Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

Moderatoren: Kuscheltier, Seelenoede

Cory
Zaungast
Beiträge: 10
Registriert: 14. Okt 2011 01:37

Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von Cory »

Hallo,

ich bin schon länger ein stiller Mitleser, heute möchte ich euch aber auch einmal um Rat bitten.
Zu meiner Person: Ich bin weiblich, 20 Jahre jung, und bin mir meiner Neigung, devot zu sein, schon seit Sandkastentagen bewusst - bzw. war es mir damals zumindest sinngemäß klar. Meine erste sexuell beglückende Beziehung hatte ich mit 15-17. Meinem damaligen Freund und mir war nicht (!) bewusst, dass wir im Bett - und nicht nur dort - Dinge taten, die in Richtung S/M gingen, es war einfach unser "Ding", und es war unglaublich schön. Im Nachhinein verstehe ich auch einen aufwühlenden Abend, wird wohl mein erster Absturz gewesen sein. Nach dieser Beziehung und einigen kurzen, sexuell unbefriedigenden, Liebeleien habe ich begonnen, mich über S/M schlau zu machen, um mir darüber klar zu werden, ob meine Gedanken und Gefühle wirklich etwas damit zu tun haben.

Ja, haben sie, ich bin devot, ich verspüre einen tiefen Wunsch danach, gedemütigt zu werden.
Vor einem Jahr habe ich mich verliebt, alles war super, sogar der Sex war recht schön, bis ich mich dann irgendwann getraut habe, ihm zu sagen, dass ich gerne groben Sex ausprobieren möchte. Er konnte sich nicht so recht etwas darunter vorstellen, und ich war mir auch nicht so ganz sicher, also haben wir einfach mal so Sachen wie Schläge, Haare ziehen, Zwicken, Würgen, er lässt mich darum betteln, ihn zB zu küssen, etc ausprobiert. Ihm hats gefallen, mir hats gefallen, nur wurde es mit der Zeit langweilig, es war immer dasselbe.
Obwohl wir in dieser Zeit sehr offen darüber reden konnten, kam ich im August auf die Schnapsidee, ein online Inserat zu stellen, ich würde einen Online Dom suchen. Meinem Freund habe ich die Sache nach wenigen Tagen des E-Mail Kontakts mit meinem Dom gebeichtet, den Kontakt abgebrochen. Mein Freund war selbstverständlich stink sauer, aber auch überrascht, dass ich mir soetwas wünsche, er meinte, wir könnten das zusammen machen, ich war überglücklich.
Nach, oder während, eines Steits, er war noch wütend wegen meines Inserats, wollte er, dass ich mich ausziehe, breitbeinig dastehe, den Oberkörper zum Boden gebeugt, er hat geraucht , ich durfte nicht (ich bin Kettenraucherin), musste ne gute Stunde in der Position verweilen, dann hat er mich mit Wasser beschüttet und mit einem Stock geschlagen, dabei viel geredet - es war die pure Erlösung für mich, als hätte er mir alle Last, die mir nicht bewusst war, von den Schultern genommen, es war wie ein erster, tiefer Atemzug, einfach großartig. Dann kam er, schlief sofort ein, und ich war traurig und fühlte mich verloren. Am nächsten Tag behandelte er mich wie eine Prinzessin, sagte mir, dass ihm vergangene Nacht sehr gut gefallen hätte, und mir gings auch wieder besser.

Kurz darauf haben wir uns getrennt, tut aber nichts zur Sache, wir wollen es wieder versuchen, gehen es langsam an.
Nach der Trennung war ich bei einem Psychotherapeuten, weil mein Drang nach Demütigung so groß war, und ich angefangen habe, mich ein wenig dafür zu verachten, ich wollte normalen Blümchensex haben können, ohne es doof zu finden. Der Therapeut meinte, dagegen könne man nichts tun, das wäre, als ob man einen Homosexuellen "kurieren" wolle.

Aber ich WILL nicht so sein! Es bringt doch nur Probleme mit sich...

