Soziale Mindestsicherung

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Dimil
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von Dimil »

Ja wer oder was ist denn dieser "Staat" ?
Der Staat ist jawohl kaum ein vom Rest der Bevölkerung entkoppeltes Etwas, sondern vertritt ganz klar die Interessen eines Teils der Bevölkerung, nämlich dem Teil der das Geld und die Macht hat seine Interessen vertreten zu "machen".

tiger
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von tiger »

Es kann durchaus sein, dass soetwas wie der "Staat" sich komplett entkoppelt. Es gibt doch genug selbstverwaltende Behörden in D die dafür ein gutes Beispiel sind. Außerdem gibt es so böse Theorien, die besagen, weil ein Beamter nur dann viel verdient, wenn er viele Beamte unter sich hat, ist er immer bemüht, die Bürokratie zu erhöhen, und dann möglichst viele Beamte unter sich einzustellen um der selbstgeschaffenen Unordnung herzuwerden, die dann wiederum das gleiche Spielversuchen.

Der Staat ist in meinen Augen bereits viel zu stark regulatorisch und die Umverteilung viel zu intransparent, die Bürokratie unerträglich. Der "Staat" sollte möglichst schlank und transparent sein, das ist er aber schon lange nicht mehr. Außerdem sollte er meiner Meinung nach möglichst unverschuldet und transparent sein, das ist er auch nicht. Desweiteren sollte er souverän und antiglobal sein, es entwickelt sich momentan in die entgegengesetzte Richtung. Ich finde Globalisierung menschenverachtend und eigennützig. Natürlich, wären Staubsauger für 30 Euro und Computerkomplettsysteme für 300 Euro ohne Globalisierung undenkbar, und haben unseren Wohlstandstand ordentlich gepowert, aber das kann ganz schnell nach hinten losgehen.

Um einmal euer Beispiel mit der Brotbackmaschine aufzugreifen. Der Unternehmer kündigt also 5 Mitarbeiter für eine Maschine, die jetzt den gleichen Job erledigt. Gut, daran war vielleicht 1 Ingenieur beteiligt, 1 Service Techniker und 0,5 Personen in Verwaltung und Produktion der Maschine, also haben sich von den 5 Jobs nur 2,5 in höhere Regionen verschoben, effektiv sind nur 2,5 Arbeitslose entstanden. Jetzt hat der Bäckermeister also diese Maschine, nehmen wir an, in anderen Unternehmen passiert es ähnlich. Der Markt wird wie schon geschrieben mit Waren überschwemmt, die sich die nun Arbeitslosen nicht mehr leisten können. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, der Bäcker verkauft seine Brötchen sehr billig, oder belässt den Preis und niemand außer der Ingenieur und der Techniker können sie sich dann leisten, er macht also mehr Gewinn verkauft aber nicht die volle Kapazität. In beiden Fällen wird nicht der maximale Gewinn erwirtschaftet, eventuell nicht einmal bedeutend mehr als vorher. Jetzt verdonnert man den Ingenieur und den Techniker zu Sozialabgaben, die man den Arbeitslosen gibt, deswegen entscheidet sich der Bäcker NICHT dafür, die Produktion herunterzusetzen, sondern billig zu verkaufen, so haben alle etwas vom neuen "Wohlstand" und er verkauft sein Produktionsmaximum. Das zeigt im Endeffekt, die schwierige Situation zwischen hochgebildeten Arbeitskräften und einfachen "Arbeitern", der Bedarf an letzteren wird immer mehr abnehmen.

Trotzdem, öffnet man jetzt den Markt global, sind die Auswirkungen garnicht abzusehen. Der Weltmarkt ist so unglaublich inhomogen, die Lohnniveaus so unterschiedlich. In vielen Branchen wurden die Mitarbeiter tatsächlich ersatzlos gekündigt, die Geschäfte in ausländischen Märkten abgewickelt. Ein Sozialstaat wie Deutschland bekommt ungekannte Probleme: Die Ingenieure und Techniker flüchten, weil sie die Sozialabgaben nicht zahlen wollen, die Warenüberflutung wird einfach ins Ausland exportiert ("Exportweltmeister"), den Arbeitslosen wird Geld gezahlt, das nirgendwo hereinkommt. Natürlich, rechtspopulistisch gesagt, "Ausländer kommen nach Deutschland und kassieren auch noch ab". Ob das entscheidend ist, glaube ich nicht. Vielleicht noch nicht. Das der Anteil arbeitsloser Migranten sehr hoch ist und es große Bildungsprobleme gibt, mag aber für sich sprechen. Natürlich gibt man hier Leuten, aber auch Deutschen, den Anreiz sich in Deutschland wohl zu fühlen, ohne wirklich das Interesse zu fördern, etwas aus sich zu machen, sondern sich mit einer primitiven Grundsicherung von Anfang an zufrieden zu geben. Grundsicherung, die für Migranten vielleicht sogar übbig erscheinen, für Deutsche immerhin, ausreichend. Darum ist es weder IN MEINEM INTERESSE für andere zu zahlen, noch ist es doch eigentlich IM INTERESSE des Hartz 4 Beziehers, sein Leben lang mit 300 Euro dahinzuvegetieren.

