Drang nach Zwang und Erniedrigung?

Hier geht es um die ersten Male, Outing und sonstige Probleme

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Lunia
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Drang nach Zwang und Erniedrigung?

Beitrag von Lunia »

Hallo :)
ich weiß gar nicht so recht wie ich anfangen soll, da ich von kleinauf immer eine eher schüchterne Person war (jetzt auch nicht übertrieben schüchtern aber ich mach mir immer viel Gedanken wie andere denken, wie ich rüberkomme usw.), fällt es mir schwer darüber zu sprechen/schreiben, auch wenn ich hier ja eigentlich soweit Anonym bin. Ich mach mir viel Gedanken wie auf was reagiert wird, besonders bei diesem Thema, denn ich denke immer selbst auf so einer Plattform hier könnte ich "krank" wirken. Verzeiht darum wenn der Text vielleicht irgendwie durcheinander wirken könnte, ich denke es wird relativ viel Text.

Eigentlich hat es, denke ich, schon in ziemlich jungen Jahren angefangen. Ich weiß nicht wie alt ich genau war, aber ich denke unter 10 noch. Hab damals öfters mal fantasiert (besonders oft wenn ich nachts im Bett lag) dass eine Prinzessin entführt wird und in einem Kerker geworfen wird (wenn ihr den Film Aladdin kennt, besonders diesen Kerker wie er dort ist hatte ich oft im Kopf).
Oft wurde die Prinzessin dort gefesselt und entkleidet, einfach nur um sie zu erniedrigen, nichts weiter, ich hatte damals nicht ansatzweise sexuelle Fantasien. Soweit ich mich erinnern kann habe ich mir damals nicht vorgestellt selbst diese Prinzessin zu sein, sondern es waren einfach alles fiktive Personen in meinem Kopf. Trotzdem habe ich mich manchmal unter der Decke teilweise auch selbst ausgezogen um mich irgendwie in die Rolle dieser Person einzufühlen (keine Ahnung wie ich as genau beschreiben soll).
Das genaue Szenario variierte dann später auch mal, aber der Kern blieb eigentlich immer Erniedrigung durch Nacktheit.

Als ich älter wurde kamen dann auch sexuelle Gedanken dazu und ich glaube es fing mit „Vergewaltigungsfantasien“ an. Wobei ich mir, wenn ich mich nicht täusche, auch da nicht vorstellte selbst vergewaltigt zu werden, sondern das sowohl Täter als auch Opfer alles fiktive Personen waren, wobei ich trotzdem gern Rolle des Opfers eingenommen habe (was im Gedanken aber nicht ich war, sondern halt eine andere fiktive Person die ich nur spiele).
Meine Gedanken waren dabei auch keineswegs einfach „plumpe“ Vergewaltigungsfantasien, sondern meist eine ganze Geschichte in meinem Kopf die sich aufgebaut hat (z.B. zwei Königreiche die konkurrieren, dann entführt das eine Königreich die Prinzessin des anderen Königreiches und so ähnlich), da es in meinem Kopf einfach erniedrigender war wenn es auch eine Vorgeschichte, verschiedene Charaktere usw. gab. Es war und ist oft so als würde ich mir in meinen Gedanken selbst ein Buch vorlesen. meistens entstehen so Geschichten in meinem Kopf weiterhin nachts im Bett, bis ich irgendwann einschlafe und geht dann nächste Nacht weiter.

