Vergewaltigung

Alles was sich vor, während und nach der Pubertät verändert. Fragen und Antworten zur
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eva69
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Vergewaltigung

Beitrag von eva69 »

Vergewaltigung ist in unserer Gesellschaft eines der Abscheulichsten Taten verachtet. Vergewaltiger sind absolut verachtet und die Opfer traumatiesirt. Ich muss jedoch ehrlich sage, dass ich dies nicht so ganz nachvollziehen kann. Ich finde Verbrechen oder Unfälle etwas durch betrunkene Autofahrer, die eine dauerhafte körperlich Beeinträchtigung zu folge haben viel schlimmer.
Ich bin mit 11/12 Jahren von einem fremden Mann vergewaltigt wurden. Ich war auf dem Weg zu einer Freundin. Ich wusste das die Hintertür des Mehrfamilienhaus, welche durch den Keller führte immer offen war. Als ich den Keller betrat holte mich ein Mann, der mich zuvor schon nach einem Straßennahmen gefragt hatte, und packte mich. Er packte mich am Genick ging mit mehr in eine abgelegene Ecke und verging sich an mir. Es war sicherlich keine angenehme Erfahrung. Ich verängstigt und verstört. Ich hatte in dem Alter noch nie was mit Sex zutun gehabt, es hat einfach nur weh getan was er mit mit gemacht hat. Nach der Tat bin ich gleich zur Freundin und habe ihr davon berichtet. Sie hat dann die Polizei gerufen. Der Täter wurde zwar nicht gleich gefasst, aber nach einigen Jahren habe ich einen Brief von der Staatsanwaltschaft bekommen das man jetzt denn Täter hätte.
Ich muss jedoch sagen, das mich dieses Ereignis nie sehr nachhaltig belastet hat. Eigentlich war für mich die Sache am nächsten Tag schon gegessen. Ich empfinde ehrlich gesagt eigentlich auch keinen Gräuel auf den Täter mehr, er ist mir gleichgültig.
Mich würde interessieren ob es andrer gibt die ebenfalls eine Vergewaltigung erlebt haben und mit dieser auch gut zurecht gekommen sind. Im Bereich der Sexualität soll es ja nichts geben, was es nicht gibt. Aber trotz intensiver Suche habe ich bisher keine Berichte von Leuten gefunden denn es ähnlich ging. Daher frage ich mich schon warum es nur bei mir so ist.

Neoktzchen
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von Neoktzchen »

Mh... Also um ehrlich zu sein, dass es dich so gar nicht belastet hat, kann ich mir kaum vorstellen. Manchmal haben solche Taten oder Geschehnisse Auswirkungen, die man selbst an sich überhaupt nicht sieht. Aber ich kenn dich auch nicht und bin selbst keine Psychologin, weswegen ich auch keine weiteren Vermutungen anstellen mag.

Jetzt mal zu deiner Frage ob es anderen auch so geht. Ich würde zwar nicht behaupten, dass ich direkt Vergewaltigt wurde, aber es hat sich schon irgendwo so angefühlt. Ob es mir wie dir geht? Nicht ganz aber fast. Ich habe dem Typen mitlerweile verziehen, aber es ging mir schon ziemlich lange nach, vor allem, weil ich versucht hatte es zu verdrängen. Ich könnte nie mehr allein in einem Raum mit dem Typen sein, weil ich zu viel Panik hätte und befreundet wohl auch nie mehr, aber ansonsten muss ich sagen geht es mir recht gut. Auf meine Sexualität hat es eigentlich kaum auswirkungen gehabt, würde ich zumindest jetzt mal behaupten. Dennoch gibt es aber immer noch Momente wo ich an den Tag denken muss und es mir dabei schlecht geht. Aber ich habe gelernt damit umzugehen. Deswegen würde ich auch nicht sagen, dass es nicht gar keine Auswirkungen hatte, sondern nur geringe.

