Ist das wirklich nicht krank?

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

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Zimtschnecke
Stammgast
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Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von Zimtschnecke »

lncontuyr hat geschrieben:Es ist jetzt schwer darauf was zu antworten ohne das sich gleich jemand angegriffen fühlen könnte. Ich werde jetzt keine Namen nennen, aber um ehrlich zu sein habe ich bei solchen Themen (BDSM und krank) sehr häufig das Gefühl, dass es in den Diskussionen den Beteiligten nicht wirklich darum geht zu helfen (nicht allen! nur einigen!), sondern sie sich ganz einfach rechtfertigen wollen und sich selbst als Beispiel nehmen warum !sie! nicht krank sind, geholfen ist mir dadurch allerdings auch nicht wirklich...
Naja, aber von welcher Position soll man ausgehen, wenn nicht von der eigenen? :wink:
Und gerade bei so einem gefühlsgeladenem Thema wie BDSM sind die Empfindungen, die jeder ganz persönlich dabei hat, ziemlich wichtig.

Ich finde, eine große Frage, die wir noch garnicht gestellt geschweige denn beantwortet haben, ist: "Was ist Krankheit bzw. Gesundheit?" Und Gott weiß, davon gibt es tatsächlich tausende. ZB gibt es Definitionen, die davon ausgehen, dass Gesundheit ein Zustand absoluten Wohlbefindes ist-demnäch wäre jeder einzelne von uns krank, weil man immer irgend einen Kratzer oder schlechte Laune hat :lol: Oder auch, dass Krankheit gegeben ist, wenn a)die Person Leidensdruck verspürt, b) das tägliche Leben nicht mehr gemeistert werden kann c) das Umfeld leidet. Ist allerdings shcon eine Weile her, dass ich das gelernt hab, kann also durchaus ein bisschen abweichen.
Und wenn man davon ausgeht, dass
-alles gewollt und consensual abläuft (wenns das nicht tut ist es ja kein BDSM mehr)
-die Verletzungen, die evtl passieren können (was übrigens bei normalem Sex auch sein kann :wink: ), nicht als Leiden, da gewollt, aufgefasst werden
-die Person mit ihrer Neigung im Reinen ist bzw. der Leidensdruck durch den sozialen Kontext und nicht durch die Neigung selbst zustande kommt

dann wäre laut dieser Definition BDSM ganz und gar nicht krank :wink:

aiko
Orga
Beiträge: 610
Registriert: 14. Mai 2008 17:17

Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von aiko »

Hallo,

ich habe gerade den Post gelesen und absichtlich den Rest davor nicht. Vielleicht wiederhole ich deswegen das ein oder andere Argument, aber dafür bin ich frohen Mutes weder schlechte Laune zu haben noch parteiisch aufgrund eventueller vorausgegangener Beleidigungen oder sonstigem zu sein. :-)

Ich versuche so ehrlich wie möglich zu sein und auf das was du schreibst so gut wie möglich einzugehen.
(Alle Zitate sind vom TE im Eingangspost, ich tipp nicht jedes Mal den Namen dazu)
Hallo an alle Forummitglieder die das hier lesen- und evtl. sogar bereit sind über die Sache zu reden ohne gleich trotzig zu
werden, denn ich weiß selbst dass dieser Post eher kritisch sein wird und viele genau damit nicht umgehen können (nicht böse
gemeint, aber bitte behaltet es für euch wenn es kein beitragender Post ist, der NATÜRLICH gerne auch kritisch mir gegenüber
sein darf, aber bitte nicht nach dem Motto "dann geh doch!"). Ich sage es gleich im Voraus: Der Text wird wirklich verdammt
lang, ich weiß also nicht ob auch wirklich jeder die Motivation hat ihn zu lesen, oder mir gar zu antworten, sollte das aber
der Fall sein bedanke ich mich schonmal im Voraus.
Kleine konstruktive Kritik: Wenn man von vornherein sagt was man erwartet, beeinflusst man die anderen im Grunde genommen genau das zu tun. Ist jetzt nicht schlimm, aber wenn man ernsthaft an guten Antworten interessiert ist, sollte man versuchen, die anderen so wenig wie möglich zu beeinflussen und eher klar zu sagen was man möchte, statt zu sagen was man nicht möchte. Und wegen des langen Textes, manche Dinge lassen sich eben nicht in drei Sätzen abhandeln, von daher kein Problem.
Also,

nachdem sich für mich beim Punkt "Hilfe" jetzt wohl auch die Stammtische erledigt haben (dazu später mehr) versuche ich es nach
langem langem Überlegen doch mal hier im Forum, vielleicht ergibt sich ja doch zumindest ein positiver Gedankengang auf dem
ich aufbauen kann.
Nicht doch so pessimistisch, der ein oder andere gute Beitrag kommt bestimmt :-)
Aber in einer Sache hast du Recht, das Forum hat, wenn man tiefgründige und / oder schwierige Fragen hat, oft Vorteile. Die Leute haben mehr Zeit an der Fragestellung zu überlegen und daran, wie sie die Antwort formulieren. Außerdem erreicht man mehr Menschen, was dazu führt, dass man eher die Chance hat bei schweren Fragen jemanden zu finden der es richtig versteht (es sind niemals alle Beiträge für einen persönlich hilfreich, man muss sich da die richtigen aussuchen).
Also, wie man dem Titel vielleicht schon entnehmen kann bin ich mit mir selbst, was meine Neigungen angeht, überhaupt nicht
im Einklang weil ich diese nicht akzeptieren kann. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wo ich anfangen soll...Es geht schon
lange so; ich habe vor längerem gemerkt dass bei mir immer häufiger Gedanken und Fantasien auftauchen die stark in die
Richtung von BDSM gehen. Ich wollte das nie wirklich wahrhaben, konnte nicht verstehen warum ich gefallen an Dingen finde
die ich in gewisser Hinsicht mit negativen Dingen aus meiner Vergangenheit in Verbindung bringen kann. Ich gebe zu dass ich,
was meine Psyche angeht, aufgrund meiner Vergangenheit nicht umbedingt ein sehr stabiler Mensch bin, ich musste bereits oft
zum Psychologen, bin bereits einmal wegen dem Thema BDSM freiwillig zu einem gegangen (auch dazu später mehr) und diese Punkte
machen es mir nicht umbedingt leichter mit dem Thema umzugehen.
Statistisch gesehen geht es (meiner Erfahrung nach) vielen Menschen so, wenn sie sich aus irgend einem Grund mit BDSM beschäftigen. Zugegebenermaßen bekommt man, wenn man länger hier in der smjg ist, den Eindruck, dass sich das bei den allermeisten irgendwann einfach auflöst und sie ihre Neigung akzeptieren. Dabei muss man aber auch bedenken, dass man nur von denen weiter hört. Falls es Leute gibt, die sich nie damit anfreunden, sind die logischerweise hier nicht mehr anzutreffen und entziehen sich damit unserer Wahrnehmung. Wir hier in der smjg müssen also den Eindruck bekommen, dass das bei allen so läuft. In wie fern das zutrifft oder nicht ist schwer zu sagen.
Ich sage es im voraus: vieles was ich sage ist wirklich sehr kritisch gegenüber der Szene, aber in dem Fall sage ich absolut
nichts aus Böswilligkeit, sondern gebe einfach gewisse Dinge so wieder wie ich sie bis jetzt beobachtet und "miterlebt" habe.
Das ist schon mal eine gute Vorraussetzung würde ich sagen.
Ich habe gemerkt dass ausgerechnet die BDSM Szene einen gehörigen Anteil von Menschen mit gewissen Erlebnissen, Traumata
und/oder psychischen Erkrankungen hat, mehr als andere sexuelle Vorlieben, und sich oftmals sogar bei den Menschen die es
erst abstreiten herausstellt dass das auch bei ihnen der Fall ist: Ich habe schon öfters über diverse Internet-Plattformen
Gespräche und Diskussionen mit Leuten aus diesem Bereich gesucht, was meistens aber in einem total Streit geendet hat, weil
sie haargenau ab dem Punkt wo ich gesagt habe dass ich es krank finde nur noch angefangen haben von sich zu sprechen.
Ja, ich stimme dir darin zu, dass man schnell den Eindruck gewinnen kann, dass BDSMler eher psychologische Krankheiten oder Abnormitäten zu haben scheinen als andere Menschen, die man so auf der Straße trifft. Das ist nicht nur ein Thema, dass mich sehr interessiert, ich habe mir auch persönlich schon viele Gedanken um die Ursachen dieses Eindruckes gemacht. Ich sage übrigens absichtlich Krankheiten oder Abnormitäten, da ich das bei diesem Thema für einen schwierigen Aspekt halte. Erstens es selbst für Psychologen schwer zu entscheiden ist, ab wann genau etwas jetzt eine Krankheit ist und das in so einer "ich erzähle einen Schwank aus meinem Leben" Situation ziemlich unmöglich zu entscheiden ist. Zweitens ist diese Sache mit der Abnormität generell schwierig. Je nech Kulturkreis oder sonstigen Umständen empfindet das jeder unterschiedlich und Seltenheit ist letztendlich auch nur ein Merkmal von vielen, noch dazu eines, das sich stetig ändert. Zur Vereinfachung spreche ich im Folgenden bei solchen Phänomenen, die man umgangssprachlich als "krank" oder "gestört" bezeichnet und die du mit "Traumata und/ oder psychische Erkrankungen" beschrieben hast einfach mal von psychologischen Besonderheiten. Hier eine kurze Auflistung der (meiner Meinung nach) wahrscheinlichsten Ursachen:

- Leute lernen hier, offener über ihre privatesten Vorlieben zu reden und werden deshalb generell offener und kommunikativer. Das führt dazu, dass man einfach eher mitbekommt, dass sie psychische Besonderheiten haben
- Leute beschäftigen bei der Arbeit mit ihrer Neigung mehr mit sich selbst als andere und finden daher eher heraus, dass die psychische Besonderheiten haben
- Menschen, die pschologische Besonderheiten haben, interessieren sich eher für BDSM als andere, weil sie eher bereit sind, aus den Normen der Gesellschaft auszubrechen
- Die meisten BDSMler haben noch irgendetwas gemeinsam, das sowohl mit ihrer Neigung als auch mit ihrer psychologischen Besonderheit zusammen hängt, denkbar wäre da zum Beispiel eine offene Erziehung, irgendwelche Merkmale wie Attention Seeking oder sogar Intelligenz
- usw

