BDSMler/in und Christ/in sein?

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

Moderatoren: Kuscheltier, Seelenoede

KatzenDame
Stammgast
Beiträge: 202
Registriert: 29. Jan 2014 23:07

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von KatzenDame »

BlueFeather: Danke :D Du hast das wundervoll geschrieben. :angel: :love:
Aber was sagst du bezüglich BDSM? Zählt das zur Sünde?
Allein schon außerehelicher Sex ist ja eig. schon Hurerei. (Laut Bibel)
Also welche Ansicht hast du diesbezüglich?
"Do not love somebody who only sees the light in you - love somebody who isn’t afraid of the dark." - Unknown

ilimitada
Stammgast
Beiträge: 124
Registriert: 6. Apr 2008 17:59

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von ilimitada »

Das, was du schreibst, BlueFeather, geht in seiner eigenen Logik vollkommen auf:
Die Bibel ist genau Gottes Wort, alles andere ist Götzendienst und deswegen sollte man davon Abstand nehmen. Ich finde auch das Bild mit den Eltern und dem Kind, das Drogen nimmt sehr anschaulich und stimme dir auch vollkommen zu bei der Aussage, dass viel, was in der Bibel steht, sinnvoll ist, auch, wenn man (noch) nicht durchschaut, wieso.
Ich persönlich stimme auch dieser "Gottes Wege sind unergründbar" Sache zu, also der Theorie, dass man manchmal einfach "blind" Gott folgen muss, ohne zu wissen, warum man etwas tut. Im Endeffekt wird das Sinn ergeben und gut für einen sein, persönliches Wachstum bedeuten.

Ich will an dieser Stelle nur kurz anmerken, dass auch andere Erklärungsmuster und Logiken in sich geschlossen sind; z.B. der Einwand, dass die Bibel von (fehlerbehafteten bzw subjektiven) Menschen geschrieben wurde und man deshalb nicht alles wortwörtlich nehmen sollte. Warum Gott das zulassen sollte? Naja, Gottes Wege sind unergründbar ;) Und in meinem Gottesverständnis hat man sich Gott auch nicht als jemanden vorzustellen, der seine Schäfchen wie Marioetten leitet und nur "geschehen lässt", was er gut findet. Es gibt da ja diesen Spruch, dass Hoffnung (=Liebe = Glaube) nicht der Glaube daran ist, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewisstheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.
Aber das nur am Rande - ich will damit nur sagen, dass es verschiedene Auslegungen von Glauben geben kann und die meisten in sich geschlossen eine Logik haben.

Da der Glauben, den Ana Katharina hat, doch eher dem nahe zu kommen scheint, denn du hast, freue ich mich auch auf die Antwort auf ihre Fragen.
Denn, zugegeben - ich und andere, die so einen "Mischmaschglauben" haben wie ich machen es sich schon sehr leicht was die Verantwortungen von persönlichen Lebensentscheidungen angeht, sei das jetzt BDSM oder anderes potentiell "unsittliches" Verhalten.
Jeden Tag beginnt der Nachrichtensprecher seine Sendung mit "Guten Abend".
Er braucht 15 Minuten, um zu erklären, dass es kein guter Abend ist.

BlueFeather
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 140
Registriert: 23. Feb 2013 00:45

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von BlueFeather »

Ana Katharina hat geschrieben:Aber was sagst du bezüglich BDSM? Zählt das zur Sünde? Allein schon außerehelicher Sex ist ja eig. schon Hurerei. (Laut Bibel)
Das ist eine Sache, die ich dir nicht so einfach beantworten kann, und mir in weiten Teilen auch noch keine eigene Meinung dazu gebildet habe.

Wenn du fragst, "Ist BDSM Sünde?", "Ist Sex Sünde?", "Ist Nahrung Sünde?", usw. ... dann ist das keine Frage, die ich mit Ja oder Nein beantworten kann. Um mal mit dem einfachsten anzufangen: Nahrung ist lebensnotwendig und uns von Gott zum Genuss gegeben. Wir dürfen sie genießen und essen - nur wir sollen keine Trinkgelage machen und uns vollfressen, oder, wie es die Römer übertrieben haben, sich sogar zwischendrin auskotzen, damit man weiterfressen kann.
So ist es auch mit dem Sex, er ist von Gott gewollt und soll auch leidenschaftlich sein - ein ganzes Buch der Bibel beschäftigt sich mit Beziehung und Sex. Nur kommt da ein aber: Aber Gott will, dass der Sex innerhalb der Ehe stattfindet, und auf einen Partner beschränkt ist. Bezüglich BDSM im Allgemeinen sagt die Bibel nichts konkretes, das Schlagwort gabs damals noch nicht. Aber die dahinter liegenden Prinzipien lassen sich an den Wertmaßstäben der Bibel messen. Beim Sex der Partnerin eine Augenbinde aufziehen - finde ich keinen Bibelvers, der das Verbietet. Zur sexuellen Erregung der Partnerin ein Körperteil amputieren oder sie mit fragwürdigem medizinischen Umfeld ernsthaft körperlich zu verletzen - das widerspricht dem Menschenbild, welches ich durch die Bibel gewonnen habe. Der Bereich dazwischen? Da bin ich gerade selbst am Überlegen und Forschen, wie die Bibel das bewertet.