Dann kenne ich, aber wieder jemand, die von ihrem eigenen Vater vergewaltigt worden ist und die wahrscheinlich deswegen nicht mit Männern schlafen kann. Sie selbst ist sich nicht sicher ob sie lesbisch aus überzeugung oder wegen diesem Vorfall ist.

Wieder eine andere Freundin wurde zwar nicht vergewaltigt, aber ihr Onkel versucht gern ihr unter den Rock zu Photographieren oder hat sie auch schon z.B. an der Innenseite des Schenkels berührt. Es gibt kaum jemand der nur ein bisschen intimer werden darf bei íhr und sei es nur den Nacken berühren. Ihr läuft da gleich ein schauer über den Rücken. Männer vor allem ältere findet sie irgendwie wiederlich.

Also würde ich wirklich sagen es kommt vor allem auf die Person drauf an, auf das Alter und wie man damit umgehen kann. Manche kommen besser klar als andere, aber das es wirklich gar keine Auswirkungen haben sollte, daran kann ich nicht so ganz glauben und wenns nur leichte Auswirkungen sind.

Thoth
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von Thoth »

Ich habe was das Thema angeht schon ganz unterschiedliche Geschichten gehört (die meisten dieser Frauen habe ich in der Psychiatrie kennen gelernt, da begegnet man solchen Dingen naturgemäß öfter als in freier Wildbahn - zumindest hoffe ich das): die meisten wurden durch das Erlebnis, selbst wenn es nur ein einziges mal war, richtig böse traumatisiert und haben aus der Erfahrung langfristige Probleme im Umgang mit Männern davon getragen. Die Fälle, in denen der Täter aus der Familie stammte und sich methodisch und oft am Opfer verging waren erwartungsgemäß die Schlimmsten.

Zwei Ausnahmen gab es, die behaupteten, sie wären durch das Erlebnis nicht traumatisiert worden und es wäre zwar alles andere als schön, aber keineswegs ultimativ katastrophal und erst recht nicht das Allerschlimmste, was sie je erlebt hätten, gewesen. Einer habe ich es geglaubt, bei der anderen denke ich, dass sie sich bei all ihrer Intelligenz selbst ausgetrickst hatte, um die Situation nicht aufarbeiten zu müssen. Beide sahen sich selbst als Lesben, obwohl sie auch (gelegentlich) sexuelle Kontakte zu Männern hatten.

Die Stigmatisierung der Opfer von Vergewaltigungen in der Gesellschaft finde ich im Übrigen auch nicht sonderlich toll. Die Medien, die Freunde, die Verwandten, ja sogar die Psychologen suggestieren dem Opfer, dass es gefälligst traumatisiert zu sein hat. Die Medien, damit anschließend leyenhafte Politiker wieder Internetsperren fordern können, die Freunde und Verwandten, damit ihr Weltbild nicht gefährdet wird und die Psychologen, weil sie es so im Studium gelernt haben. Auf die Art können durchaus Folgeschäden entstehen, die schlimmer sind als der ursprüngliche Übergriff.
Die Täter würde ich einfach ganz gelassen vor Gericht stellen und so richtig lange wegsperren - darüber aber nicht berichten. Das sind feige Arschlöcher, die sich nicht anders zu helfen wissen, als ihre körperliche und soziale Überlegenheit auszunutzen - denen muss man keine Bühne der Form Titelblatt der BILD Zeitung gewähren, das haben die definitiv nicht verdient!
"I couldn't help it," said the scorpion, "It's my nature".

deidre
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von deidre »

eva69 hat geschrieben:Mich würde interessieren ob es andrer gibt die ebenfalls eine Vergewaltigung erlebt haben und mit dieser auch gut zurecht gekommen sind.
Erster sexueller Missbrauch mit 8 Jahren, letzter mit 17.
Gut zurecht gekommen? Ich mache heute noch Therapie und werd bestimmte Dinge den Rest meines Lebens nicht loswerden.

