Keine Lust ohne Alkohol

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Kyo-vieh
Schreiberling
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Keine Lust ohne Alkohol

Beitrag von Kyo-vieh »

Wie der Titel schon sagt, habe ich ein ziemliches Problem - ohne getrunken zu haben, habe ich in 95% der Fälle keine Lust auf Sex, oder sonst irgendwelche Handlungen in Richtung bdsm.
Ich hatte bisher 2 Partner, einen Mann und eine Frau und bei beiden hatte ich von Anfang an dieses Problem. An Ihnen oder gar an deren Optik kann es mMn nach überhaupt nicht liegen und asexuell bin ich definitiv auch nicht: denn wenn ich alleine bin, habe ich durchaus sexuelles Verlangen.
Sobald ich nichtmehr die "Gelegenheit" dazu habe, denke ich "oah, jetzt könnt ich aber wieder mal.." und leg dann entweder selbst Hand an (kommt auch nur alle paar Monate mal vor) oder guck mir was an. Sobald mein Partner aber in meiner Gegenwart ist, ich also ohne Problenme sofort Sex haben -könnte-, dann will ich nicht mehr!
Bei meinem jetzigen Freund lasse ich mich dann meist breitschlagen, aber das frustriert ungemein, weil ich auch einfach nicht wirklich Spaß an der Sache habe und das dann meistens nur vanilla ist...
Meine einzige bisher gefundene Lösung ist: Alkohol. Ich betrinke mich nicht vollkommen, aber wenn ich schon gut einen im Tee hab, dann geht es komischerweise wieder und dann ergreife ich auch mal initiative und dann kommt es ab und zu überhaupt mal zur session, weil ich im nüchternen zustand ja überhaupt keine lust darauf habe. Wenn ich mich nüchtern hab breitschlagen lassen, dann habe ich im gegensatz zum sex unter alkoholeinfluss auch nur halb so viel spaß, wenn nicht noch weniger. Mit ist gleich alles viel intensiver und ich bin Kopfmäßig auch bei der Sache und denke nicht an das Essen von Morgen.
Irgendwie ist das sehr frustrierend und mMn auch keine Dauerlösung. Verbringe ich einen Abend mit ihm, bringt er schon meistens extra Wein mit und ich esse was weniger, damit der Alkohol wirken kann. Spontanaktionen sind also so gut wie kaum möglich und zudem kommt noch, dass ich vom Alk in den letzten Monaten ziemlich zugenommen hab, denn Wein, Cocktails usw. hauen schon ziemlich rein was Kalorien angeht...
Hat noch jemand dieses Problem? Hat jemand ne Ahnung was ich tun kann? Denn ich -will- ja eigentlich, aber es funktioniert nicht.
Bin ich zu sehr 'Kopfmensch' und denke zu rational um mich Gefühlen hinzugeben? Angst vor Kontrollverlust?
Vielleicht auch Hemmungen, weil ich in bdsm noch relativ unerfahren bin? (vanillasex ist auch im normalfall wenn ich alleine bin, eh uninteressant).
Verzwickte Lage....

Schildkroete
Vielschreiber
Beiträge: 467
Registriert: 26. Mai 2009 19:35

Re: Keine Lust ohne Alkohol

Beitrag von Schildkroete »

Das leidige Thema Sex.

Erstmal, wenn du keine Lust auf Sex hast, ist Alkohol wahrscheinlich nicht die geeignete Lösung. Vor allem dann nicht, wenn du gesundheitliche Konsequenzen in Kauf nimmst und vor allem dann nicht, wenn du das Gefühl hast wegen dem Alkohol zuzunehmen.

Alkohol senkt Hemmschwellen und hilft dabei, »lockere« zu werden. Ist es dass, was dir hilft? Hast du sonst »Angst« (nicht zu kommen, etwas falsch zu machen, ihn nicht befriedigen zu könne, ... ) oder ist es einfach nur eine Lustlosigkeit? Vielleicht bedingt sich das ganze auch. Du hattest noch nie Spaß am Sex. Wieso solltest du dann Lust darauf haben? Wenn ich nie gelernt habe, dass z.B. kochen Spaß macht, habe ich auch keine Lust darauf.