morimento
Orga
Beiträge: 31
Registriert: 10. Dez 2013 19:42

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von morimento »

Geb auch mal meinen Senf dazu. Zu allererst schicke ich vorraus dass ich Atheist bin.
Es gibt in der Bibel kein Verbot für BDSM. Zumindest kein explizites, wie man die Bibel auslegt ist jedem selbst überlassen. Die Idee der strikten Sexualmoral ist eine, die durch die Kirchen geschaffen wurde. Gründe hierfür könnte der Einfluss der römischen Sittenbilder sein, und da schlage ich mal den Bogen zu BDSM. Es gab in Rom eine starke BDSMszene, auch wenn diese nicht als solche gesehen wurde. Diese wurde von Anhängern der klassichen römischen Werten kritisiert, genauso wie die Orgien usw.. Ich denke dass diese Strömung starken Einfluss genommen hat. Das ist aber alles Theorie und in keinster Weise absolut beweißbar.
Da im modernen Christum beider Konfessionen die letzte Instanz das Gewissen ist ( ein Beispiel dafür ist Epikie), d.h. du musst es vor Gott verantworten, stellt sich die Frage ob du es aus deinem Glauben heraus verantworten kannst. Und wenn du BDSM magst und deinem Partner damit Freude bereiten kannst, fällt mir nichts ein was dagegen spricht.
Hoffe es ist ansatzweiße verständlich was ich sagen wollte.

Mit freundlichen Grüßen,
morimento

Sirenensang
Board-Fanatiker
Beiträge: 829
Registriert: 25. Sep 2010 01:30

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von Sirenensang »

BlueFeather hat geschrieben:Alles zwischendrin bringt uns (wortwörtlich) in Teufels Küche, denn welche Autorität legt dann mit welcher Legitimation fest, welche Teile/Sätze/Worte/Ideen Gottes Wort sind, und welche nicht? Diese Autorität müsste vom Autor = Gott stammen. Auf unser Leben übertragen wäre das, wie wenn ich einen Brief diktiere - und dann einen Boten mitschicke, der den Empfängern dann auslegt, welche Sätze von mir stammen und was ich damit gemeint haben könnte. Das Verfahren ist höchst fehleranfällig und kein vernünftig denkender Mensch würde dieses Verfahren wählen - noch absurder finde ich, dass Gott solch ein Verfahren wählen würde.
Naja, wenn wir ehrlich sind, kann sich ein allwissendes, allgütiges, allmächtiges Wesen es sich auch leisten, einfach direkt vor unserer Nase zu erscheinen und mal Bescheid zu sagen, was es haben will. Damit verglichen war es schon ein ziemlich dämliches Verfahren von Gott, den Menschen die Texte zu diktieren, oder? Ich mein, dass die das nicht für ihre eigenen Interessen/Kontexte umschreiben, zumal der Großteil der Bibel Jahrtausende lang mündlich weiter gegeben wurde, war nun wirklich extrem unwahrscheinlich. Menschen sind fehlbar, also ist die Bibel fehlbar. Wir können nicht danach gehen, was drin steht, weil das teilweise nicht mehr relevant ist und teilweise schadet (Ehebrecherinnen steinigen? Hallo?), also müssen wir selbst Gedanken dran verschwenden und einfach blind zu gehorchen ist eine Scheißidee (wollen wir ja mal sehen, was passiert, wenn du versuchst, wen zu steinigen). Und wenn du von Gott gemacht bist, sollte dabei auch nicht soo viel schief gehen - weniger jedenfalls, als wenn du blind Vorschriften gehorchst, die vielleicht(!) mal vor tausenden Jahren diktiert wurden und allein durch mündliche Überlieferung teilweise total verfälscht sein kann.
BlueFeather hat geschrieben:Hätte man sich an "komische Rituale" aus der Bibel, die schon Jahrtausende zuvor niedergeschrieben wurden, gehalten, wäre das kein Problem gewesen. Heute sind diese Rituale erforscht und und als Hygiene allgemein anerkannt - und keiner schaut dich mehr komisch an, wenn du darauf wert legst. Genauso ist es mit vielen anderen Aspekten der Bibel, immer wieder zeigt sich, dass die Fakten dort der wissenschaftlichen Forschung entsprechen aber bereits Jahrtausende zuvor schon aufgeschrieben wurden.
Klingt ja sehr toll, aber die Bibel als fortschrittlich hinzustellen, weil da Regeln drin stehen, die Leute mal festgestellt haben (Ach, wenn wir einfach irgendwo hin kacken, gibt es Krankheiten? Dann machen wir es wohl lieber nicht, und schreiben es in die Regeln!), halte ich für voreilig. Das ist ja nicht alles wunderbar, was da drin steht. Ist ja nicht alles voll mit antiken wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auch mit richtig verkalkten Gesellschaftsvorstellungen (siehe oben, Ehebrecherinnen steinigen - EhebrechER natürlich nicht). Gute Sachen hinausstellen und schlechte ignorieren ist keine reflektierte Auseinandersetzung mit der Bibel, die in sehr vielen Bereichen eben doch ein verstaubtes altes Buch ist.