Man kann viel verdraengen, irgendwann holt es einen ein. Dir viel Kraft, wenn du dich mit Alptraeumen konfrontiert sehen wirst.

jens_nrw
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von jens_nrw »

eva69 hat geschrieben: Ich muss jedoch sagen, das mich dieses Ereignis nie sehr nachhaltig belastet hat. Eigentlich war für mich die Sache am nächsten Tag schon gegessen. Ich empfinde ehrlich gesagt eigentlich auch keinen Gräuel auf den Täter mehr, er ist mir gleichgültig.
ich tippe eher darauf, dass du die Sache nur erfolgreich verdrängt hast...

La Chatte Noir
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von La Chatte Noir »

Thoth hat geschrieben:Die Medien, die Freunde, die Verwandten, ja sogar die Psychologen suggestieren dem Opfer, dass es gefälligst traumatisiert zu sein hat.
Schön wär's. ^^ Das wär mir persönlich noch deutlich lieber gewesen als der Hinweis, dass ich mich doch bitte nicht so ansellen soll, weil es ja gar nicht so schlimm gewesen sein kann. *hust*

deidre
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von deidre »

La Chatte Noir hat geschrieben:
Thoth hat geschrieben:Die Medien, die Freunde, die Verwandten, ja sogar die Psychologen suggestieren dem Opfer, dass es gefälligst traumatisiert zu sein hat.
der Hinweis, dass ich mich doch bitte nicht so ansellen soll, weil es ja gar nicht so schlimm gewesen sein kann.
Kenn ich.

Meine Mum hat mir nicht geglaubt - und andere Leute mir vorgeworfen, dass ich ja selber Schuld waere. Klar, damals vor der Reinkarnation hab ich ganz bestimmt ausgewaehlt: blond, weiblich, moechte abwechslungsreiches Leben und moeglichst viel Gewalt, weil alles andere ja so oede ist... :kotz:

dulcamara
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von dulcamara »

Hej eva,

klar gibt's da draußen auch Leute, denen es so wie dir geht.
Jedes Ereignis wird unterschiedlich erlebt, jeder daran Beteiligte hat eine unterschiedliche Vorgeschichte und Voraussetzungen um damit umzugehen - sicher gibt es da auch günstige Konstellationen, die dafür sorgen, dass man davon nicht nachhaltig belastet wird. Das muss erstmal auch nicht notgedrungen mit Verdrängung oder sonstwas zu tun haben (Klischee lass nach!); lass dir das bitte nicht einreden ;)

Wo man die findet? Hm...schwierig. Wer von etwas halt nicht belastet wird, wird eher keine Hilfe und Kontakt zu anderen suchen und sich irgendwie organisieren. meiner Erfahrung nach redet man über solche sehr persönlichen Dinge eher in trauter Freundinnenrunde - woanders bin ich solchen ungewöhnlicheren Geschichten noch nicht begegnet.
I have learned a lot (..) over the years, but frankly, a lot my experiences and the resulting lessons can be boiled down to one crude but pithy rule that I adhere to religiously:
Don't _ever_ stick your dick in crazy. (Mistress Matisse) - vergl. http://t.co/ZElbFhfm

Ernie
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Re: Vergewaltigung

Beitrag von Ernie »

Ich schließe mich denen an, die sagen, dass es von Person zu Person und von Fall zu Fall unterschiedlich sind. Zwar war ich nie betroffen, aber ich kenne die Geschichten und die Inhalte aus dem Studium. Womit ich niemanden in seine Erfahrungen rein reden will.

Grundsätzlich ist es so, dass sich Personen hinsichtlich ihrer Resilienz unterscheiden. Damit bezeichnet man eine grundlegende psychische Widerstsandsfähigkeit, die man ganz besonders bei KZ-Insassen beobachten konnte. Diese gehören ja meist zu den Leuten, die noch schlimmeres durchlitten haben als dauerhaften sexuellen Missbrauch ohne Aussicht auf Besserung, aber dennoch überstanden es so einige ohne nachhaltige Probleme. Dies lässt auch Leute ihre Vergewaltigung verschieden erleben.