Ich fühle mich oft unfrei, und von dem Gedanken beherrscht - wie soll ich ein selbstständiges, freies Leben führen, wenn ich aber doch auch irgendwie von jemandem beherrscht werden möchte?
Wie soll ich eine starke, selbstbewusste Persönlichkeit bleiben/sein, im sexuellen Sinne dann aber abhängig von jemandem? Wo ich es doch schon erregend finde, wenn mich mein Parnter darum bittet, ihm einen Kaffee zu machen?
Ich hatte in dieser beschriebenen wundervollen Nacht keinen Orgasmus, das war mehr etwas gefühlstechnisches oder geistiges - wie sollte ich je wieder einen Orgasmus bekommen, wenn mich weniger eine intime Berührung, sondern für ihn Kaffee machen müssen wirklich erregt?
Wie kann es ein rein sexuelles Spiel bleiben, wenn mir Kaffee machen so ein erregendes, befreiendes Gefühl verleiht?
Masturbation mit Höhepunkt gibt es bereits einfach nicht mehr, ohne dabei zumindest eine masochistische Phantasie zu haben.
Wie eine 24/7 Beziehung führen, ohne sich dabei komplett selbst aufzugeben, ohne dem Partner die ganze Macht über das eigene Leben in die Hände zu legen, wie es geheim halten, sich selbst behaupten können?
'Muss' die Demütigung immer weiter gesteigert werden, um so ein Gefühl wie in genannter Nacht zu haben?
Was, wenn mein Partner mal einfach nur kuscheln oder einen Kaffee (^^) möchte, ohne etwas sexuelles dabei zu empfinden, ich mir aber wünsche, schlecht behandelt zu werden? Herrscht da nicht ein ständiges Ungleichgewicht? Erst recht, wenn es eben kein 24/7 Ding ist?

Ich bin dazu bereit, meine Neigung zu akzeptieren, alles in mir schreit danach, aber ich bin eben doch ein sehr kopflastiger Mensch, derzeit herrscht das reine Ungleichgewicht in mir.
Ich hoffe, ihr könnt meine Fragen beantworten, das wäre mir eine große Hilfe, mich mir selbst hingeben zu können.

Liebe Grüße,
Cory

LostS0Ul
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 44
Registriert: 7. Okt 2011 15:40

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von LostS0Ul »

Herzlich willkommen im Forum cory,
:
Erstmal bleib cool, du bist ganz sicher nicht "krank"... wie schon in einigen threads in letzter zeit
Erwähnt *nicht weiss wie man en Link macht* kann man sehr gut devot sein und dennoch
ein selbstbewusstes und selbstständiges leben führen.

Meine sub z.b hat beruflich eine leitende Position und führt Menschen. Es liegt bei dir
ob du dass devote 24/7 leben möchtest oder einfach nur spielen willst. Und zu deiner
frage (sinngemäß) ob sich dass immer weiter steigern muss...

Auch dabei heisst es ja und nein, es liegt bei dir. Ich denke für den Anfang solltest du
Zeitlich begrenzt spielen, wenn dir dass mal zuwenig wird kannst du es ja ausweiten.
und deine masturbations-problem (wenn ichs richtig verstanden habe) liegen bestimmt
zum größten teil am "nicht fallenlassen können).

Werde dir über dich und deine Gefühle klar, komm mit dir ins reine und verteufel dich
Nicht für etwas dass du nicht ändern kannst. So klappts dann auch wieder...

Und schau dich im Forum um, du bist nicht alleine ;-)
Wenn du wüsstest wo ich war, und was ich gesehen habe... (STALKER TEIL I)

SevenSins
Forenstute
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Registriert: 2. Apr 2005 00:00

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von SevenSins »

Hi cory,

erstmal willkommen in der SMJG :)

Man möchte dich ja fast erstmal fest drücken und sagen: Alles wird gut.

Denn es geht. Wirklich.

Meiner Erfahrung nach muss es nicht immer gesteigert werden, nein. Anfangs gibt es ein "Höher, Weiter, Schneller", das dann aber bald eingetauscht wird gegen Intensität. Dazu gibt es hier auch einen sehr schönen Thread: Früher wart ihr härter
Darin antworten in erster Linie genau solche Frauen, die den von dir erwarteten Widerspruch leben: Starke, intelligente, tolle Frauen, die aber dennoch Erfüllung darin finden mit ihrem Partner in 24/7 oder TPE zu leben.

Zum Thema Souveräne, selbständige Partnerin und TPE gibts dann diesen Thread

Und auch du wirst nach und nach etwas zur Ruhe kommen. Dein Kopf beherrscht dich gerade noch ziemlich. Einerseits durch die Ängste, andererseits auch durch deine Phantasien und deine Erregung. Dein Kopf kocht gerade alles noch etwas heißes als es nachher gegessen wird.