Wir könnten auch sagen, dass es ne doofe Idee war, die Bibel aufzuschreiben: So verändert die sich nur, wenn Rom das bestimmt. Bei mündlichen Erzählungen konnte sie wenigstens noch der jeweils aktuellen Gesellschaft angepasst werden. Da das nicht passiert, müssen die Leute, die sich nach "Gottes Willen" richten wollen, halt jeweils reflektieren: Moment mal, kann das wirklich Gottes Wille sein?

KatzenDame
Stammgast
Beiträge: 202
Registriert: 29. Jan 2014 23:07

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von KatzenDame »

Sirenensang: Jesus sagte: NICHT Auge umd Auge, Zahn um Zahn, sondern liebet eure Feinde und eure Nächsten wie euch selbst.
Als eine Ehebrecherin gesteinigt werden sollte, forderte Jesus von der Meute:
"Der sündenlos ist, soll den ersten Stein werfen!"
Keiner hat sie gesteinigt, KEINER!!! Denn alle sind voller Sünden.
Also sagt die Bibel NICHT, dass man steinigen soll!
Die Bibel IST fortschrittlich im Aspekt auf ethische Moral etc.
"Do not love somebody who only sees the light in you - love somebody who isn’t afraid of the dark." - Unknown

Sirenensang
Board-Fanatiker
Beiträge: 829
Registriert: 25. Sep 2010 01:30

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von Sirenensang »

Kommt halt drauf an, welche Bibelstelle mensch liest, oder?
Was ist denn jetzt von Gott vorgegeben, das alte oder das neue Testament? Die widersprechen sich nämlich in Teilen.
Und wer bestimmt das?

Das weist alles wieder dahin, dass es am sinnvollsten ist, wenn es jede*r Leser*in für sich selbst bestimmt.

KatzenDame
Stammgast
Beiträge: 202
Registriert: 29. Jan 2014 23:07

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von KatzenDame »

Gott hat eingesehen, dass die Menschen die Gesetze nicht alle einhalten können.
Jesus hat dem AT nicht wiedersprochen, sondern einige Dinge nur vebessert, in dem er z.B. sagte: "Keine Rache, sondern Liebe!" und "nicht was ihr eßt macht euch unrein, sondern das was aus eurem Innersten kommt"...
Das NT widerspricht dem AT also nicht, sondern bringt es zur Vollkommenheit, in dem die schlechten Punkte "beseitigt" wurden.
"Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm."
"Do not love somebody who only sees the light in you - love somebody who isn’t afraid of the dark." - Unknown

Hydrargyrum
Board-Fanatiker
Beiträge: 917
Registriert: 5. Dez 2009 18:07

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von Hydrargyrum »

Es wäre aus meiner Sicht schön, wenn ihr die theologischen Diskurse bitte entweder per PN oder per neuem Thread weiterführen könntet, ich finde eine Diskussion über die Art und Weise wie die Bibel entstanden ist gehört nicht in einen Thread, der sich mit der Frage beschäftigen soll, wie und ob man als Christ eine BDSM-Neigung für sich vor seinem Glauben verantworten und Leben kann.
Gaige hat geschrieben:To HELL with the First Law!