Irgendwie hat sich in mir dann auch mal eine Sehnsucht gebildet für ein paar Momente wirklich in eine dieser Welten meiner Kopfgeschichten einzutauchen. Hier hab ich dann für mich selbst auch das erste mal eingesehen dass ich tatsächlich gerne diese Person wäre, die vorher in meinem Kopf einfach nur ein „fiktives-Ich“ war und ich das gerne erleben würde. Kurz eine dieser Welten echt zu betreten und erst wieder zurück zu können wenn ein vorher festgelegter Zeitraum zu Ende ist, also so das ich nach betreten für diesen Zeitraum keine andere Wahl mehr habe.
Meine Gedanken wurden von diesen Punkt an aber dann auch immer extremer und fast alles das irgendwie der Erniedrigung dient findet darin Einzug (anspucken etc.). Ich entwickelte eine ziemliche Sehnsucht nach einer Welt in der ich absolut keine Rechte habe, ohne jeden Respekt behandelt werde, selbst diesen aber entgegenbringen muss, in welcher ich darauf reduziert werde benutzt zu werden und das klingt jetzt vielleicht total krank aber man könnte sagen in mir hat sich ein fetisch entwickelt sexistisch bzw. frauenfeindlich behandelt zu werden. Wobei ich nicht weiß ob „frauenfeindlich“ das richtige Wort ist, ich bin heterosexuell und in meinem Kopf sind es auch meistens Männer aber eigentlich spielt das Geschlecht von der Person die mich erniedrigend behandelt in meinem Kopf keine wirkliche Rolle).
Ich fing auch an mich zu erkundigen, bin auf das Thema BDSM gestoßen, hab mich darüber schlau gemacht u.a. dann auch hier auf diese Seite gestoßen usw.
Es gibt Überschneidungen aber ich weiß nicht mal wirklich ob noch zu BDSM zählt auf was ich stehe? Ich hab kein sexuelles Verlangen nach Schmerz oder so es sind einfach viel eher Erniedrigung und Zwang, die Vorstellung von irgendwem nicht gleichwertig behandelt zu werden löst in mir einfach ein kribbeln aus, selbst wenn es einfach wer Fremdes wäre (wobei ich nicht weiß wie ich im Alltag auf sowas reagieren würde).
Ich hab auch gegoogelt woran es liegen könnte, aber nichts gefunden. Oft liest man von einem Kindheitstrauma oder dass es bei Personen so ist die sich selbst hässlich finden. Aber beides ist nicht der Fall, eine wirkliche Erklärung kann ich dafür also nicht finden.

Ich habe nie mit jemandem darüber geredet und ich weiß nicht wie und ob ich das überhaupt jemals ausleben kann. Denn es gibt da, glaube ich, Probleme die nicht so leicht zu lösen sind. Es wäre doch irgendwie gefährlich sich auf jemanden einzulassen der wirklich ein sexistisches Weltbild hat, gleichzeitig finde ich aber denk Gedanken dass es mir nur vorgespielt wird irgendwie abtörnend. Auch ein Safeword find ich irgendwie abtörnend, da es sich dann für mich nicht mehr nach „Zwang“ anfühlt, lieber würde ich für einen festgelegten Zeitraum ernsthaft gezwungen werden. Gleichzeitig weiß ich aber dass das wohl unfassbar dumm und gefährlich wäre kein Safeword zu haben.
Das ist mein Problem, die Sehnsucht ist da und groß, gleichzeitig weiß ich aber dass das so wie es in meinem Kopf ist wohl nicht möglich ist bzw. einfach viel zu gefährlich wäre.

Ja das war glaube ich alles, ich weiß auch nicht was ich hier jetzt für antworten erwarte, vielleicht hat ja wer Lösungsvorschläge oder kann mir erklären woher das kommt.
Wenn nicht dann hab ich es mir wenigstens mal von der Seele geschrieben. :)

Seelenoede
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Re: Drang nach Zwang und Erniedrigung?

Beitrag von Seelenoede »

Lunia hat geschrieben:
6. Jan 2020 16:43
Es gibt Überschneidungen aber ich weiß nicht mal wirklich ob noch zu BDSM zählt auf was ich stehe? Ich hab kein sexuelles Verlangen nach Schmerz oder so es sind einfach viel eher Erniedrigung und Zwang, die Vorstellung von irgendwem nicht gleichwertig behandelt zu werden löst in mir einfach ein kribbeln aus, selbst wenn es einfach wer Fremdes wäre (wobei ich nicht weiß wie ich im Alltag auf sowas reagieren würde).
Zuallererst ist ja BDSM ein ziemlich weites Spektrum. Schmerz kann eine Komponente sein, muss es aber nicht. Persönlich würde ich auch reine Demütigungen zu BDSM zählen und auch Rape Play ist ja ziemlich verbreitet in der Szene.
Lunia hat geschrieben:
6. Jan 2020 16:43
Ich hab auch gegoogelt woran es liegen könnte, aber nichts gefunden. Oft liest man von einem Kindheitstrauma oder dass es bei Personen so ist die sich selbst hässlich finden. Aber beides ist nicht der Fall, eine wirkliche Erklärung kann ich dafür also nicht finden.
Ich für meinen Teil habe aufgehört nach Erklärungen zu suchen, warum ich bin, wie ich bin. Für mich ist es Teil meiner Persönlichkeit, wie der Rest meiner Sexualität und auch verschiede Geschmäcker. Ich kann auch nur Trigger ausmachen, die zu Entdeckungen von verschiedenen Kinks geführt haben.
Lunia hat geschrieben:
6. Jan 2020 16:43
Ich habe nie mit jemandem darüber geredet und ich weiß nicht wie und ob ich das überhaupt jemals ausleben kann. Denn es gibt da, glaube ich, Probleme die nicht so leicht zu lösen sind. Es wäre doch irgendwie gefährlich sich auf jemanden einzulassen der wirklich ein sexistisches Weltbild hat, gleichzeitig finde ich aber denk Gedanken dass es mir nur vorgespielt wird irgendwie abtörnend. Auch ein Safeword find ich irgendwie abtörnend, da es sich dann für mich nicht mehr nach „Zwang“ anfühlt, lieber würde ich für einen festgelegten Zeitraum ernsthaft gezwungen werden. Gleichzeitig weiß ich aber dass das wohl unfassbar dumm und gefährlich wäre kein Safeword zu haben.
Das ist mein Problem, die Sehnsucht ist da und groß, gleichzeitig weiß ich aber dass das so wie es in meinem Kopf ist wohl nicht möglich ist bzw. einfach viel zu gefährlich wäre.
Ich glaube, an gewissen Punkten muss man eine Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit ziehen. Stattdessen muss man sich damit arrangieren, nur Teile des Kopfkinos nachspielen zu können. Außerdem gibt es durchaus die Möglichkeit, dass manche Fantasien in der Realität weniger schön sind, weil es doch Faktoren gibt, die man nicht berücksichtigt hat.