Zum anderen gibt es bei allen psychischen Problemen, inkl. posttraumatischer Belastungsstörung, protektive und Risikofaktoren. Wenn dein Umfeld dich auffängt und du nicht das Gefühl der Ohnmacht bekommst, weil deine Freundin und die Polizei sofort zu Stelle sind, wenn die Staatsanwaltschaft den Täter noch jagt, wenn du nicht mehr an ihn denkst, ist das Problem natürlich ein gänzlich anderes als wenn deine eigene Mutter dir nicht glaubt.

Und zu guter letzt unterscheiden sich die Taten, von einem Fremden im Treppenhaus vergewaltigt zu werden ist hart, aber etwas anderes als wenn dich eine Vertrauensperson wie dein Vater jahrelang missbraucht. Oder dein Vater, der auch dein Großvater dich im Keller aufwachsen lässt.


In dieser Hinsicht glaube ich dir, wenn du meinst, es hätte dir nicht geschadet. Du hast riesiges Glück im Unglück gehabt! =)
Den anderen gilt mein wirkliches Mitgefühl. Ich wünsche es keinem und finde es schrecklich, wenn andere ihnen nicht glauben oder sagen sie wären selber schuld; es gibt keinen akzeptablen Grund für eine Vergewaltigung und der Täter trägt die volle Verantwortung.

Aber bei aller Verantwortung ist eine rachdürstige Behandlung der Täter keine adäquate Lösung. Natürlich waren ihre Taten falsch und schrecklich und sie sollten der Strafe zugeführt werden! Aber sie einfach wegzusperren löst die Probleme nicht und ignoriert, dass viele der Täter ursprünglich selber mal Opfer waren und hier eine Gewaltspirale am laufen ist, die durchbrochen werden muss. Mit konsequenter Durchsetzung des rechtsstaates in dem nicht vergewaltigt werden darf und dem eine Strafe folgt auf der einen Seite und therapie und Resozialisierung auf der anderen. In Ländern wie den USA wo vor allem auf harte Strafen gesetzt wird (ich weiß, das unterscheidet sich von Staat zu Staat) kommt es deswegen keineswegs zu weniger Vergewaltigungen.

Ich hoffe es fühlt sich hierbei keiner auf den Schlips getreten, ich bin jederzeit bereit etwaige Missverständnisse auszuräumen =)
Bei mir darf jeder machen, was ich will.

manduja
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Registriert: 18. Mai 2012 12:07

Re: Vergewaltigung

Beitrag von manduja »

Hi,
ich wurde vor eineinhalb Jahren vergewaltigt. Ich habe es nie jemandem erzählt, da ich mich unglaublich dafür geschämt habe. Allerdings habe ich mit meinem derzeitigen Partner darüber geredet, als ich letzes Jahr völlig verstört bei ihm ankam. In der Trambahn zu ihm saß ich neben einem Mann, der das selbe starke Parfüm hatte wie mein Vergewaltiger. Die meiste Zeit kann ich gut damit umgehen, aber es gibt Dinge, die all die Gefühle, wieder zurückholen und dann lässt es mich auch min. eine Woche nicht mehr los. Ich habe dann starke Albträume und kann auch traumlos schlecht schlafen. Allerdings kann ich mich auch nur an den Anfang meiner Vergewaltigung und das Ende erinnern. Darüber reden ist immer noch schwer.
Ich kenne zwar den Vornamen des Vergewaltigers und könnte ihn auch finden, aber ich bin nie rechtlich gegen ihn vorgegangen. Ich hätte viel zu große Angst ihn wieder zu treffen.
Ich finde eine Vergewaltigung ist ein schlimmes Verbrechen. Die Täter*Innen gehören bestraft und in eine psychologische Behandlung.

Ich hoffe das mich mein Erlebnis nicht weiter belasten wird.

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