Darum finde ich es wichtig, den Hartz Satz, so hart es klingt, schon gering zu halten, um einfach einen Ansporn zu wahren, dass sich die Leute nicht damit zufrieden geben.

Ärgerlich ist bei Systemen wie Hartz 4, dass sie schnell zu einer Art Endstation werden. Zuerst zwingt man die Leute, ihr eigenes Geld und Sachgüter aufzubrauchen, um ihnen dann Hartz 4 zu zahlen. Aus so einer Situation wieder herauszukommen ist wahrscheinlich sehr schwer. Ich weiß nicht, was die Leute bewogen hat, so ein System zu erdenken. Ich persönlich, hätte es viel besser gefunden, das nicht zu machen, sondern, es nur zeitlich begrenzt zu zahlen, den Privatbesitz aber unangetastet zu lassen, gleichzeitig aber auch Leute die sich weiterbilden, oder umlernen, stärker zu unterstützen.

Pervers an dieser Studie "mit wie wenig Geld man theoretisch auskommen kann" finde ich, dass sie die billigen Artikel von KiK und Aldi und Co. als Referenz nehmen, die in Ländern wie China und Indien zu menschenunwürdigen Bedingungen gefertig werden. Schön, ich kann mir für 15 Euro eine Winterjacke kaufen, aber auf kosten von Menschen, die zusammengepfercht in Barracken an einem 12 Stunden Tag diese Jacken nähen. Ist ja weit weg von uns, von Deutschland, aber es sollte einen vielleicht trotzdem interessieren. Wie die aggressive Preispolitik der großen Discounter in anderen Ländern die Umwelt zerstört und die Menschen ausbeutet sollte sich ja langsam herumgesprochen haben.

Ich habe, als Letztes, nur auf die EU und die EU Politiker einen großen Hass, weil die seit Jahren nichts bewegen, oder nur vieles Falsch machen, nichts vorweisen können und mehr verdienen als jeder andere, leicht auch in die Regionen von Bundeskanzler und Bundespräsident kommen, dafür dass sie täglich versagen und selbst scheinbar nicht allzu viel Moral vorweisen können, siehe "Tagegelder Missbrauch".

http://www.myvideo.de/watch/5071277/Tag ... Strasbourg

Was die EU schließlich noch umverteilt, ist noch viel schlimmer als deutschlandinterne Umverteilung. Zerstört Märkte, mit unsinnigen Subventionen, vor allem die Landwirtschaft, und verursacht nur Kosten, ohne irgendjemandem jemals etwas zu nützen.

Ich denke einfach, dass unser Sozialstaat für eine Globalisierte Welt schlecht vorbereitet ist, und dass wir damit noch auf starke Probleme stoßen werden die nächsten Jahre. Ich wäre insbesondere mit Dingen wie "Riester Rente" als persönliche Absicherung sehr, sehr vorsichtig.
nicht mehr hier

Dimil
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von Dimil »

Ich will ja hier keinen unnötigen Nebenkriegsschauplatz aufmachen, aber kannst du mir bitte mal erklären was Globalisierung ist, ohne Schlagworte zu benutzen?

deidre
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von deidre »

Globalisierung = Weltvernetzung, Zusammenfuehrung der Infrastruktur und somit auch der Wirtschaft und Kulturen.

Bessere Strassen / mehr Flugstrecken / Eisenbahnen / Telefonleitungen bringen uns quasi "die ganze Welt" naeher = Globalisierung.


Dadurch erhoeht sich der Wettbewerb, da mehr Anbieter, aber auch mehr Kunden, nur dass nicht alle die gleiche Kaufkraft haben, wegen unterschiedlichen Waehrungen, ungleicher Bezahlung, Lebensstandards etc pp.


Jetzt klarer?

Munro
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von Munro »

Auweia ... Bitte Löschen, voll gepennt :angel:

Dimil
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von Dimil »

Ist das nicht die definition von Kapitalisums? Ist es denn nicht das wichtigste Merkmal der modernen bürgerlichen Gesellschaft dass sie den Weltmarkt geschaffen hat?

sammy
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von sammy »

Dimil hat geschrieben:Ist das nicht die definition von Kapitalisums? Ist es denn nicht das wichtigste Merkmal der modernen bürgerlichen Gesellschaft dass sie den Weltmarkt geschaffen hat?
was hatn das miteinander zu tun? Kapitalismus beruht auf Marktwirtschaft und privates Eigentum. Ein Weltmarkt geht eher auf die Globalisierung zurück...

tiger
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von tiger »