Mal ein paar Beispiele von mir: Ich finde extrem sexistische Gesellschaften kinkmäßig ziemlich spannend, aber ich würde mich trotzdem immer gegen eine solche wehren. Ich mache auch gelegentlich mit jemanden Chat-Roleplay, weil darin Fantasien vorkommen, die man in der Realität eben nicht ausspielen kann, auch wenn man Sehnsucht danach hat. Spiele mit Urin finde ich in meinem Kopf durchaus spannend, aber in der Realität turnt mich der Geruch und der Geschmack einfach nur ab.
"Normal is not the norm" - Delain, We are the Others

Disclaimer: Wenn ich als Mod schreibe, dann sag ich auch, dass ich als Mod schreibe.

Only
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Re: Drang nach Zwang und Erniedrigung?

Beitrag von Only »

Hey Lunia,
ich finde es super, dass du mit deiner Frage den Schritt hier hin ins Forum gemacht hast!

Ich denke das die Fantasien die du schon als Kind hattest und welche du jetzt auch auf sexueller Ebene hast durchaus normal sind. Ausgeliefert zu sein und Erniedrigungen sind durchaus Praktiken die in diesem Bereich Anwendung finden.

Ich selbst hatte as Kind auch diese Fantasiegeschichten und Charaktere die gefangen genommen wurden. In meinem Fall war ich jedoch nicht der gefangene, sondern derjenige der eine andere Person gefangen hielt. Ich erinnere mich daran eine Sendung über Samurai gesehen zu haben die ihre Feinde die Ninjas gejagt haben. Ich hab mir Abends vor dem einschlafen dann vorgestellt selbst ein Samurai zu sein der böse Ninjas gefangen nimmt.
Ich habe mir vorgestellt einen besonders flinken Ninja gefangen zu haben den ich schon lange gesucht habe. Aber als ich dem Ninja die Maske abgenommen hatte war es plötzlich eine Frau (Zu der Zeit war ich wahrscheinlich 12 oder 13 und wusste schon ein bisschen was über Frauen und Männer).
Diese Frau wollte mir ihre Geheimnisse aber nicht verraten und deshalb hab ich mir vorgestellt, sie immer weiter auszuziehen und sie damit zu beschämen. Ich hab sie mit verschiedenen Dingen versucht zum Reden zu bringen. Dabei habe ich dann irgendwann gemerkt, dass es mich anmacht eine nackte gefesselte Frau zu sehen, die ich erniedrigen kann und die mir gehorchen soll. Ich glaube dieses Gedankenspiel hab ich bis ich 16 war immer wieder mal gespielt. Ich habe mir in diesem Alter natürlich dann auch explizit sexuelle Spiele mit meiner Gefangenen vorgestellt (Auch unter anderem mit erniedrgenden Dingen wie du sie erwähnt hast "Anspucken etc...")
Irgendwann hab ich mich dabei nicht mehr wohl gefühlt, weil ich dachte das wäre irgendwie nicht richtig und dass man an sowas nicht denken darf, weil es eklig ist. Das ist natürlich Quatsch. Jeder darf denken was er will, aber als Jugendlicher ist man da vielleicht mit sich selbst zu streng.