Wie du bestimmt bemerkt hast, geht die eine hälfte der möglichen Erklärungen davon aus, dass BDSMler wirklich eher psychologische Besonderheiten haben als andere, die andere hälfte geht davon aus, dass es einem einfach nur eher so vorkommt. Ich denke beides ist möglich und am Ende denke ich ist es wohl eine Mischung (wie immer).
"Nein! Nein! Ich bin nicht krank! Das stimmt nicht! Ich habe nie solche Erlebnisse gehabt!". Fast schon krampfhaft kamen diese
Sprüche, gingen dann häufig in Beleidigungen über, was dazu geführt hat dass ich- weil ich wie gesagt das was ich sage absolut
nicht böse meine, Stichpunkte aus meiner Vergangenheit geschildert, und somit die Zusammenhänge die für mich bestehen und mir
Probleme bereiten erklärt habe. Und siehe da: Ich traue mich zu behaupten dass mind. 60% der Leute die noch kurz zuvor in Rage
behauptet haben ein stink normales leben gehabt zu haben angefangen haben sich zu entschuldigen, und behauptet haben ähnliche
Erlebnisse gehabt zu haben und viele Gedankengänge nachvollziehen können.
Erstmal können diese 60% sehr verzerrt sein, falls du nicht Buch darüber geführt hast. Man erinnert sich grundsätzlich eher an solche Fälle, bei denen man dann doch Recht hatte (oder die mit der eigenen Meinung übereinstimmen) als an solche, bei denen man nicht richtig liegt (genauso wie Ehepartnern jeder in 70% der Fälle den Müll runter bringt ;-) ).
Aber nehmen wir mal an, dass die 60% stimmen, wundern würde mich das auch nicht. Wenn man psychische Besonderheiten hat, will man das ja nicht jedem auf die Nase binden. Also lügt man bei der Frage danach und solche Lügen klingen oft krampfhaft und übertrieben, weil es eben Lügen sind. Wenn aber jemand sagt, dass er selber psychische Besonderheiten hat, blamiert man sich vor ihm nicht mehr, wenn man zugibt auch welche zu haben, also hört man auf zu lügen und sagt die Wahrheit. Ein weiterer Grund plötzlich die Wahrheit zu sagen ist meiner Meinung nach, dass man dem anderen vermitteln will, dass er nicht allein ist und dass man ihn versteht und ihm damit helfen möchte.
"Hör auf dir so viele Gedanken zu machen, leb es einfach aus, weil es wirklich die beste Therapie ist".
Erstmal impliziert "Therapie", dass BDSM an sich eine behandlungsbedürftige Störung ist und dem würde ich so nicht unbedingt zustimmen. Andererseits ist es nur logisch, dass BDSMler diese Meinung vertreten. Sie hatten diese Probleme und haben sie so gelöst. Wenn ein krebskranker nach der Behandlung mit Medikament XY geheilt wurde, wird er das Zeug natürlich anpreisen wie ein Wundermittel, ihm hats schließlich geholfen. Wenn er in einem Forum für diese Krebskranke ist und da auch immer nur Geschichten gehört hat von Leuten die mit diesem Medikament geheilt wurden (weil die bei denen es nicht gewirkt hat vielleicht gestorben sind). Dann wird ihn das in seiner Meinung bekräftigen.
Das gleiche Prinzip gilt bei BDSMlern auch. Die Leute, die es nicht ausleben sind nun mal nicht hier im Forum.

Genau das bereitet mir so große Probleme...Ich soll sämtliche Bedenken, Moralansichten und persönliche Überzeugungen über den
Haufen werfen? Einfach so? Mein unwohles Gefühl mit Ignoranz "sänftigen"? Ich kann das einfach nicht...ich würde ja nichts sagen
wenn ich wenigstens ETWAS finden könnte, für mich selbst, dass ich daran als "gesund" was die Psyche angeht ansehen kann, aber
da finde ich einfach nichts.
Natürlich sollst du deine Moralansichten und Überzeugungen nicht über den Haufen werfen. Das wäre wohl keine gute Idee. Die Frage ist eher, ob du so an deinen Überzeugungen arbeiten kannst, dass sie nicht mehr deiner Meinung wiedersprechen. Ein Beispiel: Ich finde Toleranz wichtig. Darin stimmen mir wahrscheinlich viele zu. Solange es für alle Beteiligten in Ordnung ist sollen sie tun was sie wollen. Das wäre in dem Fall die Überzeugung. Jetzt höre ich aber zum Beispiel von dem Fall eines Kanibalen, der einen anderen Menschen getötet und gefuttert hat. Dieser andere jemand hat eingewilligt, aber er hatte eine schlimme psychische Krankheit. So in dem Fall finde ich es vielleicht nicht richtig was da gelaufen ist aber im Sinne meiner Überzeugung wäre das kein Problem. Jetzt kann ich entweder meine Überzeugung über den Haufen werfen oder daran arbeiten so dass daraus wird: Solange es für alle Beteiligten in Ordnung ist und sie in der Lage sind einzuwilligen und die Konsequenzen zu überblicken sollen sie tun was sie wollen. Jetzt passt meine Meinung im Einzelfall wieder zu meiner Überzeugung.
Genau so könnte es mit BDSM gehen, aus "Es ist falsch anderen weh zu tun" wird "Es ist falsch anderen weh zu tun, außer wenn sie es möchten und Spaß dran haben". Das ist jetzt etwas vereinfacht, da muss man natürlich noch viele andere Sachen bedenken, aber ich denke das Prinzip ist klar. Ich sage nicht, dass du das so machen musst, nur das es das ist, was die anderen dir wohl damit sagen wollten. (Und wie das bei den meisten wohl gelaufen sein dürfte.)
Schmerz, Demütiung, Machtlosigkeit und und und sind einfach Dinge die einem Menschen von Natur aus nicht gefallen, im Gegenteil.
Wieso findet man also gefallen daran entweder diese Dinge zu "erhalten" oder sie anderen Menschen anzutun? Wieso gibt es beim
Masochismus so viele Parallelen zu psychischen Erkrankungen wie beispielsweise dem Borderline Syndrom? Was soll normal daran sein
wenn man gefallen an Dingen findet, die schlichtweg in fast jedem Kontext negativ sind?
In wie fern das Dinge sind, die einem Menschen von Natur aus nicht gefallen, darüber solltest du vielleicht mal mit einem Evolutionspsychologen reden, aber früher hat man auch gedacht, dass Menschen von Natur aus auf das andere Geschlecht stehen oder von Natur aus eine Abneigung gegen Inzest haben, beides ist ziemlich klar wiederlegt (soweit ich über den aktuellen Forschungsstand bescheid weiß). Bei beiden Verhaltensweisen muss nicht unbedingt was schief gelaufen sein, damit ein Mensch es doch tut und ja ich habe absichtlich ein mittlerweile akzeptiertes und ein weithin absolut nicht akzeptiertes Beispiel ausgewählt.
Warum es so viele Parallelen gibt? Meiner Meinung nach, weil es nur einen recht begrenzten Pool an menschlichen Verhaltensweisen gibt und die meisten Krankheitsbilder einfach das ein oder andere Extrem von eigentlich weitgehend normalen Verhaltesweisen darstellen (der Meinung ist mein Prof übrigens auch).
Extreme Schüchternheit wird zur Sozialphobie, extreme Ordentlichkeit wird irgendwann ne Zwangsstörung usw usw. Das sind natürlich nur einige sehr einfache Beispiele aber das Prinzip ist klar. Du würdest auch niemanden als krank bezeichnen wenn er sich bei einem ärgerlichen Fehler die Hand vor die Stirn haut, wenn er sich die Arme aufschlitzt wahrscheinlich eher schon.
Viele mögen jetzt die altbekannte Frage "Warum mag der eine rot- und der andere grün lieber?" stellen, aber das ist für mich
einfach nicht das gleiche. Rot ist rot, grün ist grün. Es sind Dinge die objektiv gesehen keine wirkliche Bedeutung haben,
sie sind einfach so wie sie sind...das rot ist einfach rot, und das grün ist einfach grün.
Das ist richtig, obwohl man argumentieren könnte, das auch Farben nicht werfrei sind. Es ist vor allem weniger extrem. Niemand würde einem Kind, dessen Lieblingsfarbe Rot ist attestieren, dass es krank ist, obwohl Rot eigentlich eher eine Warnfarbe ist. Aber gut, das ist jetzt eher ein Gedankenspiel als ein Argument....
SCHMERZ allerdings tut WEH, DEMÜTIGUNG führt dazu dass sich jemand SCHLECHT fühlt, BELEIDIGUNGEN gehen tief, führen zu
seelischem SCHMERZ.
Schmerz tut weh, aber weh tun ist nicht unbedingt immer schlecht, man denke an scharfes Essen oder feste Massagen. Genauso gehen Beleidigungen nicht unbedingt tief, unter Jugendlichen beleidigt man sich sehr oft und spielerisch, das ist im Grunde genommen ein nicht unnormaler Teil der Entwicklung bei dem man soziales Verhalten lernen kann und eben auch lernt, was okay ist und was wirklich destruktiv ist.
Es ist einfach nicht die gleiche Kategorie...Es sind keine Dinge die ohne jede Bedeutung sind, jeder normale Mensch fühlt sich
SCHLECHT wenn er gedemütigt wird, und wird nicht geil davon, in welchem Kontext auch immer.
Es gibt generell eigentlich keine Dinge ohne jegliche Bedeutung (auch wenn ich persönlich bei moderner Kunst manchmal so den Eindruck habe). Mit "jeder normale Mensch" sollte man allerdings vorsichtig sein, Normalität kann recht unterschiedlich definiert werden, entweder statistisch oder psychiatrisch oder oder oder...
Noch dazu sollte man sich je nach Definition Gedanken darüber machen, wie schlimm es wirklich ist, nicht normal zu sein. Niemand würde dich für krank halten wenn du einen IQ über 140 hast, dann würden alle applaudieren, obwohl das in etwa genau so unnormal ist, wie dass du Borderline hast. (Bitte nagelt mich nicht auf die einzelnen Wahrscheinlichkeiten fest, das ist nur ein Beispiel und ich mag das gerade nicht raussuchen.) Ich will nur sagen: Wie normal etwas ist geht nicht unbedingt mit einer Wertung einher.
Ich bin mit diesen Bedenken bereits ein mal zu einem Psychologen gegangen, der mir dann eine Art Gesprächstherapie in einer
Klinik (ich wurde nicht "eingewiesen" o.ä., die Psychologen haben halt einfach in dieser Klinik gearbeitet) angeboten hat.
Ich will jetzt gar nicht auf das was dort besprochen und gemacht wurde eingehen, weil es mir im Endeffekt nichts gebracht
hat, was ich allerdings durchaus interessant fand war die folgende Sache:
Schade, dass es dir nichts gebracht hat, aber es ist eben nicht jede Methode was für jeden....
Ich hatte in dieser Klinik einmal die Möglichkeit mit einem Pädophilen zu sprechen. Er hat sich nie an einem Kind vergriffen
weil er das nicht will und hat ebenfalls große Probleme mit sich selbst aufgrund seiner Sexualität. Wir haben uns beide
relativ häufig ausgetauscht, ich über meine Bedenken- er über seine, und was ich gemerkt habe ist, dass die Bedenken bzw die
Probleme dir wir haben sehr sehr ähnlich sind, auch wenn es verschiedene Dinge sind. Man steht auf etwas das normalerweise
moralisch nicht vertretbar ist, man mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann usw. An einem Punkt hat er zu mir gesagt

