Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Es gibt keine dummen Fragen, vor allem nicht zu Verhütung, Schwangerschaft und
Geschlechtskrankheiten.

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Feanó
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Feanó »

OT: Wenn hier grade eine Diskussion über Sinn und Unsinn des Veganismus läuft, empfehle ich das Buch "The China Study", gibts auf Amazon und Co.
Hab ich auch was im "Was lest ihr grade" drüber geschrieben. Kurz gefasst, das Risiko an Krebs zu sterben reduziert sich auf einen Bruchteil, das Risiko einer Herzerkrankung oder eines Schlaganfalles entfällt quasi komplett, Diabetiker vom Typ 2 konnten in Klinischen Studien permanent auf Insulin verzichten usw.
Man lebt in einem Ausmaß gesünder, das so erstmal kaum denkbar ist.

EsWarDerButler
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von EsWarDerButler »

Ich denke Veganismus / Vegetarismus hat je nach Situation deutlich wenig mit Abtreibung zu tun...

Beispielsweise denke ich jetzt da an Jugendschwangerschaften oder Schwangerschaft durch Vergewaltigung

Ich denke da würde noch mancher eine Ausnahme machen, oder?
just because your truth isn't a true truth, doesn't mean there is no truth ruth =D

Bex
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Bex »

Ich habe jetzt nicht alles gelesen, aber ich gebe mal meinen Senf dazu.

Zum einen, glaube ich nicht, dass man Menschen, die aus Geschmacksgründen kein Fleisch essen unbedingt als Vegetarierer bezeichnen sollte. Aber das ist meine persönliche Meinung, weil ich mit dem Begriff etwas Ideologisches verbinde. Das liegt aber auch daran, dass ich den Verzicht auf Schmalz, Gelatine etc. [also alles, was nur durch den Tod des Tieres gewonnen werden kann] als Bestandteil dessen sehe. Ich selbst bin Vegetarier und esse Tiere nicht, weil ich es irgendwie seltsam und befremdlich finde und mir der Geschmack von Fleisch (ich erinnere mich vage daran) in keinster Weise Grund genug ist, um die Absurdheit, die ich mit dem Essen von Tieren verbinde, aufzuwiegen. Ich bilde mir aber vor allem nicht ein, dass Tieren insgesamt (in Anzahl oder Art) weniger Schmerzen zugefügt werden, weil ICH im Speziellen jetzt kein Fleisch esse. Es ist einfach etwas, dass ich persönlich nicht über mich bringe. Abtreibung (insbsondere, wenn so Haarspalterei wie "welche Woche genau" dazu kommen) ist irgendwie eine eigentümliche Diskussion. Für mich als Biologen beginnt das Leben nicht erst nach der Verschmelzung oder - noch wahlloser gewählt - mit dem Einsetzen des Herzschlags, sondern genau dann, wenn eine Zelle Stoffwechsel etc. hat. Ergo ist jede Eizelle und jede Samenzelle = Leben. (In der Naturwissenschaft ist man übereingekommen, dass Leben als Vorhandensein intakter Membranen definiert wird.) Ab wann genau ein Eingriff nun ethisch/moralisch verwerflich ist, muss sicherlich jeder für sich entscheiden, aber im Grunde genommen, kann man schon beim Töten von Samen- und Eizellen anfangen. Ich glaube, es sollte nicht erlaubt werden, dass Embryonen ab dem Zeitpunkt, da sie mit medizinischer Hilfe außerhalb der Mutter überleben können, getötet werden. Alles davor finde ich, ist eine persönliche Ansichtssache und lässt sich rein vom Ablauf bestimmer, das Leben definierender Prozesse her nicht gut begründen. Da eine Schwangerschaft aber immer ein enormer (und vermutlich von anderen Menschen kaum nachzuempfindener) Eingriff in das Leben der jeweiligen Frau darstellt, sollte ihre Sichtweise und ihr Standpunkt nicht vorschnell verurteilt werden - wie auch immer dieser aussieht. Getötet wird bei Abtreibung (der Pille, der Pille danach, Spermiziden usw.) auf jeden Fall, die Frage ist nur, ob es sich dabei um einen mehr oder eben weniger differenzierten Zellhaufen handelt. Da es dabei um die eigene Spezies geht (bei der die Menschen ja doch noch immer mit anderem Maß messen), denke ich nicht, dass die Ernährungsweise eine Rolle spielt.