Ich poste dir hier gerade immer wieder bereits bestehende Threads, da ich es am Sinnvollsten finde wenn du dich einfach mal mit Frauen unterhälst, die genau das leben was dich gerade so erschreckt. Komm als einfach mal in den Channel, red mit anderen Leute, frag nach wie sie leben, find raus wie sie ihr Dilemma gehandhabt haben.
Wenn zwei Menschen sich treffen, einander gut tun wie verrückt, hinterher nicht mehr durch die Tür passen vor Grinsen - who cares about the fucking definition?

aiko
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Beiträge: 610
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Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von aiko »

Hallo cory,

auch von mir erstmal eins:
Mach dir keine Sorgen, das wird schon das kann alles klappen.

Ich selbst lebe Tpe mit meinem Herren und ich würde mich wie die meisten anderen 24/7 Subs als durchaus eigenständigen und starken Menschen bezeichnen.
Der "Trick" dabei ist eigentlich ganz einfach, du unterwirfst dich einier einizgen Person. Das bedeutet im Klartext, dass deine Unterwerfung mit allen anderen Personen in deinem Umfeld eigentlich nichts zu tun hat. Du kannst dich ihnen gegenüber genauso verhalten als ob du mit der ganzen Sache nichts zu tun hast :-)
Der zweite "Trick" ist, dass du deine Meinung ja trotzdem behalten kannst, auch wenn du dich dann einem anderen Menschen unterwirfst. ich habe zum Beispiel zu jedem wichtigen Thema eine Meinung, auch wenn ich dann letztendlich dagegen handle, nämlich nach der Meninung meines Herren.

Alles in allem gibt es meiner Meinung nach keinen Grund nicht gleichzeitig ein deovotes (24/7) Sub und ein starker und selbstsicherer Mensch sein :-)

Ich hoffe das hat dir jetzt ein wenig geholfen, das gleiche dürfte auch in den verlinkten Threads stehen.

Wenn du noch Fragen hast oder dich unterhalten willst kannst du dich auch gerne bei mir melden :-)

lg aiko

DeanOfDoom
Zaungast
Beiträge: 13
Registriert: 10. Okt 2011 17:06

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von DeanOfDoom »

Cory hat geschrieben:Wo ich es doch schon erregend finde, wenn mich mein Parnter darum bittet, ihm einen Kaffee zu machen?
Ich hatte in dieser beschriebenen wundervollen Nacht keinen Orgasmus, das war mehr etwas gefühlstechnisches oder geistiges - wie sollte ich je wieder einen Orgasmus bekommen, wenn mich weniger eine intime Berührung, sondern für ihn Kaffee machen müssen wirklich erregt?
Wie kann es ein rein sexuelles Spiel bleiben, wenn mir Kaffee machen so ein erregendes, befreiendes Gefühl verleiht?
der kaffee hat es dir echt angetan :D
aber mal spaß bei seite:
ich kann dich gut verstehen und weiß genau was du meinst, denn genau wie du bin ich schon im kinderalter mit meiner devoten ader vertraut geworden und genau we du bin ich mit ihr aufgewachsen (bzw. sie ist mit mir gewachsen). du sagst das mastubation dich nicht zum höhepunkt treibt, wenn du dabei keine sm-fantasien hast. wie sieht es denn mit den menschen ohne sm-neigungen aus? die haben fantasien über die sachen die denen am besten gefallen und würden zu sm-fantasien keinen höhepunkt bekommen. im grunde ist das also keine verwunderliche reaktion deines körpers. die "tricks" von denen mein vorposter spricht fand ich auch recht nützlich, die solltest du auf jeden fall mal im hinterkopf behalten! nun zu deinen bedenken mit der eigenständigkeit:
nur weil du dich deinem freund unterwirfst und es dir spaß macht, heißt das nicht du keine eigenständige person sein kannst! wie ist es denn in den zeiten, in denen du single warst? da hattest du keinen herren der dir jeden tag vorbetet was du zu tun hast und du hast trozdem eigenständig dein leben geführt.
ich weiß, das anfangs einige bedenken aufkommen können und das es oftmal nicht leicht ist, über seinen schatten zu springen und einfach mal daran zu glauben, das man mehr kann als man sich selbst zu trauen möchte, aber ich bin mir sicher das du genau das kannst!
Du musst es dir selbst nur zu trauen, dich selbst verstehen, dich selbst akzeptieren.
wie einer meiner vorposter schon sagte: "du bist nicht allein" und "du bist nicht abnormal oder krank"

forste dich einfach mal weiter durchs forum, ich bin mir sicher das du noch einiges an anregendem material finden wirst.
und falls du mit jemandem reden willst, darfst du mich gern anschreiben ;)

so, genug geredet. ich geh mir jetzt mal einen kaffee machen ;)
i do what you want:
your wishes are my dictates,
your orders are strong,
i am your submissive slave!
down on my knees:
under your feet,
'cos "down on my knees"
is what i need!