"Wieso machst du dir eigentlich so viele Gedanken darüber? Es ist doch nichts schlimmes daran, du hast doch immer ein jeweiliges
Gegenstück". Das Argument habe ich in Gesprächen mit BDSMlern auch schon oft zu hören bekommen, aber mal ehrlich: Ist das wirklich
DER Grund weshalb es nicht schlimm ist? Weil wir ein Gegenstück haben? Bewerten wir solche Dinge also nicht mehr danach ob es
überhaupt vertretbar ist sondern achten nur noch darauf ob es wirklich "machbar" ist?
Naja, das kann zumindest ein ziemlich gutes Argument sein, je nachdem, wie deine Überzeugungen so sind. Seien wir mal ehrlich, ziemlich viele moralische Dinge stehen und fallen mit einem willigen Gegenstück. Sex zum Beispiel. Wenn man ein Gegenstück hat, das einwilligt ist es eine tolle Sache, wenn nicht ist es Vergewaltigung.
Allerdings ist das meiner Meinung nach zwar ein ziemlich wichtiger Argument ob es gut ist (wie wichtig merkt man, wenn man kein Gegenstück hat) aber nicht das einzige. Zu sehen ist das auch an meinem Beispiel oben mit dem Kanibalen. Der hatte zwar ein williges Gegenstück, aber die meisten werden mir zustimmen, das das trotzdem keine so einwandfreie Sache war. Der Punkt ist doch, das man mehrere Kriterien zusammen nehmen sollte und dann bewerten, was man gut und richtig findet und was nicht. Möglichst selbst.
Ich verstehe einfach diese Ignoranz in der Szene nicht, gerade bei Leuten die immer lautstark behaupten es würde ihnen gut tun,
während sie allerdings im gleichen Atemzug oft von Abstürzen, Nervenzusammenbrüchen usw. berichten. Wie kann eine so "harmlose",
"normale" und vor allem "nicht kranke" Sache dazu führen dass man einen Absturz davon hat? Wieso werden genau diese Abstürze
anscheinend totgeschwiegen innerhalb der Szene?
Das die Szene auch schon mal ziemlich ignorant ist kann ich ehrlich gesagt auch nicht abstreiten aber davon mal abgesehen können so ziemlich alle harmlosen Sachen schief gehen. Zum Beispiel Sex (ist nen Dauerbrenner als Beispiel bei mir). Sex ist ne super Sache wenn alle Spaß dran haben aber auch bei 0815 Blümchensex kommt es oft genug zu Zusammenbrüchen jeglicher Art. Zum Beispiel weil irgendetwas nicht funktioniert, zu gut funktioniert, plötzlich danebenn geht, mangelnde Kommunikation usw. Das sind im Allgemeinen sehr ähnliche Gründe wie die, warum eine Session schief geht. Aber einfach ausgedrückt: Wenn der Apfel hoch hängt und du ihn haben willst steigst du trotzdem auf die Leiter, auch wenn du weißt, dass du runterfallen kannst. Du versuchst es wenn du schlau bist vielleicht so sicher wie möglich zu machen in dem du jemanden holst der die Leiter festhälst (Safewords, SSC etc) aber wer den Apfel will steigt halt auf die Leiter. Du kannst natürlich auch entscheiden, dass dir für so einen blöden Apfel das Risiko zu hoch ist und du lieber unten bleibst (und vielleicht weiterhin mit dem Hunger nach dem Apfel leben musst) aber das ist eben deine Entscheidung.
Ich war ein paar mal auf Stammtischen die nicht von der SMJG waren (Name und Ort wird nicht genannt). Natürlich habe ich dort
auch einige Pärchen angetroffen die in einer 24/7 Beziehung lebten. Einmal gab es auch da eine Interessante Situation:

Bei einem Paar hat man deutlich gemerkt dass sich das Mädel (offensichtlich Sub) nicht wirklich sonderlich viel zu sagen traut.
Sie war still, hat kaum gesprochen und saß die ganze Zeit leise neben ihrem Freund (ich werde hier nicht den Begriff "Herr"
verwenden). Als sie Durst hatte hat sie ihn gefragt ob sie sich ein Glas Wasser kaufen darf, worauf er mit "du hast gerade
Zuhause so viel getrunken, da brauchst du jetzt kein Wasser" geantwortet hat. Daraufhin brach sie in Tränen aus, hat angefangen
rumzuschreien dass sie es einfach nicht versteht wieso er das macht und letztendlich ist sie dann rausgerannt. Ich habe
eigentlich wirklich erwartet dass er sich um sie kümmert, sie tröstet o.ä., aber im Gegenteil: "Haha...die kleine zickt
wiedermal rum. Naja, wird sie nachher schon noch spüren wenn ich sie übers Knie lege" hat er dazu gesagt, was von den anderen
am Stammtischen mit lachen abgetan wurde. Ich habe das einfach nicht verstanden....was sind das für Menschen? Wieso lässt
man sich derartig in der Würde als Mensch einschränken und versklaven? Wieso mag man eine solche Beziehung die auf ständige
Distanz durch Anreden basiert mit einem Menschen führen, den man doch eigentlich liebt? Wieso haben manche kein Problem damit
ihren Partner so derartig einzuschränken, ja haben sogar einen Lustgewinn dadurch?
Schlimme Sache das. Sowas ist natürlich absolut nicht lustig und ich kann verstehehen, dass dich das gelinde gesagt irritiert hat. Hätte es mich aber auch. Ich lehne mich einfach mal aus dem Fenster und sage, dass der beschriebene Dom wahrscheinlich auch ohne BDSM soziale Defizite haben würde und das eher am einzelnen Menschen als an der Zugehörigkeit zur Gruppe lag. Sicher kann ich nur sagen, dass ich bei den meisten Leuten die ich aus der Szene kenne die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass das nicht so laufen würde. Mehr kann ich leider auch nicht dazu sagen.
Ich habe versucht meine Probleme schon öfters auch auf Stammtischen der SMJG anzusprechen, war von den Reaktionen aber mehr
als enttäuscht und sogar wütend. Es wurde total ignoriert und wieder mit den typischen Floskeln abgetan. "Macht dir keine
Gedanken, mach's einfach..." und teils durfte ich noch nichtmal aussprechen bevor schon wieder der nächste Spruch kam.
Einmal habe ich meinen Mut zusammengefasst (ich selbst bin wahnsinnig schüchtern, was mir solche Dinge nur erschwert) und
habe wirklich DIREKT angesprochen was in meinem Kopf rumschwirrt, und die Antworten darauf waren dann der ausschlaggebende
Punkt weshalb ich den Stammtisch verlassen habe und seitdem nicht mehr hingegangen bin. "Ohhh jaaa, wir sollten alle am
besten gleich in die Psychiatrie gehen! Hahahaha!" Ich weiß nicht woran es lag...ob sie nicht gemerkt haben wie ernst mir
diese Probleme sind und wie schlecht es mir dadurch geht, oder ob sie damit einfach etwas überspielen wollten.
Schade, dass das so gelaufen ist. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass man auf Stammis gut über solche Themen reden kann. Es kommt natürlich auf viele verschiedene Sachen an: Wie man es formuliert, welche Stimmung gerade ist, welche Leute gerade da sind, wie gut man sich kennt usw..
Der Punkt ist natürlich, dass einige BDSMler bei dem Thema "krank" direkt in die Offensive gehen, weil sie schon einige Erfahrungen gemacht haben was das betrifft. Wenn man von ignoranten Mitmenschen angeeckelt "wiederwärtig und krank" genannt wird, entwickelt man schnell eine Überempfindlichkeit.
Ich habe jedenfalls gemerkt dass viele der Leute auf dem Stammtisch unreif waren. Das Thema BDSM hielten sie wie ein Abzeichen vor
sich her, haben stolz erzählt was sie schon alles ausprobiert haben und jedes mal hatte ich dabei das Gefühl dass BDSM für
sie einfach wie rauchen ist: Es macht erwachsen. Es hebt von der "unschuldigen" Allgemeinheit ab. Einmal habe ich ein Mädel
das auf dem Stammtisch mit eine-r/m nach de-r/m anderen rumgeknutscht hat gefragt wieso sie das macht, worauf ich dann als
Antwort gekriegt habe "Na wir sind polygam, das ist bei BDSMlern häufig so", und ab dem Punkt war mir klar dass es in meinen
Augen wirklich, trotz des Alters, nur unreife Kinder sind die erwachsen sein wollen. Sie hören/sehen was von den "Großen"
BDSMlern, und übernehmen es einfach weil heeeeeey! Es macht ja jeder.
Das die Leute, die man auf einem smjg Stammi trifft zu einem bestimmten Teil noch nicht ganz "erwachsen / reif" sind, sollte einen nicht verwundern. Wir sind nunmal eine Jungendgruppe und damit schon per Definition eher auf Jugendliche sprich nicht Erwachsenen Menschen ausgerichtet. Dieses abschauen und nachmachen ist allerdings in jedem Alter und Reifeprozess ein wichtiger Teil von Weiterentwicklung. Die meiste Weiterentwicklung findet man bei Menschen nicht weil sie irgendwann mal von innen heraus auf den Gedanken kommen "Hey XY wäre doch mal eine Idee, das probiere ich!", sondern weil man Dinge sieht, interessant findet, nachmacht und dann entscheidet, ob man es beibehält oder nicht. Wenn man dann während der Phase des Ausprobierens gefragt wird, warum man das macht, ist die logische Antwort nun mal die, dass man es beobachtet hat (und es von anderen akzeptiert wurde) und man es deswegen nachmacht. Meiner Meinung nach ist daran auch nichts falsches, der Prozess des Bewertens setzt bei den meisten früher oder später ein und dann entscheidet man eben. Probieren geht über studieren wie man so schön sagt.
Es tut mir leid dass der Text so wahnsinnig lang wurde, und ich weiß nicht ob überhaupt einer von euch die Motivation hat
sich da durchzuarbeiten, aber bitte helft mir. Wie soll ich mit der Sache umgehen? Hattet ihr denn nie Probleme mit dem
Thema, und wenn ja: Wie habt ihr sie überwunden? Einfach mit der Ignoranz die mir schon so oft geraten wurde, oder auf
einem Weg der auf für Kopfmenschen wie mich nachvollziehbar und akzeptabel ist?
Puh ich bin echt am Ende? *hechel*
Nein im ernst, schweres Thema = lange Beiträge.
Wie du mit der Sache umgehen möchtest ist und bleibt deine Entscheidung. Du hast die Möglichkeit deine Konflikte zu ignorieren, deine Neigungen zu ignorieren oder mit Gesprächen und viel viel Nachdenken einen Mittelweg zu finden. Vom Verhalten her kann das alles von "Ich probiere alles aus" über "Ich probiere Praktiken die ich doch nach einiger Arbeit mit meinen Ansichten vereinbaren konnte" und "Ich kann einiges gutheißen, entscheide mich aber es nicht auszuprobieren" bis zu "Nein ich kann das nicht mit meinen Überzeugungen verieinbaren und lasse es dewegen einfach (halte optional BDSM einfach für "krank")" sein.
Wie das bei mir war, naja ich habe mir die Lebenskonzepte der anderen einfach genau angeschaut, sehr genau beobachtet und dann laaaange drüber nachgedacht und dann jeweils entschieden, ob sich das mit meinen Überzeugungen vereinbaren lässt. Manchmal habe ich herausgefunden, das ich das schlichtweg nicht kann, meistens aber konnte ich es dann auf einen Nenner bringen. Natürlich musste ich meine Überzeugungen manchmal etwas revidieren, aber nicht aus Zwang sondern einfach weil ich dazugelernt und anders über Dinge nachgedacht habe. Überzeugungen sind meist doch nicht in Stein gehauen.
In wie fern das für dich als Kopfmensch hilfreich ist, weiß ich nicht, aber ich würde mich durchaus ziemlich als Kopfmensch bezeichnen. Aber nicht jeder ist da gleich, vielleicht kannst du auch gar nichts damit anfangen, dann bleibt nur der Trost dass wir im Internet sind und ich kein Papier verschwendet habe.
Ich wäre wirklich sehr, sehr dankbar wenn ihr mir helfen könntet- oder zumindest Gedankengänge schildern könnt die es mir
leichter machen, und nicht umbedingt die alte "Du hast ein Gegenstück", "Mach dir keine Gedanken", usw.- Leiher ist.
Ich habe einfach mal versucht meine Gedanken aufzuschreiben und hoffe, dass du du vielleicht etwas damit anfangen kannst. Ich muss natürlich nochmal erwähnen, dass das alles nur meine persönliche Meinung ist und ich keinen Anspruch auf Richtigkeit erhebe und auch kein Gewehr habe.
Ob das die gleiche Leiher ist weiß ich nicht, ich denke nein, aber das musst du entscheiden.

So und letzten Endes habe ich einen noch längeren Text geschrieben. Hah. (Wenn ich mir das so ansehe einen der längsten Beiträge dich ich hier je gelesen habe, sorry, besonders an die Mods.)

lg aiko

Ryugin
Stammgast
Beiträge: 145
Registriert: 26. Jun 2011 16:53

Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von Ryugin »

Wow, aiko, ich schlage vor, dass du daraus einen Essay machst mit dem Titel "Kategorien der moralischen Bewertung mit Fallstudien aus dem Bereich des Sadomasochismus"

Incontuyr, meine Antwort geht in eine ganz andere Richtung. Ich bitte dich, dass du mir nicht böse bist, wenn du damit überhaupt nicht übereinstimmst. Das ist nur ein Ansatz, von dem ich nicht weiß, ob er weiterführt.
lncontuyr hat geschrieben: Sicher habe ich oft gehört dass ich anhand von "solchen paar Idioten" nicht eine ganze Szene beurteilen soll, aber das, dass wirklich fast JEDER auf dem Stammtisch mitgelacht hat, zeigt mir ja dann doch irgendwie dass sich die Leute da relativ schnell mitreißen lassen und mitmachen, wie du es hier schon geschrieben hast:
Wenn ich überlege, welche Bedürfnisse in dieser Situation bei dir nicht erfüllt waren, dann komme ich auf lauter Ideen, die mit Verhalten in Gruppensituationen zusammenhängen. Ich kann mir gut vorstellen, dass du in dieser Situation gerne mehr Unterstützung bekommen hättest. Es erscheint mir auch naheliegend, dass du gerne in der Lage gewesen wärst etwas Positives zu bewirken. Ebenso kann ich mir gut vorstellen, dass du dich gerne offen und frei ausgesprochen hättest.

Das sind alles Dinge, die jetzt wenig mit SM zu tun haben. Das ist erst einmal eine blöde Gruppensituation und dass die dich überfordert hat, ist nachvollziehbar. Das wäre vielen von uns so gegangen.

Jetzt die Verbindung zu SM zu ziehen und die Schlussfolgerung zu ziehen, dass SM zu asozialen Verhalten führt, ist verlockend, doch vielleicht noch verfrüht. Vielleicht wirfst du hier zwei Probleme (Wie gelingt es mir in doofen sozialen Situationen mein emotionales Gleichgewicht zu bewahren? Und Hängen SM und psychischen Störungen zusammen?) durcheinander. Und dann besteht die Gefahr, dass du dich in der zweiten Frage verrennst und stattdessen dein Problem in der ersten Frage hast.
2) Hast du in dieser Diskussion bisher gespürt, dass den Leuten Respekt und Mitmenschlichkeit wichtig sind oder fehlt dir das bisher?
Es ist jetzt schwer darauf was zu antworten ohne das sich gleich jemand angegriffen fühlen könnte.


Mein Eindruck ist der, dass du dir unsicher bist, ob du das nötige Fingerspitzengefühl hast, um eine so heikle Thematik anzusprechen. Das möchte ich jedenfalls einfach mal als eine alternative Sichtweise vorschlagen. Diese Thematik ist halt sehr persönlich und sehr intim und dann ist man sich halt unsicher, ob man den Leuten so direkt und ehrlich die Meinung sagen kann, ohne sie zu verletzen. Mit dieser Sichtweise, wenn du sie denn übernehmen möchtest, wären deine Unsicherheiten nicht moralischer, sondern sozialer Art.

Es gab von Zimtschnecke, aiko und mir jetzt drei Meinungen, die alle drei auf mich einen sachlichen und bemühten Eindruck machen. Da könnte man das jetzt testen: Hast du eher folgendes Problem: Wie du diese Beiträge reagierst, ohne jemanden zu verletzen und zu beleidigen? Oder eher das Problem, dass du mit ihnen inhaltlich nicht übereinstimmst?

lncontuyr
Zaungast
Beiträge: 17
Registriert: 19. Sep 2013 16:12

Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von lncontuyr »

