Das Gefühl, nicht genug Freunde zu haben

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ilimitada
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Re: Das Gefühl, nicht genug Freunde zu haben

Beitrag von ilimitada »

Wenn es einen Gott gibt, dann mag er mich glaube ich nicht.
Ich will dich jetzt garnicht mit sovielem "Denk doch mal positiv"-Geschwalle zulabern, weil ich weiß, dass das einem kaum hilft, wenn man grade mitten in der Situation drin steckt. Aber vielleicht ist es ein Denkanstoß.
Ich empfinde meine BDSM-Neigung gar nicht als negativ. Natürlich ist es manchmal ein wenig ärgerlich, das nicht jedem auf die Nase binden zu können, und es könnte schwer werden, in freier Wildbahn einen Partner zu finden, der zufällig sexuelle Interessen haben, die sich mit den eigenen ergänzen. Für mich hat aber bis jetzt das Positive überwogen: Ich mag zwar auch mal phasenweise (nur) normalen Sex und der befriedigt mich dann vollkommen, aber ich habe noch nie so intensive, bewegende, tolle, tiefgehende, emotionale sexuelle Erfahrungen gemacht wie in Kombination mit BDSM. Normaler Sex ist für mich gut, geil, körperlich absolut befriedigend. Aber BDSM geht darüber hinaus, kann mich auch emotional befriedigen, schafft für mich neue Gefühlspotentiale, ist einfach eine einmalige Erweiterung - zumindest habe ich von Vanillafreunden, auch von solchen, mit denen ich sehr offen rede (und die wiederrum ihre Sexualität sehr offen leben), noch nie ähnliches über Sexerfahrungen gehört. :) Ich fühle mich mit der Neigung also eher gesegnet als belastet.

Erfahrungen mit Depressionen habe ich auch, auch, wenn die vielleicht nicht so tiefgreifend sind wie deine. Ich habe insgesamt auch vier Monate in einer Jugendpsychiatrie verbracht und jahrelang mit ambulanten Therapien und Medikamenten gegen Depressionen und ne ganze Reihe von "Begleiterkrankungen" gekämpft. Dazu zwei gute Nachrichten:
1. Es ging irgendwann weg. Keine Ahnung was das war, aber ich bin seit gut 3 Jahren absolut "symptomfrei" und fühle mich eigentlich auch so, als sei nie etwas gewesen. Das hatte nichts mit Medikamenten zu tun und ich musste auch nicht erst totales Glück bei einem Therapeuten haben - es ist einfach passiert. Damit will ich nicht sagen, dass Medikamente oder Therapeuten nicht total helfen können (das haben sie mir auch), aber solche Dinge sind nie "festgeschrieben". Ich habe ganz klare familiäre Veranlagungen zu Depressionen und habe mit 13 meine erste Therapie gemacht, so dass niemand dachte, dass das jemals grundlegend anders wird. Wurde es.
2. Im Nachhinein merke ich, dass es eine ganze Reihe positiver Aspekte gab. Ich habe in der Zeit, in der es mir nicht gut ging, logischerweise extrem viel Innenansicht betrieben - mir Gedanken darüber gemacht, wer ich bin, was ich will, was mich glücklich macht und was mich unglücklich macht. Ich habe gelernt, viele Dinge ziemlich realistisch zu sehen (was mich nicht davon abhält, jetzt absolut optimistisch zu sein ;) ) und bin ein großes Stück Naivität über die Welt im Allgemeinen losgeworden. Ein Beispiel dafür, das man garnicht auf den ersten Blick damit in Verbindung bringen könnte, ist, dass ich in meinem ganzen Umfeld eine Menge Leute habe, die jetzt schon ihre zweite Studienwahl wieder abbrechen, die total umher irren und haltlos sind - weil sie sich nie Gedanken darüber gemacht haben, was für sie im Leben wertvoll und essentiell ist und wie sie es gestalten wollen. Auch bei den ganzen anderen Selbstfindungsthemen merke ich: Okay, das hab ich eigentlich schon seit ein paar Jahren durch, was ihr jetzt grade schmerzhaft lernen müsst. Mich hat es schon auf die Fresse gelegt, viele andere nicht. Das kann ein enormer Vorteil sein. :)

Abi spät machen? Na und? Ich wurde spät eingeschult, habe beim Schule wechseln ne Klasse wiederholt und mir zwischen Abi und Studium ein Jahr Zeit gelassen - und sogar überlegt, noch ein Jahr zu "gammeln" (also arbeiten, reisen, Praktika... wirklich nichts tun wird nach zwei Monaten scheiße), weil ich das Gefühl habe, dass man schon früh genug die immer gleiche Arbeit wird machen müssen. Sehe ich eigentlich eher als Vorteil, altersmäßig eher spät mit allem dran zu sein. Spätestens im Studium ist dann von 17 bis 77 eh alles dabei ;)