Wenn man dazu noch das Gefühl hat, zu etwas genötigt zu werden, man also etwas tut, was man eigentlich gar nicht tun will, hilft das einer Motivation auch nicht. Du assoziierst Sex dann mit Arbeit, Pflicht und anderen negativen Dingen.

Du hast auch geschrieben, dass du nicht asexuell bist? Es gibt auch Formen von Asexualität (über welche man ohnehin verhältnismäßig wenig Kenntnis hat) bei denen die Person sexuelle Lust empfinden kann und auch masturbiert, aber für den »Sex an sich« auf eine komplett andere Sache ist.


Im Prinzip kann ich aber irgendwie nachempfinden, wie du dich fühlst. In meiner ehemaligen Beziehung hatte ich in 80% der Fälle auch keine Lust auf Sex. Es gab Phasen, bei denen es gut lief und dann gab es Phasen, in denen ich einfach keine Lust hatte - vor allem dann nicht, wenn es eigentlich möglich gewesen wäre.

Warum das bei mir so war? Ich glaube es lag einfach daran, dass es eine (monogame) Vanilla Beziehung war. Wir haben mal Sachen ausprobiert oder über gewisse Dinge geredet, die meistens in einem: »Du stehst nicht wirklich auf sowas?« geendet haben. Resultat bei mir war, dass ich mich irgendwann schon gar nicht mehr getraut habe, diese Themen anzusprechen.
Vor allem aber, hatte ich irgendwann an normalen Sex keinen Spaß. Sex an sich ist für mich meistens irgendwie »langweilig«. Dazu kam dann noch eine Art Leistungsanspruch. Wenn sie will, muss ich auch und wenn, dann muss sie auch kommen. Aber selber Spaß daran hatte ich auch nicht. Was man bei einem Mann auch eher mal an mangelnder Erektion merkt. Vlt. ging es die ersten Minuten noch gut und dann hab ich irgendwann »an das Essen gedacht« und mit der Erektion war es vorbei. Resultat war Frust bei ihr und Selbstvorwürfe bei mir (stimmt mir mir was nicht, wieso habe ich keine Lust, ist medizinisch etwas falsch bei mir?). Wenn eine eigentlich nette Sache so endet, freut man sich natürlich nicht auf das nächste Mal.

Dazu kommt, dass ich wahrscheinlich auch eher eine nicht so ausgeprägte Libido habe. Sex kann Spaß machen (und das habe ich vor und nach der Beziehung sowie auch in der Beziehung erfahren). Aber meistens habe ich auch einfach keine Lust. Vor allem spielen da meine Fetische auch eine große Rolle. Wenn ich eine nackte Frau sehe, regt mich das nicht so sehr an, wie eine Frau mit Korsett und Halsband.

Vor allem darf man sich nicht unter Druck setzten. Wenn es nicht klappt, dann klappt es nicht. Wenn einer oder beide zu keinem Höhepunkt kommen, kann es trotzdem guter Sex gewesen sein. Man kann auch eine schöne Session mit einem Partner haben, ohne das Sex im Spiel ist. Es kann aber eine Session auch unglaublich aufwerten. Es ist aber kein muss, wenn nicht beide!

Von mir aus gesprochen ist Sex aber immer noch ein heikles Thema. Ich habe immer noch Angst, dabei zu versagen, keinen hoch zu bekommen. Einfach nur weil, ich eben nicht immer Lust habe und vor allem, weil meine Ex in solchen Situationen nicht hilfreich war. Meistens hab ich »nein, sorry, es geht nicht gesagt« und sie hat es dennoch irgendwie immer noch versucht. Kein schönes Gefühl! Die Macht der Erfahrung, die dort auf mir lastet. Aber immerhin habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mit der Einstellung oben und mit anderen Partnerinnen eimndeutig besser klappt.