(Erstmal) an Aiko (ich glaube ich hab von der länge her sogar noch einen drauf gesetzt ._.)
Kleine konstruktive Kritik: Wenn man von vornherein sagt was man erwartet, beeinflusst man die anderen im Grunde genommen genau das zu tun. Ist jetzt nicht schlimm, aber wenn man ernsthaft an guten Antworten interessiert ist, sollte man versuchen, die anderen so wenig wie möglich zu beeinflussen und eher klar zu sagen was man möchte, statt zu sagen was man nicht möchte. Und wegen des langen Textes, manche Dinge lassen sich eben nicht in drei Sätzen abhandeln, von daher kein Problem.
Ich weiß, der Satz war vielleicht nicht umbedingt vorteilhaft formuliert...ich wollte einfach nicht dass es wieder zu einer Situation kommt wo die Diskussion von Leuten überschwemmt wird die nichts wollen ausser beleidigende bzw abwertende Bemerkungen zu machen, oder wie es auf dem Stammtisch war das ganze gar ins Lächerliche zu ziehen nach dem Motto "ohhh ja, hilfe! Lasst uns alle schnell einen Psychologen aufsuchen!".
Statistisch gesehen geht es (meiner Erfahrung nach) vielen Menschen so, wenn sie sich aus irgend einem Grund mit BDSM beschäftigen. Zugegebenermaßen bekommt man, wenn man länger hier in der smjg ist, den Eindruck, dass sich das bei den allermeisten irgendwann einfach auflöst und sie ihre Neigung akzeptieren. Dabei muss man aber auch bedenken, dass man nur von denen weiter hört. Falls es Leute gibt, die sich nie damit anfreunden, sind die logischerweise hier nicht mehr anzutreffen und entziehen sich damit unserer Wahrnehmung. Wir hier in der smjg müssen also den Eindruck bekommen, dass das bei allen so läuft. In wie fern das zutrifft oder nicht ist schwer zu sagen.
Ja...das ist ein Problem dass man nur von denen weiterhört die es akzeptieren konnten. Dass ich nicht der einzige bin der derartige Bedenken hat habe ich auch schon oft gemerkt.
Erstens es selbst für Psychologen schwer zu entscheiden ist, ab wann genau etwas jetzt eine Krankheit ist und das in so einer "ich erzähle einen Schwank aus meinem Leben" Situation ziemlich unmöglich zu entscheiden ist. Zweitens ist diese Sache mit der Abnormität generell schwierig. Je nech Kulturkreis oder sonstigen Umständen empfindet das jeder unterschiedlich und Seltenheit ist letztendlich auch nur ein Merkmal von vielen, noch dazu eines, das sich stetig ändert.
Es ist schwer zu beschreiben wie es mir mit dem Thema geht. Ich bin keiner der sagt "bis dahin ist's okay, aber sobald xyz ist, ist es krank", darum geht es mir gar nicht. Neben dem Gefallen an dem Thema und dem großen Interesse daran habe ich einfach irgendwie immer ein richtig ungutes Gefühl in der Bauchgegend. Ich sage es so wie es ist: Ich schäme mich, habe ein richtig mulmiges Gefühl bei der Sache, habe mit großer Selbstablehnung deswegen zu kämpfen usw. Ich kann es einfach nicht verstehen wieso ich- bzw wieso man allgemein Gefallen daran finden sollte an derartigen Praktiken, schon gar nicht nachdem es in meinem Leben viele Situationen gab in denen ich wirklich machtlos war. Ich könnte es genauso wenig verstehen wieso mein Gegenstück Gefallen daran findet...sicher, jetzt mögen viele wieder Erklärungen schreiben wollten und ihren Standpunkt erklären, aber mir geht es grundlegend um die Neigung an sich.

Zum Punkt "Abnormalitäten": Das ist bei mir so ein Problem...mein "normal" ist nicht das "normal" was man sonst als "normal" kennt. Ich sehe das Wort "normal" nicht als Ersatz für "gewöhnlich", mir geht es eher um eine psychische Normalität, ob eben alles gesund ist im Hirnkästchen... Dass ich selbst in vielen Dingen nicht normal im Sinne von "gewöhnlich" bin weiß ich selbst. In den anderen Antworten die ich schon geschrieben habe, die aber dann versehentlich gelöscht wurden ging ich auch schon ein wenig auf das Thema ein: Ich selbst stehe auf Männer und habe (nur um mal ein beispiel rauszupicken) auch eine gewisse (große) Vorliebe für Füße. Ist das jetzt normal? Nein, ist es nicht, aber das macht mir nichts aus weil es in diesem Kontext nicht mit Dingen zutun hat, die ich (wohl durch vergangene Erlebnisse) mit etwas negativen in Verbindung bringen kann. Mein Gott, selbst wenn ich auf stark übergewichtige Typen stehen würde wäre es für mich überhaupt kein Problem^^

Es geht mir einfach darum (es ist wirklich wahnsinnig schwer für mich das so in einen Text zu packen dass es verständlich ist was genau ich meine, ich weiß einfach nicht wie ich es so ausdrücken soll dass es nachvollziehbar wird):

Man liest ja immer wieder und wieder dass man BDSM nicht mit einer Misshandlung verwechseln sollte; evtl. nahestehende Personen bei denen es zu "Komplikationen" kommen könnte, wenn es denn möglich ist, vorher aufklären sollte um Situationen zu vermeiden in denen man erwischt werden- und es somit falsch aufgefasst werden würde usw.

Alleine schon das, dass es für Außenstehende nur schwer zu unterscheiden ist, bereitet mir einfach Bedenken. Ich meine...wieso gefällt mir soetwas? Was soll daran normal (Erklärung hierzu weiter oben) sein?
Erstmal können diese 60% sehr verzerrt sein, falls du nicht Buch darüber geführt hast. Man erinnert sich grundsätzlich eher an solche Fälle, bei denen man dann doch Recht hatte (oder die mit der eigenen Meinung übereinstimmen) als an solche, bei denen man nicht richtig liegt (genauso wie Ehepartnern jeder in 70% der Fälle den Müll runter bringt ;-) ).
60% waren vielleicht wirklich etwas überzogen, aber keinesfalls total übertrieben. Es waren wirklich verdammt viele von genau denen, die es vorher abgestritten und mich beleidigt haben, der Rest hat ab dem Zeitpunkt gar nichts mehr dazu gesagt.
Aber nehmen wir mal an, dass die 60% stimmen, wundern würde mich das auch nicht. Wenn man psychische Besonderheiten hat, will man das ja nicht jedem auf die Nase binden. Also lügt man bei der Frage danach und solche Lügen klingen oft krampfhaft und übertrieben, weil es eben Lügen sind. Wenn aber jemand sagt, dass er selber psychische Besonderheiten hat, blamiert man sich vor ihm nicht mehr, wenn man zugibt auch welche zu haben, also hört man auf zu lügen und sagt die Wahrheit. Ein weiterer Grund plötzlich die Wahrheit zu sagen ist meiner Meinung nach, dass man dem anderen vermitteln will, dass er nicht allein ist und dass man ihn versteht und ihm damit helfen möchte.
Ich will wirklich absolut nicht dass sich das jetzt so anhört als wäre das für mich ein ausschlaggebender Punkt (gewesen), aber genau dieses Lügen war für mich eine Art bestätigung. Wisst ihr, ich denke ihr habt selbst gemerkt dass viele viele BDSMler bei dem Thema "krank" sofort dicht machen und keiner wirklich gerne über das Thema reden möchte, ich stand deshalb oft wirklich rat- und hilflos da, wurde teils wirklich, wie schon oft gesagt, heftig beleidigt...und wozu? Nur dass sich dann (zumindest bei einer Diskussion) herausstellt dass das ganze Abstreiten, die Beleidigungen und fiesen Sprüche doch nur auf einer Lüge basierten? Dass ich mit dem was ich sage doch nicht so falsch liege wie es mir DEUTLICHST eingehämmert wurde? Es tut mir leid wenn ich das sage, aber da habe ich wirklich den Eindruck gekriegt als würde die ganze Akzeptanz bei dem Thema bei vielen (ich verallgemeinere nicht! NICHT bei allen. Bei vielen.) auf Ignoranz basieren, vor allem nachdem ich "aufmunternde" Sprüche wie " vergiss deine Bedenken einfach, leb es aus!" gekriegt habe, und dann beim weiteren Schreiben mit den Personen doch gemerkt habe dass sie wohl immer noch einige Meinungen über die Sache haben, die sie aber schlichtweg einfach ignorieren.
jetzt kann ich entweder meine Überzeugung über den Haufen werfen oder daran arbeiten so dass daraus wird: Solange es für alle Beteiligten in Ordnung ist und sie in der Lage sind einzuwilligen und die Konsequenzen zu überblicken sollen sie tun was sie wollen. Jetzt passt meine Meinung im Einzelfall wieder zu meiner Überzeugung.
Genau so könnte es mit BDSM gehen, aus "Es ist falsch anderen weh zu tun" wird "Es ist falsch anderen weh zu tun, außer wenn sie es möchten und Spaß dran haben". Das ist jetzt etwas vereinfacht, da muss man natürlich noch viele andere Sachen bedenken, aber ich denke das Prinzip ist klar. Ich sage nicht, dass du das so machen musst, nur das es das ist, was die anderen dir wohl damit sagen wollten. (Und wie das bei den meisten wohl gelaufen sein dürfte.)
Mit diesem Ansatz habe ich eben so meine Probleme. Sicher, man kann versuchen seine eigene Meinung mit seiner Überzeugung passend zu machen, aber ich glaube das ist bei mir nicht so einfach weil ich mit dem Ansatz dass es okay ist weil es beide wollen ja auch schon so meine Probleme habe.
Dieser andere jemand hat eingewilligt, aber er hatte eine schlimme psychische Krankheit.
Das finde ich jetzt interessant. Eine schlimme psychische Krankheit. Ich habe mich, u.a. weil ich den Fall in Rothenburg sehr interessant fand, viel mit solchen Dingen beschäftigt, und habe bei diversen Neigungen, von denen wohl ein Großteil, wenn nicht sogar alle sagen würde dass es sich um eine schwere psychische Krankheit handelt, gelesen/gesehen/gehört usw. dass es auch da Menschen gibt, die seit dem Kindheitsalter Fantasien in die jeweilige Richtung haben, ähnlich wie auch bei vielen BDSMlern schon bevor sie überhaupt wussten was BDSM ist Gefallen als solchen Dingen gefunden haben (was mir, nachdem ich mich so lange damit auseinandergesetzt habe, auch teils bei mir selbst aufgefallen ist, ohne es gemerkt zu haben). Wieso ist denn das eine eine schlimme psychische Krankheit, und das andere nicht? Nur weil es bei dem einen um ein Menschenleben geht und beim anderen nicht? Aber was wenn diese Menschen die Neigungen in die Richtung haben sagen dass genau das für sie die Erfüllung ihrer Fantasien ist, das was sie sich wünschen und ersehnen? Und da kommen wir jetzt glaube ich (hoffe ich zumindest <.<) schön langsam an einen Punkt wo es glaube ich verständlich(er) wird was mein Problem mit der Sache ist: Es geht mir weniger darum welche Praktiken man jetzt erregend findet, sondern viel mehr um die Basis des ganzen....darum ob die "Erfüllung" denn wirklich nicht bei beiden Dingen auf Störungen der Psyche zurückzuführen ist...