Dass du keine Freundin oder sexuelle Erfahrungen hattest ist, das kann ich mir vorstellen, ne doofe Situation. Was das angeht würde ich mich nicht scheuen, auch mal im Internet Kontakt zu suchen. Besonders, wenn Dinge in Richtung BDSM gehen sollen, bietet sich das an :) Ich habe witzigerweise alle 3 meiner Exfreunde im Internet kennengelernt - und finde das gar nicht schlimm.

Was diese Dinge angeht, hilft Perspektive wechseln manchmal - auch, wenn das ziemlich schwer ist und natürlich mit einer anderen Perspektive nicht plötzlich alles voll geil ist.
Was das Freunde Problem angeht kannst du ja vielleicht aus den Antworten, die mir gegeben wurden, auch was ziehen. :)
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ilimitada
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Re: Das Gefühl, nicht genug Freunde zu haben

Beitrag von ilimitada »

Das war so auch garnicht gemeint.
Ich zumindest finde viele meiner Sexkontakte nicht deshalb im Internet, weil ich verzweifelt bin, sondern weil das erfahrungsgemäß oft besser passt als mit den Leuten, die ich im "real life" kennenlerne - sexuell UND persönlich. One Night Stands find ich blöd und in die Kiste spring ich ganz generell nur mit Menschen, die ich sehr gerne mag. Internet ist nicht gleichzusetzen mit gefühllosem Hop-on-Hop-off.
Natürlich verstehe ich trotzdem, dass das nicht jedermanns Sache ist und es ist absolut okay, wenn du darauf keinen Bock hast. Ich habe nur das Gefühl, du hast da ein falsches Bild von.
Ich wollte übrigens auch nicht unterschwellig so eine "Na, wird ja mal Zeit"-Botschaft vermitteln, tut mir Leid, wenn das so rüberkam. Es kam mir nur bei deinem oberen Beitrag so vor, als würde dich das stark belasten und ich weiß, dass das Internet einiges beschleunigen kann - wenn man das denn möchte. Cool zu bleiben, nichts zu erzwingen und es einfach auf sich zukommen zu lassen ist aber natürlich die elegantere Lösung :)
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greenblue
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Re: Das Gefühl, nicht genug Freunde zu haben

Beitrag von greenblue »

@FinrodCarnesir
vll einfach nicht mit dem Gedanken da rein zu gehen (oder in dem Fall, reinzuschauen), dass man eine freundin /Beziehung braucht ;) und denk dran, du bist nicht alleine in der Situation :-) Es gibt noch andere, denen es ähnlich geht.

Einfach mal bisschen im Chat mitschreiben, vll lernt man da jemand kennen und außerdem, muss man ja niemand im bdsm-bereich suchen ;)

ilimitada
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Re: Das Gefühl, nicht genug Freunde zu haben

Beitrag von ilimitada »

Der Chat hier ist sicher schonmal ein guter Startpunkt.
Wenn du etwas suchst, was regionsspezifischer ist (die Außerwählte soll schließlich nicht am anderen Ende Deutschlands wohnen), kann ich dir durchaus auch die übliche verdächtigen Seiten empfehlen (wenn du nicht weißt, was ich meine, gerne per PN- Partnerseiten sind ganz generell für Volljährige gedacht, deswegen ist ins Forum schreiben eher doof). Klar, da ist der Gedanke "Da könnte Sex bei rausspringen" expliziter, aber ich habe noch nie jemanden mit der klaren Erwartung "hingehen, losvögeln" getroffen und hab das so bei meinem Gegenüber auch nicht erlebt. Man muss halt schon online etwas wählerischer sein, aber spätestens im Mailkontakt oder über Skype/Telefon merkt man, ob man einander mag und vorallem auch, ob der andere nur schnellen Sex will oder ernsthaft Kontakte knüpfen. Nach halbwegs intensiver Vorauswahl (Profiltexte lesen hilft bei vielen Partnerbörsen, ob auf Sex ausgerichtet oder nicht) hat man meistens auch nur die, die wirklich Interesse an einem persönlich haben. :)
Also meine Meinung ist, dass man da Mut zu haben sollte. Ich finde das Internet inzwischen einen genauso normalen Ort um Freundschaften zu knüpfen (aus denen dann ja irgendwann Partnerschaft und/oder Sex entstehen kann) wie die Schule, der Supermarkt oder die Bar.
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