Also. Was kann ich dir noch sagen. Wenn du nicht willst, dann willst du eben nicht. Trefft euch, ohne Sex zu haben. Spielt, ohne Sex zu haben. Wenn du dich zu etwas zwingen lässt - egal ob das nun aggressiv oder passiv-aggresiv geschieht - ist keinem von euch dabei geholfen. Es gibt kein richtig oder falsch.
Auch wenn einem in Pornos (und auch teilweise hier) vermittelt wird, das Sex ein allzeit dominierendes Ding ist. Sie immer kann und er immer will, ist das keinesfalls so. Weder bei allen Benutzern hier noch in Realität.
...and Homer, since you're dressed for it, I've got some
S and M for you -- scrubbing and mopping!

redrat
Inaktiv, über Altersgrenze
Beiträge: 276
Registriert: 20. Dez 2009 19:01

Re: Keine Lust ohne Alkohol

Beitrag von redrat »

Hey Kyo-vieh,

ich finde die von Schildkröte erwähnten Sachen schon mal sehr gut zu dem Thema. Darüber hinaus will ich aber besonders auf den Punkt eingehen, dass du alkoholisiert durchaus ziemlichen Spass an sexuellen Kontakten hast - so zumindest aus deinem Text herausgelesen.

Ohne es genau betrachten zu können, finde ich das durchaus einen Hinweis darauf, dass du nicht asexuell bist (was auch nicht weiter schlimm wäre), sondern etwas in deinem Kopf im nüchternen Zustand "blockiert". Von da ausgehend musst du erstmal überlegen, ob es für dich eine belastende Situation ist, dass du nüchtern keinen Spass an sexuellen Kontakten hast, oder vielleicht eher der/die Partner/in durch eine gewisse Erwartungshaltung für dich belastend wird. Im letzteren Fall solltest du wahrhaft eher andere Partner/innen suchen, die dich so respektieren, wie du bist. Der erstgenannte Fall wäre allerdings etwas komplizierter, da hier unter Umständen Gefühle/Erfahrungen bzw. die klassischen verdrängten Traumata eine Rolle spielen, die einem nicht einmal bewusst sind.

In dem Fall gehe ich auch eher davon aus, dass dir im Forum nicht unbedingt jemand direkt weiterhelfen kann, unter anderem weil Sachen eine Rolle spielen, die so intim sind, dass man sie nicht unbedingt aufschreiben möchte, schon gar nicht in einem öffentlichen Forum. Eine Möglichkeit diese Sachen zu klären ist es eine Behandlung bei einer Psychologin oder einem Psychologen anzufangen. Von deiner Beschreibung her schließe ich erstmal, dass der psychologische Leidensdruck recht groß ist und mittlerweile auch zu physischen Folgen geführt hat (vermehrter Alkoholkonsum, Gewichtszunahme) - in solchen Fällen ist es eigentlich immer möglich eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse durchzukriegen, bei den privaten KVen ist es in der Regel sogar noch einfacher. Falls du dich zu diesem Schritt entscheidest, ist es wichtig, dass du dir einige Pscholog/innen im unverbindlichen Probegespräch anschaust und dann ein bisschen danach entscheidest, ob du das Gefühl hast, dass diese/r einen Zugang zu deinem Problem findet. Psycholog/innen, die keine kostengünstigen bzw. kostenlosen Probegespräche anbieten finde ich persönlich kaum ernst zu nehmen.
Das richtige Fachgebiet wäre Sexualtherapie... In deiner Nähe sollten verschiedene Psycholog/innen mit diesem Sexualgebiet anzufinden sein - vielleicht kannst du auch sogenannten Kink Aware Professionals in deiner Nähe finden, bzw. dir kann es jemand aus der Szene empfehlen. Es kann gut sein, dass du bis zu drei Monate auf einen Therapieplatz warten musst - das ist leider so, da es eine gewisse Unterversorgung in Deutschland gibt. Ansonsten kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, dass die Art des Gesprächs mit diesem Berufsstand leicht... Hmm... Gewöhnungsbedürftig ist, man sich aber nicht davon abschrecken lassen sollte. Tatsächlich ist es so, dass gerade diese Art von Fragestellungen mir einmal sehr geholfen hat Dinge zufriedenstellend zu klären.

Viel Erfolg dir auf jeden Fall.
Ihre DNS-Analyse zeigt eine krankhafte Abneigung gegen jegliche Autorität und einen Charakter, der zu Gewaltausbrüchen neigt.

tensor
Zaungast
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Registriert: 29. Jan 2012 07:18

Re: Keine Lust ohne Alkohol

Beitrag von tensor »

eigentlich sollte es physiologisch ja andersrum sein. Ab nem gewissen Alkspiegel , sollte dein erektionsfähigkeit abnehmen. :)

Kyo-vieh
Schreiberling
Beiträge: 68
Registriert: 3. Nov 2005 15:35

Re: Keine Lust ohne Alkohol

Beitrag von Kyo-vieh »

Erstmal danke für die ausführlichen Antworten!