Vielleicht könnte man argumentieren, dass Vegetarier/Veganer empathischer sind und tendenziell eher sensibel für dieses Thema, bei dem es um Leiden anderer Lebewesen geht ... vielleicht ist das aber auch nur ein provozierendes und massenwirksames Statement.

[Edit]
Jetzt habe ich noch bisschen gestöbert und wollte ergänzen: Sicher sind wir uns alle einig, dass das Klügste und Einfachste ist, die Situation, in der Abtreibung nötig ist, zu vermeiden. Es freut mich, wenn wir das bisher alle immer so geschafft habt, aber ich glaube, es kann auch einfach mal dumm kommen und dann helfen die ein bis zwei Verhütungsmethoden, die man vielleicht anwendet nicht. Nichts hat einen Pearl Index von 100 und nicht immer muss es sich um Vergewaltigungen handeln, wenn was schief geht. Falls jemand weiß, er trägt einen psychischen Schaden davon - warum auch immer -, sollte es zum Austragen eines Kindes kommen, dann ist meiner Meinung nach jede Abtreibung gerechtfertigt.
Life isn't about waiting for the storm to pass, it's about learning to dance in the rain.

Kaoru
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Kaoru »

Bex hat geschrieben:Zum einen, glaube ich nicht, dass man Menschen, die aus Geschmacksgründen kein Fleisch essen unbedingt als Vegetarierer bezeichnen sollte.
Üblicherweise wird der Neologismus "Vegetarier" ja auch nur bewusst um den Zustand des Nicht-Fleisch-Essens zu beschreiben. Ich halte es übrigens auch nicht für praktikabel zwei Wörter zu finden, die zum einen den Vegetarier aus Überzeugung und des Vegetarier aus Gründen des Geschmacks unterscheiden. Noch dazu weil diese zwei Sachverhalte nicht immer klar getrennt werden können.
Bex hat geschrieben:Für mich als Biologen beginnt das Leben nicht erst nach der Verschmelzung oder - noch wahlloser gewählt - mit dem Einsetzen des Herzschlags, sondern genau dann, wenn eine Zelle Stoffwechsel etc. hat. Ergo ist jede Eizelle und jede Samenzelle = Leben. (In der Naturwissenschaft ist man übereingekommen, dass Leben als Vorhandensein intakter Membranen definiert wird.) Ab wann genau ein Eingriff nun ethisch/moralisch verwerflich ist, muss sicherlich jeder für sich entscheiden, aber im Grunde genommen, kann man schon beim Töten von Samen- und Eizellen anfangen. (...) Getötet wird bei Abtreibung (der Pille, der Pille danach, Spermiziden usw.) auf jeden Fall, die Frage ist nur, ob es sich dabei um einen mehr oder eben weniger differenzierten Zellhaufen handelt.
Im Grunde genommen sind Frauen dann die böseren Menschen, weil sie jeden Monat Lebewesen töten. :?
Denn nach deienr Definition von Leben ist ja bereits jede nicht eingetretene Schwangerschaft eine Tötung. Diese Definition mag biologisch sinnvoll sein, ethisch ist sie es ganz sicher nicht.
Bex hat geschrieben:Vielleicht könnte man argumentieren, dass Vegetarier/Veganer empathischer sind und tendenziell eher sensibel für dieses Thema, bei dem es um Leiden anderer Lebewesen geht ... vielleicht ist das aber auch nur ein provozierendes und massenwirksames Statement.
Eh ja das sehe ich nicht so. Ein Totschlagargument ist immer welche Persönlichkeiten der jüngeren deutschen Geschichte so alles Vegetarier waren.
Bex hat geschrieben:Nichts hat einen Pearl Index von 100 und nicht immer muss es sich um Vergewaltigungen handeln, wenn was schief geht.
Ja, der mit höchste Pearl-Index dürfte bei ca 85 liegen (20jährige ohne Verhütung), aber du meinst vmtl eher einen Pearl-Index von Null, der also zu 100% jeder Schwangerschaft verhindert.