Cory
Zaungast
Beiträge: 10
Registriert: 14. Okt 2011 01:37

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von Cory »

Hallo,

Vielen Dank für eure nette Aufnahme und Antworten, sowohl hier im Thread als auch im Chat.
Auch interessant und hilfreich war folgende Seite: http://www.schlagartig.at/Kapaki/eine/gatakimou.html
Hier beschreibt eine Frau ihre ersten Erfahrungen und ihren Umgang mit ihrer Neigung - sie mags übrigens auch, ihrem Partner Kaffee zu machen; ).

Gestern, während meines ersten Besuchs im Chat, hat mich mein Ex-Freund angerufen, er war alles andere als begeistert davon, zu hören, dass ich in "soeinem" Chat bin. Nach einigen Erklärungsversuchen, dass ich im Chat nicht das suche, was ich bei meinem online Inserat vor zwei Monaten gesucht habe, meinte er, ich solle ihm doch bitte aufschreiben, was ich will und fühle, bezüglich meiner devoten Neigung. Und, kaum zu glauben, auch das hat mir sehr geholfen, einfach mal ohne Ängste alles niederzuschreiben, was ich will, und dabei nur an mich zu denken. Kann ich nur weiterempfehlen!: )

Es ist schön, zu wissen, dass die meisten meiner Befürchtungen praktisch unbegründet sind, oder mich sogar zum schmunzeln bringen, legt man sie auf normale Beziehungs und Sex Problemchen um.

Was mich noch interessieren würde, kennt ihr Blogs, in denen das Leben mit S/M, D/S erläutert wird?

Liebe Grüße,
Cory

SevenSins
Forenstute
Beiträge: 1924
Registriert: 2. Apr 2005 00:00

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von SevenSins »

Es gibt einige Blogs, das Problem ist natürlich, dass nicht alle u18 geeignet sind und deshalb hier nicht verlinkt werden können, aber einige Blogs von SMJGlern:

Hochseiltänzerin

Jade verlinkt ihren Blog im Profil

Samya verlinkt dort einen Blog zum Thema

Auf der SMJG HP gibts einzelne Erfahrungsberichte

Vielleicht interessieren dich auch die hier vorgestellten Bücher

Und: Schön, dass dir der Chat gestern weitergeholfen hat :)
Wenn zwei Menschen sich treffen, einander gut tun wie verrückt, hinterher nicht mehr durch die Tür passen vor Grinsen - who cares about the fucking definition?

Metal666
Zaungast
Beiträge: 7
Registriert: 20. Okt 2011 23:55

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von Metal666 »

Grüß dich,

wie viele schon erwähnt haben, mit dir ist alles in Ordnung ;) Das mal vorneweg.

Wenn du der Meinung bist das 24/7 nichts für dich ist (so hab ich das jetzt mal rausgelesen, kann natürlich sein das ich mich irre^^), du aber trotzdem oft von deiner sexualität bzw. devotheit übermannt wirst, hier mein Vorschlag hierzu:

Erstmal akzeptieren das es ein Teil von dir ist, und das ist auch gut so. Distanzieren könntest du es für dich selbst wenn du dir z.B. ein Halsband o.ä. zulegst und beim Tragen dessen deine Devotheit total auslassen kannst. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht, da es einfach ein eindeutiges Zeichen, für den gegenüber und für dich selbst ist.
"Spielzeit" und eben "nicht Spielzeit"

Kommt natürlich immer auf die Person an, glaube da könnte man lange philosophieren. Letztendlich wird jeder den für sich richtigen Weg finden damit umzugehen bzw. es zu leben, hauptsache man bleibt sich selber treu und schätzt sich selbst =)

Liebe Grüße

Cory
Zaungast
Beiträge: 10
Registriert: 14. Okt 2011 01:37

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von Cory »

Hallo,

EIn Halsband ist eine wunderbare Idee. Ich habe noch gar nicht an die funktionelle Wirkung eines Halbsbandes gedacht - es wird hoffentlich bald eines besorgt: )

Danke für diese tolle Anregung!