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An der Stelle muss ich sagen dass ich wohl nicht auf absolut alles was du geschrieben hast eingehen kann, weil mein Text sonst viel zu lang werden, und/oder ich dann einiges doppelt sagen würde. Wenn ich auf etwas nicht zu 100% eingehe seh's einfach als meine Zustimmung an, okay?^^
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Das die Szene auch schon mal ziemlich ignorant ist kann ich ehrlich gesagt auch nicht abstreiten aber davon mal abgesehen können so ziemlich alle harmlosen Sachen schief gehen. Zum Beispiel Sex (ist nen Dauerbrenner als Beispiel bei mir). Sex ist ne super Sache wenn alle Spaß dran haben aber auch bei 0815 Blümchensex kommt es oft genug zu Zusammenbrüchen jeglicher Art. Zum Beispiel weil irgendetwas nicht funktioniert, zu gut funktioniert, plötzlich danebenn geht, mangelnde Kommunikation usw. Das sind im Allgemeinen sehr ähnliche Gründe wie die, warum eine Session schief geht.
Ja, stimmt schon, auch da gibt es Zusammenbrüche, aber mal ehrlich: Ist es nicht wahrscheinlicher dass es sich bei dem einen nur um einen blöd gelaufenen Unfall handelt, während es bei der anderen Sache irgendwie teils....nicht wirklich überraschend ist wenn es zu einem Absturz kommt? Ich meine....man wird (je nachdem auf Absprache) -spielerisch- geschlagen, beleidigt, im Wert herabgesetzt usw., ist es da nicht irgendwie zu erwarten dass es mal passiert dass man emotional doch mal so darauf reagiert wie es normalerweise der Fall wäre wenn jemandem soetwas widerfahren würde?

Ein Vergleich der verdeutlichen soll wie ich das meine:

In Russland steigen Kinder für den Kick den sie davon kriegen auf Fernsehtürme rauf oder klettern auf fahrenden Zügen rum. Sagt man ihnen dass das gefährlich sei weil schon viele dabei gestorben sind, könnten sie auch sagen "ja, beim Autofahren sterben täglich auch tausende Menschen". Auch da würde ich persönlich dann sagen "ja, beim Autofahren sterben täglich viele Menschen, aber da handelt es sich um total Unfälle, während es bei euch Idioten (nicht auf BDSMler jetzt bezogen, sondern auf die Kinder) doch einfach nur zu erwarten ist dass mal einer runterfällt". Versteht ihr was ich meine?
Schlimme Sache das. Sowas ist natürlich absolut nicht lustig und ich kann verstehehen, dass dich das gelinde gesagt irritiert hat. Hätte es mich aber auch. Ich lehne mich einfach mal aus dem Fenster und sage, dass der beschriebene Dom wahrscheinlich auch ohne BDSM soziale Defizite haben würde und das eher am einzelnen Menschen als an der Zugehörigkeit zur Gruppe lag. Sicher kann ich nur sagen, dass ich bei den meisten Leuten die ich aus der Szene kenne die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass das nicht so laufen würde. Mehr kann ich leider auch nicht dazu sagen.
Ja, der Typ hat mit Sicherheit auch ohne BDSM gewisse Probleme, aber da spielt viel mehr eine Rolle als nur sein Verhalten: Warum haben die anderen mitgelacht anstatt evtl mal zu fragen ob das jetzt wirklich richtig war und/oder zu versuchen das Mädel zu trösten? Warum begibt man sich freiwillig in eine solche Beziehung? Es gibt ja durchaus viele die jegliche Ansprüche auf einen eigenen Willen abgeben und so behandelt werden WOLLEN, und auch da habe ich einige gefragt wie das kam, und siehe da: sie sagten dass es bei ihnen auch klein angefangen hat und es für sie anfangs auch undenkbar war. Wie rutscht man da rein? Ist nicht jeder mit der Neigung potentiell "gefährdet" da zu landen? Kann mir das passieren? Ich habe davor einfach Angst irgendwie....mir macht die ganze Neigung- und das, zu was sie sich entwickeln kann ohne dass man selbst Einfluss darauf hat einfach Angst. Was, wenn diese Menschen unterbewusst denken dass sie es gar nicht anders verdient haben? Mir macht die ganze Sache einfach wirklich Angst..


Keine Sorge, ich antworte auch noch auf den Text von Ryugin, kann aber sein dass das ein wenig dauert weil es ewig gedauert hat bis ich mich jetzt hier durchgearbeitet hab^^

Kaoru
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Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von Kaoru »

lncontuyr hat geschrieben:Es geht mir weniger darum welche Praktiken man jetzt erregend findet, sondern viel mehr um die Basis des ganzen....darum ob die "Erfüllung" denn wirklich nicht bei beiden Dingen auf Störungen der Psyche zurückzuführen ist...
Du versuchst logisch an die Sache heran zu gehen, lässt aber einige Aspekte aus.
Du gehst davon aus, dass es einen "gesunden Normalzustand" gibt, dass es "krankhafte Abweichungen" gitb und evtl daraus kranke Neigungen entstehen können oder?
So weit mag das stimmen, aber die interessante und wichtige Frage ist doch, was der "gesunde Normalzustand" ist. Darauf ging aiko auch schon ein.
Ist es Rein-Raus unter der Bettdecke? Ja, dann sind wir alle krank.
Oder ist es Spaß miteinander ohne Spuren (physisch und psychisch)? Dann sind hier einige krank, andere nicht.
Oder ist der Normalzustand, dass alle wissentlich und willentlich mitmachen? Dann dürften hier die allerwenigsten krank sein.

Der Knackpunkt an deinen Überlegungen ist und bleibt die Definition von "gesund".

Ja, du wolltest keine persönlichen Meinungen hören, aber da ich die gleichen Überlegungen hatte, wie du, möchte ich dir meine Variante zur Überlegung anbieten:
Ich definiere alle meine Wünsche (egal ob sexueller oder anderer Natur) als "gesund", wenn sie mich glücklich machen. Ich träume von Schokoladenkuchen und freue mich drauf? Super, gesund. Ich träume gerne davon verhauen zu werden und kann dabei grinsen? Super, gesund.
Von der Phantasie möchte ich die Realität abtrennen. In der Realität empfinde ich alles das als gesund, was ich im Nachhinein nicht bereue.
Denn woran soll ich einen Gesundheitsstatus fest machen? Die einzigen Kriterien, die ich kennen sind Diagnosekriterien wie ICD10 und der ändert sich andauernd.

Vielleicht ist "Bin ich krank?" gar nicht die passende Frage bei BDSM, sondern die Frage "Bin ich glücklich?".
Das würde ich übrigens auch bei anderen "Krankheiten" so sehen. Nur weil sie theoretisch diagnostizierbar sind, heisst es noch nicht, dass sie mich beeinträchtigen und von mir als Krankheit wahrgenommen werden.

So, ich weiss nicht, ob dir das jetzt hilft, aber ich wollte das mal loswerden.
lncontuyr hat geschrieben:Warum begibt man sich freiwillig in eine solche Beziehung? Es gibt ja durchaus viele die jegliche Ansprüche auf einen eigenen Willen abgeben und so behandelt werden WOLLEN, und auch da habe ich einige gefragt wie das kam, und siehe da: sie sagten dass es bei ihnen auch klein angefangen hat und es für sie anfangs auch undenkbar war. Wie rutscht man da rein? Ist nicht jeder mit der Neigung potentiell "gefährdet" da zu landen? Kann mir das passieren? Ich habe davor einfach Angst irgendwie....mir macht die ganze Neigung- und das, zu was sie sich entwickeln kann ohne dass man selbst Einfluss darauf hat einfach Angst. Was, wenn diese Menschen unterbewusst denken dass sie es gar nicht anders verdient haben? Mir macht die ganze Sache einfach wirklich Angst..
Kann ich verstehen, kann ich sogar sehr gut verstehen.
Mir hilft nur, mich immer wieder zu fragen "Bin ich glücklich?".
Würde ich meine Beziehung immer wieder so führen? Fühle ich mich wohl? Habe ich das, was ich haben will und brauche?
Wenn ich all das mit einem klaren "Ja" beantworten kann, was macht es dann für einen Unterschied, ob er meinen Tagesablauf bestimmt oder ich? Ob wir Sex im Bett haben oder nicht? Ob er mich schlägt oder nicht? Ob andere meine Beziehung gesund finden oder nicht?

Auf die Gefahr hin in eine Philosophie-Diskussion abzudriften: Was ist denn unser Lebenssinn? Und welche sind unsere moralischen Schranken?
Ich sehe meinen persönlichen Lebenssinn darin, Glück zu erfahren und andere Menschen glücklich zu machen. Mein eigenes Glück kann ich gut selbst abfragen (s.o.), das meiner Mitmenschen durch die schlichte Frage, ob sie glücklich sind oder ich sie glücklich amchen kann. Meine moralischen Schranken sind dabei zwar viele, aber herunter brechen lassen sie sich auf den kategorischen Imperativ.

Um nochmal den Bogen zu schlagen: Diese Einstellung zum Leben empfinde ich als (klinisch) gesund und meine Neigungen lassen sich wunderbar damit vereinen.
Das heisst für mich, dass ich nicht krank bin.