Ich kann von mir nur sagen: Ich bin kein Vegetarier und ich selbst würde nicht abtreiben wollen. Ich möchte nicht alle Frauen verurteilen, die abtreiben. Ich denke dass bestimmte Umstände ein solches Vorgehen rechtfertigen. Allerdings gehe ich dabei von psychischen und physischen Gefahren aus. Ich befürchte aber manchmal eine gewisse Bequemlichkeit und Unbedarftheit was den Umgang mit Sex, Verhütung und Abtreibung anbelangt.
Und das völlig unabhängig von der Ernährung.
Dein Wille ist Gesetz,
deine Worte Religion.
Deine Wünsche sind Befehle
und ich eile schon.

Thoth
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Thoth »

Kaoru hat geschrieben: Im Grunde genommen sind Frauen dann die böseren Menschen, weil sie jeden Monat Lebewesen töten. :?
Nein, Männer. Die töten mit einem Erguss ja schon mehr Lebewesen als eine Frau im ganzen Leben. Überhaupt ist "böse" eine unglückliche Wortwahl in diesem Zusammenhang.
Denn nach deienr Definition von Leben ist ja bereits jede nicht eingetretene Schwangerschaft eine Tötung. Diese Definition mag biologisch sinnvoll sein, ethisch ist sie es ganz sicher nicht.
Nur wenn deine Ethik Tötungen generell verurteilt. Davon abgesehen vertreten Konsequentialisten allgemein die Auffassung dass es keinen qualitativen Unterschied zwischen Handeln und Unterlassen gibt, dass also eine aktive Tötung und ein Sterbenlassen durch mutwillige Untätigkeit (zum Beispiel durch Verhinderung der Empfängnis) grundsätzlich äquivalent zu beurteilen sind. Allerdings sind die meisten so denkenden Menschen auch der Überzeugung, einen undifferenzierten Zellklumpen als genau das zu behandeln, was er ist: ein undifferenzierter, nicht empfindungsfähiger Haufen Biomasse.
Ich befürchte aber manchmal eine gewisse Bequemlichkeit und Unbedarftheit was den Umgang mit Sex, Verhütung und Abtreibung anbelangt.
Was ist an Bequemlichkeit per se auszusetzen? Emails sind bequemer als Briefe zu Schreiben, der Bus ist bequemer als die Pferdekutsche und die Mediathek ist bequemer als pünktlich um Acht vor dem Fernseher sein zu müssen. Warum sollte eine Gesellschaft den technischen Fortschritt nicht nutzen, um die Lebensqualität ihrer Bürger zu verbessern?
"I couldn't help it," said the scorpion, "It's my nature".

Bex
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Bex »

Tut mir leid, dass ich die Sache mit der 100 und der 0 durcheinander gehauen habe... O-ton war jedenfalls: nicht nur Dummheit ist schuld an ungewollter Schwangerschaft.
Was das meiste andere angeht, waren das nicht zwangsläufig von mir als Wahrheit oder universelle Ansicht deklarierte Punkte, sondern einfach mal eine etwas weniger emotional geprägte Sichtweise auf den Prozess der Abtreibung und diese wahllose Definition von "wann ist ein Mensch ein Mensch". Mich nervt nämlich diese Doppelmoral und die überzogene Einstellung zu Abtreibung, so lange sich jemand nicht vollends bewusst ist, über welchen Entwicklungszustand des Fötus er eigentlich redet. Ich finde es einfach nicht richtig, einen Zeitpunkt in der Schwangerschaft festzulegen, von dem an aus einem Zellhaufen, den man abtreiben kann (und seien wir mal ehrlich, das geht bei der Pille danach los), ein Mensch wird, bei dem dann mit großen Begriffen wie "Mord" jongliert wird.

