aussuchst, ob er ebenfalls Interesse an BDSM hat, vielleicht verschwendest du aber auch jede Menge Zeit an eine Beziehung, die dich langfristig nicht glücklich macht, wenn du dich darauf einlässt.

Ich kann dir nicht sagen, was in deinem Fall das Richtige ist, aber vielleicht helfen dir ja meine Erfahrung und die der anderen ein bisschen bei deiner Entscheidung. Die Idee, das Thema vielleicht vorher schon mal anzuschneiden und zu schauen, wie er reagiert, halte übrigens auch ich für ziemlich sinnvoll.

Liebe Grüße, Aishi
“The only thing we’re allowed to do is believe that we won’t regret the choice we made.” – Levi Ackerman

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