Um eins erstmal klarzustellen: Ich bin ne Frau und Erektionsprobleme hab ich demnach auch nicht xD Hab ich auch schon öfter gehört, dass es Männern so geht, aber bei mir ist es ganz eindeutig genau andersrum.

Wie gesagt schließe ich es eigentlich zu 90% aus, dass ich asexuell bin. hab mich darüber mal informiert, da ich das auch vermutete, aber ich finde keine dieser x verschiedenen Varianten passend für mich.
Bei mir läuft das quasi immer nach dem Motto: Ich will immer das, was ich nicht haben kann.
Ich habe also durchaus Verlangen nach Sex, vor allem mit jemand anderem und das ist mir rein kopfmäßig auch viel lieber als alleine. Nur sobald die andere Person da ist, ist es halt nichtmehr da.
Als positiv empfunden habe ich sex außerdem auch schon, nur war das in den meisten fällen eben unter alkeinfluss und schlechte erfahrungen habe ich bisher auch nie gehabt (außer eben, dass es langweilig war).
Ich glaube langsam, dass es tatsächlich blockaden sind. allerdings welche die ich nicht bewusst wahrnehme, ich weiß einfach nicht was das für eine blockade sein soll. fest steht nur, dass ich mir angetrunken sage: "is doch alles egal, einfach machen".

Durch das was ihr beiden geschrieben habt, hab ich aber irgendwie ne Vermutung bekommen: kann es vielleicht doch an meinem Partner liegen?
Zunächst ist das "Problem" ja, dass ich Vanillasex weitestgehen langweilig finde...also nett, aber nicht supertoll - wirklich kicken tun mich nur andere Dinge oder Fetische. (ist das ansich nicht auch schon irgendwie seltsam? ohne bdsm keine lust mehr zu haben, egal wie attraktiv der partner auch sein mag?)
Ich denk mal, dass meine Libido ansich noch grad im normalen Rahmen liegt, nur wird die eben unterbewusst unterdrückt.
Mir fällt jetzt außerdem auf, dass er eigentlich dauernd ungewollt druck ausübt,indem er eben dauernd sex will und das auch öfter, als meine "normale libido" zulassen würde. wenns nach ihm gegehn würde, jeden 2. tag, aber da würde ich ja schon im normalzustand nicht mithalten können. Daduch denke ich wohl immer, dazu verpflichtet zu sein.
allerdings hätte ich da ja ganz andere sachen im kopf als immer nur vanilla vanilla vanilla... immer muss alles von mir aus kommen, wenn ich was anderes will und das blockiert mich vielleicht auchnoch zusätzlich.
Dazu muss noch gesagt werden, dass mein Freund nicht so viel mit dem ganzen Thema anfangen kann wie ich. Er hat durch mich zwar seine devote Seite entdeckt, allerdings würde er von sich selbst aus wohl nicht anfangen mit mir zu spielen (weswegen spielen ohne sex warscheinlich komplett flachliegen würde).
Er hat er zwar bisher immer mitgemacht, aber die gewissheit, dass ihn das garnicht so sehr kickt, vermindert bei mir auch wieder die lust.
Nur was will man dagegen tun? Mal eben nen neuen Partner suchen ist einfacher gesagt als getan und an seiner minder ausgeprägten neigung kann ich auch nicht so einfach was ändern. (wobei er ja, wenn ER einen im tee hat, auch wieder interessierter an der sache ist, zumindest sagt er das. Vielleicht hat er auch ne Blockade, wenns um bdsm geht? Chaos!!)

Ihr habt mir jedenfalls schonmal nen denkanstoß gegeben...wie sich das weiter ausbauen lässt oder gar beheben, wird sich zeigen.... mit dem gedanken ne therapie zu machen, hab ich auch schon gespielt, allerdings wäre das problem mit meinem partner ja dann immernoch da.

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