Das ist eine gute Frage, was ist Globalisierung. Globalisierung sollte man nicht ganz so güter- und infrastrukturgebunden sehen, mit besseren Straßen und Kommunikation hat es eigentlich nur am Rande zu tun. Es ist die Öffnung der Märkte, die ungebremste Ausbreitung des Kapitalismus, vielleicht das Annähern an "das Ende der Geschichte" (s. Fukuyama) durch das System, das sich angeblich als das humanste und beste herausgestellt hat, Ende des Kommunismus, Planwirtschaft und Faschismus, das völlige Durchsetzen des Kapitalismus. Globalisierung ist auch Abbau von Zöllen und damit Liberalisierung des Freihandels, also, ein Unbedeutendwerden von Staaten gegenüber größerer Bedeutung des Marktes, Kapitales und (hoffentlich) dessen Fähigkeit sich selbständig zu Regulieren zum Wohl(stand) aller. Es ist auch, die Verwebung von Banken und Annähern der Währungen, Verschmelzen der Börsen, internationales Spekulieren und Hedgefonds, aber das ist so kompliziert, dass ich nichts falsches erzählen will, weil ich selbst nicht ganz durchblicke.

Wenn man böse ist, kann man sagen, Globalisierung ist, dass du für 9,95 Schuhe kaufen kannst, die Jugendliche in Indien für einen Hungerlohn für dich genäht haben während dein Schuster an der Ecke zu machen muss, wenn man es positiv sieht, ist Globalisierung er Grund, warum deine Highend-Grafikkarte plötzlich nur noch 150 Euro gekostet hat und du den gleichen Betrag im Vergleich zu früher gespart hast, womit du dir noch etwas anderes kaufen kannst, oder es sparen kannst.

Die Globalisierung führte daher, so meine Meinung, zu beschleunigtem Wohlstand der "ersten Welt Länder" auf kosten der Entwicklungsländer. Langsam scheint es aber Umzuschlagen, während wir nun die Arbeitsplätze verlieren und verloren haben, ziehen die Entwicklungsländer immer stärkere Vorteile daraus. Der Innovationsdruck und die Verlagerung der Jobs in Deutschland in den hochqualifizierten Sektor ist Ausdruck davon, weil die Globalisierung niedrigqualifizierte Tätigkeiten in Standorten wie Deutschland zu unrentabel macht.

Gefahr der Globalisierung ist natürlich auch, dass sie Wirtschaftskriesen in Amerika stärker in andere Länder durchschlagen. Früher hat man die eigene Landeswährung (zB. D-MARK) eher mit Sachgütern, Bundesgold und Immobilien gestützt, heute ist der Euro auch verstärkt auf den Dollar gestützt und Aktien und Hypothekenpapiere. Wird der Dollar wertlos, platzen Hyphotheken... könnte man sagen, sitzt die EU mit im Boot, nicht wie früher die D-Mark, aber auch das ist ein sehr kompliziertes Gebiet, wäre schön, wenn da ein BWL/VWL Student genaueres weiß. Ich weiß leider nicht genau, inwiefern und wie stark die Amerikanischen Finanzheinis gerade durch bereitwillig in Kauf genommene Inflation (700 Milliarden Dollar neue Staatsschulden) ihr eigenes Geld mehr oder weniger mutwillig auf Kosten anderer Länder entwerten, zu befürchten ist es aber.

Die zentrale Frage an der Globalisierung ist eigentlich nur, wie weit man dem Kapitalismus vertraut, und wie kompatibel Sozialstaaten wie Deutschland mit Staaten sind, die ihren Bürgern praktisch keine oder nur sehr geringe soziale Absicherung garantieren (Stichwort Lohnnebenkosten, Sozialversicherungen). Sorgen sollte einem die Globalisierung bereiten, weil Amerika bankrott und völlig am Ende ist, und die Auswirkungen in den nächsten Jahren unmöglich abzusehen sind, weil die große Bewährungsprobe für den Euro unmittelbar bevorsteht.
nicht mehr hier

Dimil
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von Dimil »

Naja, aber wurden denn 1897 noch keine Waren in Südamerkia unter Menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt und in Europa verkauft?
Ist nicht die Wirtschaftskrise von 1929 auch zunächst in den USA ausgebrochen und hat sich erst dann nach Europa und Asien ausgebreitet?
Ist es nicht schon seit der Kolonisierung Amerikas Afrikas und Asiens so gewesen dass sie die Metropolen auf Kosten der Kolonien entwickeln?
Ist der "Weltmarkt" nicht bereits zu Beginn der Existenz der Marktwirtschaft in der Übergangsphase des Feudalismus in den Kapitalismus hergestellt worden?
und kulturell? Wie ist das denn mit Jazz, der Rockmusik, dem Hip-Hop, Jeans und T-shirt, das man alles in aller Welt kennt und mitträgt?
Das ist doch alles nix neues... Warum dann ein neuer Begriff?
Reichen uns die alten nicht mehr? Oder sind die vielleicht zu negativ belegt?

pokerface
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Re: Soziale Mindestsicherung

Beitrag von pokerface »

unaktuell
Zuletzt geändert von pokerface am 10. Jan 2009 00:33, insgesamt 1-mal geändert.

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