Das mit dem authentischen Partner ist natürlich eine Sache die nur schwer zu 100% machbar ist. Ich denke nicht, dass es wirklich sicher ist sich einem richtigen Sexisten auszuliefern der wirklich frauenfeindlich ist.
An der Stelle wirst du wahrscheinlich einen Kompromiss machen müssen.
Ich persönlich suche zwar nach einer Frau die sich mir unterwirft, aber ich möchte deshalb nicht zwangsläufig eine Partnerin die mir nie Wiederworte gibt und die keine eigene Meinung hat. Ich denke ich kann aus meiner Rolle heraus ziemlich authentisch sein, auch ohne wirklich sexistische Motive zu haben.

Ich persönlich finde es wichtig zunächst ein Safeword zu haben. Zumindest am Anfang wenn man sich noch nicht so gut kennt. Mit der Zeit lernt man sich und die gegenseitigen Grenzen besser kennen und kann das Safeword dann eventuell irgendwann weglassen. Es gibt auch noch den "consensual nonconsent". Dabei legt man einen Zeitraum fest (Beispielsweise von 19:00Uhr bis 3:00Uhr) indem der Partner alles mit einem machen kann, was er möchte. Die ganze Sache ist sozusagen eine Art "Tunnel" den man, sobald man ihn betreten hat, bis zum Ende beschreiten muss. Das ganze setzt natürlich extremes Vertrauen voraus!

Ich hoffe dir hat meine Antwort etwas geholfen. Lass es mich gerne wissen!

Liebe Grüße, Only
22/M/Het/Dom/Single

Only
Zaungast
Beiträge: 13
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Re: Drang nach Zwang und Erniedrigung?

Beitrag von Only »

Sorry für die Verlinkung! Soll nicht wieder vorkommen. Ich war hier länger nicht aktiv und mit den Regeln nicht mehr ganz so vertraut.

Viel Grüße, Only
22/M/Het/Dom/Single

eneg6
Zaungast
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Re: Drang nach Zwang und Erniedrigung?

Beitrag von eneg6 »

Hey Lunia :)

Also was du schreibst klingt für mich sehr zugehörig zu BDSM, da das ein sehr weites Feld ist, wo alles vorkommen kann aber nicht muss, um sich als BDSM-zugehörig bezeichnen zu können. Das Machtgefälle,was du beschreibst, gehört auch dazu, denn wenn man deine Fantasien ganz grob zusammenfasst, geht es um eben das - ein Machtgefälle.

Der Inhalt deiner Fantasien ist, vor allem in dieser Szene, ziemlich normal. Woher das kommen mag finde ich persönlich egal, da es nichts daran ändert, dass und wie man die Fantasien hat.

Ich hab ähnliche Dinge erfahren, wenn auch nicht ganz si fortgeschritten wie du. Wir haben in der Grundschule damals gerne Entführung etc. gespielt (was man als Kinder so macht), wobei ich gerne die Entführte war und mich das auch damals schon sexuell angemacht hat - Wobei ich das natürlich zu der Zeit noch nicht deuten konnte.
Auch "Vergewaltigungsfantasien" habe ich. Wobei ich niemals eine echte Vergewaltigung gutheißen würde, nur eben im geschützten Rahmen als RapePlay.

Wie meine Vorredner schon sagten wirst du den Kompromiss eingehen müssen, dass du jemanden findest, dem du prinzipiell absolut vertraust und auch ein Safeword zu finden.
Allerdings ist es oft so, dass die normale Persönlichkeit nicht zwingend die gleiche ist, wie die Person sie z. B. in einer Session zeigt. Des öfteren ist es sogar genau umgekehrt. So sind es gerne mal erfolgreiche, im normalen Leben dominante Männer, die sich von einer Domina erniedrigen lassen wollen. Das ist aber nicht zwangsweise so.

Ein Beispiel: ich bin eine eher dominante Person, habe meine Meinung, habe klare Positionen, Feministin, Pazifistin etc. Und dennoch bin ich im Bett eher der devote Part.
Genau so gibt es auch Feministen und Leute, die das Menschenrecht als höchstes Gut achten und dennoch können sie während der Sessions als sexistische "Arschlöcher" agieren und darauf stehen.

Deswegen meine Meinung: Am besten suchst du dir einen Partner, dem du einerseits absolut vertrauen kannst, dass er dich nicht ernsthaft in Gefahr für Leib und Leben bringt, der dir aber bis zu deinen Grenzen das bieten kann, was du dir erhoffst.

Viel Erfolg und liebe Grüße
eneg6
Wie verrückt muss der sein, der sich heute für normal hält?

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