P.s.: Das gilt ausschließlich für mich. Generell kann BDSM natürlich ein Anzeichen oä für eine Krankheit sein. Aber das muss eben jeder für sich entscheiden.
Dein Wille ist Gesetz,
deine Worte Religion.
Deine Wünsche sind Befehle
und ich eile schon.

lncontuyr
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Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von lncontuyr »

Ich werde morgen bzw. heute auf Ryugin's und Kaoru's Nachricht antworten^^

Berenike
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Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von Berenike »

Ich steige mal in die Diskussion ein - als eine von denen, die auch nicht so richtig glücklich sind mit der Sache. Ich fürchte, ich kann hier nur für mich sprechen und wenig objektiv, aber vielleicht bringt es ja irgendwas. Generell finde ich BDSM nicht verwerflich, bedenklich etc., eben weil es zwischen Menschen stattfindet, die sich dazu freiwillig zusammenfinden. Jeder nach seinem Geschmack :)

Mir persönlich geht es aber eher so, wie Incontuyr es seinem Eingangspost beschrieben hat:
lncontuyr hat geschrieben: Genau das bereitet mir so große Probleme...Ich soll sämtliche Bedenken, Moralansichten und persönliche Überzeugungen über den Haufen werfen? Einfach so? Mein unwohles Gefühl mit Ignoranz "sänftigen"? Ich kann das einfach nicht...ich würde ja nichts sagen wenn ich wenigstens ETWAS finden könnte, für mich selbst, dass ich daran als "gesund" was die Psyche angeht ansehen kann, aber da finde ich einfach nichts.
Natürlich ist mir der Unterschied zwischen Fantasie, Session und Realität klar, aber wenn ich z.B. lese, dass ein Mensch misshandelt, gefoltert wird (fiktional oder nicht), dann reagiert meine Moral, mein Gewissen einwandfrei mit Empörung und gleichzeitig macht es mich an. Das empfinde ich schon irgendwie als "krank"/ungut und ich schäme mich dafür. Warum finde ich das nicht auf allen Ebenen eklig und verachtenswürdig?

Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege, ob es das ist, was dich umtreibt, Incontuyr, aber das ist ein Aspekt, der mir in der ganzen "was ist krank / gesund oder normal"-Diskussion gefehlt hat. Und ich frage mich schon, ob das wirklich gut für mich ist, wenn ich mit dem Ausleben bediene, was auch immer in mir danach verlangt.

Wenn das jetzt irgendwie total sinnfrei erschreint, einfach ignorieren :wink:

Kaoru
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Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von Kaoru »

Berenike hat geschrieben: Natürlich ist mir der Unterschied zwischen Fantasie, Session und Realität klar, aber wenn ich z.B. lese, dass ein Mensch misshandelt, gefoltert wird (fiktional oder nicht), dann reagiert meine Moral, mein Gewissen einwandfrei mit Empörung und gleichzeitig macht es mich an. Das empfinde ich schon irgendwie als "krank"/ungut und ich schäme mich dafür. Warum finde ich das nicht auf allen Ebenen eklig und verachtenswürdig?

Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege, ob es das ist, was dich umtreibt, Incontuyr, aber das ist ein Aspekt, der mir in der ganzen "was ist krank / gesund oder normal"-Diskussion gefehlt hat. Und ich frage mich schon, ob das wirklich gut für mich ist, wenn ich mit dem Ausleben bediene, was auch immer in mir danach verlangt.
Den Punkt verstehe ich nur zu gut, ich kenne ihn selbst. Und obwohl ich mit meinen Neigungen im Reinen bin, habe ich diese Momente auch immer wieder.
Ich glaube es ist normal, dass wir Menschen mit unterschiedlichen Gefühlsregungen gleichzeitig reagieren können. Wenn ein Kind auf der Straße hinfällt, muss man vlt doch lachen und geht trotzdem hin um zu helfen. Das sind ja eigtl auch zwei widersprüchliche Emotionen, bei denen wir aber gelernt haben, dass sie nebeneinander existieren können.
Bei mir geht es mit BDSM genauso, nur brauche ich manchmal etwas Anlauf um zu erkennen, dass es zwei Ebenen sind. Ich lese etwas grausames und empöre mich. Dann kommt der Gedanke, es könnte ja schon interessant sein... und ich muss dann verstehen, dass ich nicht geil finde, was diesem Menschen passiert ist, sondern dass ich es evtl geil fände, wenn mir einvernehmlich sowas passieren würde.

Ich sehe kein Problem darin, dass es der gleiche Gegenstand ist, der den einen (das wahr Opfer) schwer schädigt, dem anderen (mir) Freude bereiten kann. Schließlich kommt es immer auf Lebensumstände, Situation und Vorlieben an, ob einem etwas schadet oder nutzt. [Beispiel: Schenk meiner Mutter eine Melone und sie freut sich riesig, schenk mir eine und ich verzieh das Gesicht. Ist vlt banal, aber so funktioniert es nunmal]
Dein Wille ist Gesetz,
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lncontuyr
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Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von lncontuyr »

Du versuchst logisch an die Sache heran zu gehen, lässt aber einige Aspekte aus.
Du gehst davon aus, dass es einen "gesunden Normalzustand" gibt, dass es "krankhafte Abweichungen" gitb und evtl daraus kranke Neigungen entstehen können oder?
Sozusagen...ja, davon gehe ich wohl aus.
So weit mag das stimmen, aber die interessante und wichtige Frage ist doch, was der "gesunde Normalzustand" ist. Darauf ging aiko auch schon ein.
Ist es Rein-Raus unter der Bettdecke? Ja, dann sind wir alle krank.
Oder ist es Spaß miteinander ohne Spuren (physisch und psychisch)? Dann sind hier einige krank, andere nicht.
Oder ist der Normalzustand, dass alle wissentlich und willentlich mitmachen? Dann dürften hier die allerwenigsten krank sein.
Das mag so wie du es sagst auch vollkommen richtig sein, aber das was du geschrieben hast geht viel mehr darauf ein dass es richtig ist wenn es beide wollen, mein Problem ist aber nicht DASS, sondern WAS beide wollen, und vor allem: warum. Wie ich es bereits geschrieben habe: Ich selbst habe auch einen Fußfetisch, aber ist das jetzt ein Problem für mich? Nein...wieso sollte es auch? Sicherlich ist ein Fußfetisch nicht "normal" (MEINE Definition des Wortes normal steht übrigens ein bisschen weiter oben, was glaube ich immer noch nicht so ganz durchgedrungen ist), aber für mich eben nichts schlimmes...

Wirklich nicht böse gemeint, aber mal ernsthaft: rede ihr euch das nur ein? Seht ihr denn wirklich nicht was mein Problem daran sein könne GESCHLAGEN werden zu wollen? GEDEMÜTIGT zu werden? Habt ihr schon immer so gedacht oder ist das bei euch das gleiche wie mit den Leuten aus dem Forum die mir gesagt haben "Hör auf dir einen Kopf zu machen" und dann erst im Nachhinein zugegeben haben dass sie mich voll und ganz verstehen, aber einfach damit aufgehört haben sich Gedanken darüber zu machen? Es ist für mich einfach nicht dieselbe Kategorie wie meinetwegen ein Fußfetisch... Wir sprechen hier darüber Gefallen an Praktiken zu finden, mit denen man sich freiwillig Situationen aussetzt die einem wehtun. Wer sagt mir denn dass die Neigung nicht eine ..."sexuelle Form" von SVV ist?

Ich definiere alle meine Wünsche (egal ob sexueller oder anderer Natur) als "gesund", wenn sie mich glücklich machen. Ich träume von Schokoladenkuchen und freue mich drauf? Super, gesund. Ich träume gerne davon verhauen zu werden und kann dabei grinsen? Super, gesund.
Und da ist bei mir das Problem: Ich bin einfach zu sehr Kopfmensch als dass ich sage "Ich wünsche es mir - passt - ist okay", ich Frage mich viel mehr warum ich mir Dinge wünsche die Menschen wehtun, die man in Situationen von Misshandlungen findet, warum ich mich Menschen mit Sadistischen Neigungen aussetzen würde die Gefallen daran finden andere zu unterdrücken oder sie zu quälen...Menschen, von denen manche sicherlich zu Jugendzeiten bevor BDSM für sie ein Begriff war Spaß daran hatten andere zu mobben, oder zumindest welche waren, die mitgemacht haben wenn sich die möglichkeit gegeben hat.

Es ist doch hier an der Stelle viel mehr die Frage ob die Neigung den Wunsch nicht beeinflusst (okay...hört sich jetzt stumpf an weil es natürlich so ist, ich meine das jetzt anders) und es ohne gehen würde, als die, ob der Wunsch nach etwas die Sache automatisch rechtfertigt. Ein Mensch mit einem Waschzwang WILL sich waschen, er WÜNSCHT sich dass er sich die Hände immer dann waschen kann wenn er es möchte, aber will dieser Mensch das wirklich, oder kann er aufgrund der KRANKHEIT, des Zwangs einfach nicht anders....Der Wunsch sich extrem zu waschen ist auch da, jeder Mensch mit einem Waschzwang wird dir sagen dass er sich jedes mal nachdem er sich gewaschen hat besser fühlt, dieser Mensch MÖCHTE sich waschen, aber sicherlich nicht aus "eigenem" Willen heraus, die Krankheit überlagert bei ihm halt einfach das "normale" Denken und genau so fühle ich mich mit meiner Neigung.
Kann ich verstehen, kann ich sogar sehr gut verstehen.
Mir hilft nur, mich immer wieder zu fragen "Bin ich glücklich?".
Würde ich meine Beziehung immer wieder so führen? Fühle ich mich wohl? Habe ich das, was ich haben will und brauche?
Wenn ich all das mit einem klaren "Ja" beantworten kann, was macht es dann für einen Unterschied, ob er meinen Tagesablauf bestimmt oder ich? Ob wir Sex im Bett haben oder nicht? Ob er mich schlägt oder nicht? Ob andere meine Beziehung gesund finden oder nicht?
Es würde auf mich (persönlich, also für mich) aber eher wie eine Art "Zweckgemeinschaft" wirken als eine wirkliche Beziehung. Ich weiß nicht, aber für mich würde da die Nähe fehlen, ich würde mich dadurch viel zu weit distanziert fühlen und hätte das Gefühl dass nur noch die jeweiligen Rollen die man sich aufgebaut hat im Vordergrund stehen, aber nicht mehr der tatsächliche Mensch der dahinter steht.

Zum thema leidensdruck das viele beim Punkt "wann ist es krank" ansprechen muss ich sagen dass dieses ungute Gefühl im Bauch was ich schon erwähnt habe wirklich mit einer Art "Druck" zu vergleichen ist...nur weiss ich nicht ob das ein Druck ist den ich mir selbst mache weil ich nichts mit mir anzufangen weiss, oder ob es tatsächlich ein leidensdruck ist, was ja dann unter die kategorie krank fallen würde...