Grüße,
Cory

Ryugin
Stammgast
Beiträge: 145
Registriert: 26. Jun 2011 16:53

Re: Devot aber voller Zweifel bezüglich S/M

Beitrag von Ryugin »

Hallo Cory,

dass du deine Neigung entdeckt hast und so intensiv fühlst, ist eigentlich eine ganz gute Sache. Da solltest du ruhig ein wenig Vertrauen in dich und in deine Gefühle haben.

Als ich das gelesen habe
Ja, haben sie, ich bin devot, ich verspüre einen tiefen Wunsch danach, gedemütigt zu werden.
da habe ich nur gedacht wow - jemand, der so einen tiefen Wunsch verspürt, das ist Lebendigkeit pur.

Dein Ungleichgewicht, das du verspürst, ist verständlich, aber es ist absolut in Ordnung, Mit dir ist nichts verkehrt oder falsch. Meiner bescheidenen Meinung nach besteht die Gefahr nicht darin, dass du an einem grundlegenden moralischen Defizit leidest, welches mit Lobotomie und Zwangsjacke therapiert werden müsste, oder dass deine Neigung dich in eine Position bringt, die deine persönliche Weiterentwicklung hin zu Authentizität, Freude und Selbstständigkeit grundlegend beeinträchtigt, sondern viel eher darin, dass du so sehr in deiner Position als Sub aufgehst, dass das für dich eine Art Sinnersatz wird. Das Leben hat so viele schöne Dinge zu bieten, dass man seine Erfüllung nicht nur in der Sexualität, sondern auch in den Beziehungen zu seinen Mitmenschen, in seinen Hobbies, in der Kunst, in der Beschäftigung mit einem interessanten Fachgebiet oder in einer verantwortungsvollen Aufgabe finden kann und sollte. Ich habe das Gefühl, dass es Leute gibt, die eine eigene Weltanschauung um ihr Sexualleben herum spinnen und sich vor allem darauf fixieren, da muss man es nicht übertreiben.

Was den Konflikt zwischen "starke und selbstbewusste Persönlichkeit" und zwischen "Dasein als Sub" anbelangt... Ich habe das Gefühl Selbstbewusstsein ist ein Begriff, den man in der heutigen Zeit gerne mit einer durchsetzungsfähigen, dominanten, dynamischen, positive Lockerheit ausstrahlenden Persönlichkeit in Verbindung bringt. Es ist natürlich nur mein Gefühl und muss nicht auf dich zutreffen, aber wenn ich darüber nachdenke, dann glaube ich, dass es durchaus eine gewisse Verbreitung hat. Praktisch jeder Motivationstrainer entspricht diesem Schema, keine Firma käme auf die Idee einen knuffigen väterliche Wärme ausstrahlenden Opa-Typ für ein Seminar zur persönlichen Weiterentwicklung anzustellen - außer er ist buddhistischer Mönch oder Pater Anselm.
Jedenfalls, dieses Bild, wenn es denn existiert, ist nicht ganz richtig. Wenn man mal die Gelegenheit gehabt hat in einem bestimmten Fachgebiet Leute kennenzulernen, die dort wirklich große und tolle Leistungen gebracht haben, dann sieht es wieder ganz anders aus. Solche Leute strahlen oft viel eher Ruhe, Gelassenheit und Freundlichkeit aus. (Falls du Ahnung von Fußball hast: Vergleich mal Jürgen Klinsmann und Jupp Heinckes! :D ) Sie haben es nicht nötig irgendjemanden irgendetwas zu beweisen, sie wissen, dass sie gut sind und dass sie es nicht nötig haben um die Anerkennung ihrer Mitmenschen zu buhlen oder irgendjemanden die eigene Überzeugung aufzuzwingen. Wenn ich versuche das auf dein Beispiel zu übertragen, dann sähe es so aus, dass du deinem Herrn dienst, ihn glücklich machst, dich in deiner Liebe für ihn schenkst. Und diese Anstrengungen und Selbstaufopferung, die du für ihn aufbringst, die musst du, das ist ganz wichtig, auch wertschätzen, als große Leistung und als große Aufgabe. In dieser Wertschätzung findest du deine Ruhe und Überzeugung und damit auch dein Selbstbewusstsein.

So, hoffentlich konnte ich dir mit meinen Gedanken weiterhelfen und ich hoffe wirklich, dass ich von dir noch mehr zum Lesen bekomme.

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