BlueFeather
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 140
Registriert: 23. Feb 2013 00:45

Re: BDSMler/in und Christ/in sein?

Beitrag von BlueFeather »

Sirenensang hat geschrieben:Naja, wenn wir ehrlich sind, kann sich ein allwissendes, allgütiges, allmächtiges Wesen es sich auch leisten, einfach direkt vor unserer Nase zu erscheinen und mal Bescheid zu sagen, was es haben will. Damit verglichen war es schon ein ziemlich dämliches Verfahren von Gott, den Menschen die Texte zu diktieren, oder?
Willst du über deinen Wunsch nicht noch einmal ernsthaft nachdenken? Guck dir mal die Geschehnisse in der Bibel an, in denen Menschen nur einen klitzekleinen Hauch von Gott mitbekommen haben, die wären fast gestorben. Stände Gott plötzlich vor dir, wärst du schon schlagartig tot, bevor er dich überhaupt erreicht hätte.
Sirenensang hat geschrieben:Ich mein, dass die das nicht für ihre eigenen Interessen/Kontexte umschreiben, [...] Menschen sind fehlbar, also ist die Bibel fehlbar. [...] Und wenn du von Gott gemacht bist, sollte dabei auch nicht soo viel schief gehen
Ja, die Bibel wurde über Jahrtausende von verschiedenen Autoren niedergeschrieben, und von vielen berufsmäßigen Schreibern kopiert. Ich kann deine Behauptung, Menschen seien fehlbar, deswegen sei die Bibel fehlbar, nicht nachvollziehen. Analog übertragen sagst du: Ein Bleistift ist dumm, deswegen können mit ihm geschriebene Texte keinen Sinn ergeben. Das Argument ist nicht schlüssig. Wenn du einen roten oder blauen Stift wählst, um einen Text niederzuschreiben, ist der Text dann halt rot oder blau geschrieben. Ändert das etwas an dem Inhalt des geschriebenen Textes? Natürlich nicht. Genauso ist das, wenn Gott einen Menschen auswählt, um sein Wort niederzuschreiben - nur ein bischen auf einer anderen Ebene. Das Vorwissen, die kulturellen Umstände, der Sprachstil, ... des Menschen ist an seinem geschriebenen Text erkennbar. Am Inhalt ändert das jedoch nichts. Die Bibel ist das mit riesigem Abstand am besten überlieferte Buch der gesamten Weltgeschichte, bis auf wenige sprachliche
Feinheiten (steht da jetzt Wiese oder Weide oder Grasfläche), die den Sinn nicht ändern, können wir uns dank der Forschung der letzten Jahrhunderte sicher sein, weiterhin das unveränderte Wort in den Händen zu halten.

Zum Thema Ehebrecherin hat dir Ana Katharina schon geantwortet. Mir scheint, als hättest du die Bibel nicht wirklich gelesen - maßt dir aber trotzdem an, darüber zu urteilen, was darin steht. Find ich komisch :)
Sirenensang hat geschrieben:[...] die Leute mal festgestellt haben (Ach, wenn wir einfach irgendwo hin kacken, gibt es Krankheiten? Dann machen wir es wohl lieber nicht, und schreiben es in die Regeln!), halte ich für voreilig.
Wären das Regeln von "Leuten" gewesen, hätte sich dieses Wissen sicherlich schnell weiterverbreitet, gerade wenn es dazu geeignet ist, Krankheiten zu vermeiden. Aber selbst unsere so "aufgeklärte" Gesellschaft im 19. Jahrhundert wusste darüber nicht bescheid - meinst du ehrlich, ein paar Normaden aus vorchristlicher Zeit haben eine fortschrittlichere Hygiene als wir?
Andere Argumente über korrekte wissenschaftliche Aussagen der Bibel, welche die damalige Menschheit mit ihren Mitteln unmöglich feststellen konnte, lässt du einfach untern Tisch fallen.
Sirenensang hat geschrieben:Wir könnten auch sagen, dass es ne doofe Idee war, die Bibel aufzuschreiben: So verändert die sich nur, wenn Rom das bestimmt.
Was hat Rom mit der Bibel zu tun? Ganz im Gegenteil: Die Bibel zu schreiben war eine geniale Idee und Gottes Auftrag: Nur so können wir uns sicher sein, unverändert den damaligen Text zu erhalten :) Kein Kritiker, keine "religiöse" Institution, kein Herrscher hat es geschafft, das zu verhindern. Obwohl es vehement versucht wurde.

Antworten

Zurück zu „Hilfe, ich stehe auf BDSM! Was nun?“