Ich glaube wenn ich ein bisschen was von mir und meinem Charakter erzähle sind einige Bedenken die ich habe vielleicht doch nachvollziehbarer:

Wie ich es schon gesagt habe gibt bzw gab es in meinem Leben oft Situationen in denen ich machtlos war, damit war die Erziehung meiner Mutter gemeint. Ich bin ein Trennungskind, habe damals mit 2 Jahren die Trennung meiner Eltern und jeden Streit den sie hatten voll mitgekriegt, und hatte bereits in dem Alter die ersten male mit Psychologen zutun, weil ich meinen Kopf oft so lange gegen die Wand geschlagen und gerieben habe bis sie danach ganz rot war. Einer der großen Gründe weshalb es zu dieser Scheidung kam war, dass meine Mutter auch einen Zwang hat- einen pathologischen Kontrollzwang. Sie war dadurch schon immer in ihrer Familie das schwarze Schaf weil sie sich alles verbockt hat, in der Familie meines Vaters wird heute noch über sie geschimpft, und Freundschaften mit ihren neuen "besten Freundinnen" halten nie länger als ein paar Wochen bevor auch die die Nase von ihr voll haben. Ich war schon immer einer der wenigen die meine Mutter hatte, der einzige Freund, Ansprechparter usw.

Meine Mutter hat mich ab dem Zeitpunkt der Geburt mit dem Kontrollzwang erzogen. Ich hatte immer mit ihren Erwachsenen Bekannten und/oder Freunden, nie aber mit gleichaltrigen zutun, und ich wurde regelrecht zuhause "eingesperrt", wenn man das so nennen kann. Sicher...ich habe mir dadurch bereits sehr früh ein gutes Vokabular angeeignet, man konnte sich als ich 3 war bereits richtig mit mir unterhalten usw., aber ob es das Wert war weiß ich nicht. Jedenfalls verstrichen die Jahre, es gab keinen einzigen Tag an dem ich nicht eng an meine Mutter gebunden war und sie war schon immer meine einzige "Freundin".

Als ich dann in die Schule kam habe ich vieles nicht verstanden...jedes mal wenn ich von Klassenkameraden gefragt wurde ob ich...meinetwegen ins Schwimmbad radeln möchte mit ihnen musste ich nein sagen, weil das meine Mutter nie im Leben erlaubt hätte. Ich habe es einfach nicht verstanden wieso die das alles durften, wieso sie alleine raus durften um zu spielen. Es hat nicht lange gedauert bis ich genau aus diesem Grund verarscht wurde... habe ich die Lehrerin gefragt ob ich auf die Toilette gehen darf hat jeder laut zum Lachen angefangen und gerufen "musst du Mami da nicht auch erst um erlaubnis fragen? hahaha". Natürlich habe ich meine Mutter mehrmals darauf angesprochen, habe sie gefragt warum das so ist, warum die Eltern von ihnen kein problem damit haben und warum mich die anderen Kinder so verarschen, und JEDES mal hat sie mir Hass eingeredet. "Die sind nur neidisch weil wir beide so ein gutes Verhältnis haben! die eltern von ihnen interessieren sich halt nicht für ihre Kinder und schicken sie deshalb alleine raus zum spielen!" und so weiter...

Mir wurde erst sehr spät bewusst was meine Mutter eigentlich alles falsch gemacht hat bei der Erziehung, weil ein normales Kind war ich nie...ich hatte nie eine wirkliche Kindheit.

Es kam noch zu viel viel mehr Dingen die für mich auch eine Verbindung zum Thema BDSM darstellen, aber das wäre jetzt zu weit ausgeholt.

Jedenfalls hat sich bei mir über die Jahre hinweg ein ziemlich verkorkster Charakter entwickelt. Dadurch dass ich nie Freunde hatte und immer der Aussenseiter war, war ich zufrieden sobald ich wenigstens positiven Kontakt zu jemandem hatte. Ich habe angefangen alles zu teilen, habe viel verschenkt, anderen geholfen wo ich nur konnte- und und und, weil ich gemerkt habe dass es sie glücklich macht, weil ich dadurch das Gefühl hatte zu etwas zu gebrauchen zu sein.

Ich habe dadurch relativ schnell "Freunde" gefunden, aber auch nur um festzustellen dass ich durch diesen Charakter auch genauso schnell wieder von ihnen ausgenutzt und verarscht wurde, wirkliche Freundschaften gab es bei mir noch nicht, aber das wollte ich mir nicht eingestehen. Jeder hat von mir eine zweite, dritte, vierte- ja sogar fünfte Chance gekriegt. Ich habe mir selbst eingeredet dass sie meine Freunde sind, und je mehr ich mir das eingeredet habe, desto mehr wurde ich auch wieder verletzt wenn ich wiedermal nur ausgenutzt wurde.

Heute ist es so dass ich nie etwas zu sagen habe- bzw. mich nichtmal wohlfühle wenn das der Fall ist...ich richte mich bei allem nach anderen und bin glücklich damit. Wenn geplant wird etwas mit Bekannten zu unternehmen bin ich zufrieden sobald einer ihrer Vorschläge gemacht wir. Ich helfe anderen wo ich nur kann, opfere mich teils sogar selbst für sie auf, hasse es im Gegenzug aber über alles wenn mir ein Gefallen getan wird, ich könnte da regelrecht sauer werden.

Wenn es jetzt bei Bekannten und Freunden schon so ist, wie soll es dann mal sein wenn ich mit meiner Neigung auf eine Beziehung eingehe? Wie soll es denn, wenn es jetzt "nur" bei Freunden und Bekannten schon so ist, mal bei einem Menschen sein in den ich mich wirklich verliebt habe? Ich habe einfach Angst davor dass ich mich durch meinen Charakter und durch meine Neigung (von der ich eben u.a. glaube dass sie ganz einfach aus meinem Charakter entspringt) in mir selbst verliere, mich komplett aufopfere und mich nur noch nach einem Partner richtge- mich quasi in einer solchen "Zweckgemeinschaft" auffinden würde. Mir würde da einfach die Nähe fehlen...

Sicher mögen jetzt einige sagen "dann lass BDSM halt einfach weg", aber ich glaube wenn eine Neigung auch nur ansatzweise stark da ist kann man das nicht so einfach weglassen.

Mir fällt immer wieder ein Spruch ein den eine alte Direktoren von mir zu meiner Mutter über eine Mobbing-Situation in die ich geraten bin mal gesagt hat:

"Opfer werden immer Opfer bleiben - wenn ich die Mobber von der Schule schmeiße dauert es nicht lange bis ein nächster genau da weitermacht mit ihm, wo die anderen aufgehört haben"

Ich weiß nicht ob das jetzt hilfreich- oder überhaupt angebracht war etwas so persönliches hier zu posten, aber vielleicht könnt ihr dadurch ja ein bisschen in meinen Kopf sehen und erkennt was eines der vielen Probleme die ich mit BDSM habe ist.

Lowl3v3l
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Beiträge: 43
Registriert: 23. Mär 2012 16:33

Re: Ist das wirklich nicht krank?

Beitrag von Lowl3v3l »

>Wirklich nicht böse gemeint, aber mal ernsthaft: rede ihr euch das nur ein? Seht ihr denn wirklich nicht was mein Problem daran sein könne GESCHLAGEN werden zu wollen? >GEDEMÜTIGT zu werden? Habt ihr schon immer so gedacht oder ist das bei euch das gleiche wie mit den Leuten aus dem Forum die mir gesagt haben "Hör auf dir einen Kopf zu >machen" und dann erst im Nachhinein zugegeben haben dass sie mich voll und ganz verstehen, aber einfach damit aufgehört haben sich Gedanken darüber zu machen? Es ist >für mich einfach nicht dieselbe Kategorie wie meinetwegen ein Fußfetisch... Wir sprechen hier darüber Gefallen an Praktiken zu finden, mit denen man sich freiwillig >Situationen aussetzt die einem wehtun. Wer sagt mir denn dass die Neigung nicht eine ..."sexuelle Form" von SVV ist?


Deine Logik ist ziemlich kaputt. genauso kannst du sex ablehnen weil es so ähnlich ist wie ne vergewaltigung xD
Wer sagt dir das? beispielsweise die Psychologie, warum das nicht als störung durchgeht hab ich schon weiter oben klargemacht^^


>Es würde auf mich (persönlich, also für mich) aber eher wie eine Art "Zweckgemeinschaft" wirken als eine wirkliche Beziehung. Ich weiß nicht, aber für mich würde da die >Nähe fehlen, ich würde mich dadurch viel zu weit distanziert fühlen und hätte das Gefühl dass nur noch die jeweiligen Rollen die man sich aufgebaut hat im Vordergrund >stehen, aber nicht mehr der tatsächliche Mensch der dahinter steht.

Ja du würdest. Schön, andere sehen das eben anders.


>Zum thema leidensdruck das viele beim Punkt "wann ist es krank" ansprechen muss ich sagen dass dieses ungute Gefühl im Bauch was ich schon erwähnt habe wirklich mit >einer Art "Druck" zu vergleichen ist...nur weiss ich nicht ob das ein Druck ist den ich mir selbst mache weil ich nichts mit mir anzufangen weiss, oder ob es tatsächlich ein >leidensdruck ist, was ja dann unter die kategorie krank fallen würde...

Wenn du nen Leidensdruck hast ist erstmal nicht BDSM per se krank oder "gestört". Sondern du hast ne Störung, das kann auch ein Problem mit deinem selbstwertgefühl oder sonstwas sein.

>Ich weiß nicht ob das jetzt hilfreich- oder überhaupt angebracht war etwas so persönliches hier zu posten, aber vielleicht könnt ihr dadurch ja ein bisschen in meinen Kopf >sehen und erkennt was eines der vielen Probleme die ich mit BDSM habe ist.

Dein einziges Problem ist, dass du mit beliebigen Argumenten nicht umzustimmen bist weil du dich in deiner Postition wohl fühlst ;)

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