Aber ich stimme klar zu, dass sich jeder selbst mit seinen ethischen Ansichten und Definitionen hier im Reinen befinden muss. Ich wollte auch weder jemanden damit angreifen, noch habe ich meine eigene Meinung mit meinem Post vollständig dargestellt.

(@ Kaoru: Die Defintion, was Leben ist, stammt nicht von mir. Das würde ich mir nie anmaßen...)
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Sophides
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Sophides »

http://www.verhuetung-danach.de/?q=node/5

dort ist nochmal ausführlich und einfach erklärt warum die Pille danach keine Abtreibung ist.......es gibt da wesentlich kompliziertere Texte zu , aber das sollte nun jeder verstehen. Es ist trotzdem nicht zu empfehlen leichtferigt mit dem Thema Verhütung umzugehen, weil die Nebenwirkungen echt stark sind.
Subs sind auch Lebewesen mit Gefühlen.

Bex
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Bex »

Das mag bei manchen Präparaten so sein, aber sowohl meine Ärztin, als auch meine Packungsbeilage waren da anderer Meinung und denen traue ich mehr als irgendeiner Webside...
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Hyrax
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Hyrax »

Ich hab auch nicht alles gelesen, was in diesem Thread schon geschrieben wurde, nur die ersten zwei Seiten und die neuesten Beiträge.

Für diejenigen, die wissen wollen, wie Veganer_innen zu Abtreibung stehen: hier bringt jemand das Thema zur Sprache (37. Beitrag)
http://www.vegan.at/forum/YaBB.pl?num=1330211412/30

Ich selbst lebe vegan und seh das ungefähr so:
1. Jede einzelne Zelle deines Körpers lebt. Eine Zygote ist nicht mehr oder weniger am Leben als eine einzelne Eizelle bzw. ein einziges Spermium.
2. Ethische Verantwortung gegenüber einem anderen Lebewesen ist dann gegeben, wenn es empfindungs- bzw. leidensfähig ist. Im Falle eines menschlichen Embryos ist das leider recht unterschiedlich je nach Quelle geschildert, dürfte aber um die 24.-29. Woche liegen.
3. Im Falle einer Abtreibung sind Rechte oder Verpflichtungen gegenüber dem Embryo aber nicht der einzige Faktor. Über die gesamte Schwangerschaft hinweg lebt er in einer Frau, bekommt von ihr Nährstoffe zugeführt, baut über sie Stoffwechselprodukte ab und entwickelt sich buchstäblich aus ihrem Körper. Deshalb kann man ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung unmöglich außer Acht lassen. Wenn ich jemanden nicht gesetzlich dazu verpflichten kann, Blut o. Ä. für jemanden anderen zu spenden (einen eindeutig leidensfähigen Erwachsenen oder ein Kind), dann kann ich schon gar nicht eine Frau dazu verpflichten, ihr Blut etc. neun Monate lang einem womöglich noch nicht leidensfähigen Embryo zur Verfügung zu stellen. Dass der Embryo ohne sie nicht existieren würde ist dabei auch kein Argument, da eine Mutter genauso wenig verpflichtet wäre einem von ihr geborenen Kind zu spenden wie einem völlig fremden.

Soweit mein Senf dazu. Anmerkungen? :)

Kaoru
Orga
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Re: Vegetarier/Veganer und Abtreibung

Beitrag von Kaoru »

Hyrax hat geschrieben:Soweit mein Senf dazu. Anmerkungen? :)
Ne, eine Frage.
Hyrax hat geschrieben:2. Ethische Verantwortung gegenüber einem anderen Lebewesen ist dann gegeben, wenn es empfindungs- bzw. leidensfähig ist. Im Falle eines menschlichen Embryos ist das leider recht unterschiedlich je nach Quelle geschildert, dürfte aber um die 24.-29. Woche liegen.
Heisst das, dass es für dich ethisch kein Problem ist ein Ei zu essen, das es nicht empfindung- bzw. leidensfähig ist und daher "getötet" werden darf?
Dein Wille ist Gesetz,
deine Worte Religion.
Deine Wünsche sind Befehle
und ich eile schon.

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