Selbstmord

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Cheynee
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Selbstmord

Beitrag von Cheynee »

Hallo zusammen.
Selbstmord wurde zwar schon in ein paar Themen angesprochen, aber mich würde interessieren ob ihr jemanden kennt, der Selbstmord begehen wollte oder ob ihr selbst es einmal machen wolltet.
Wenn ja, warum wolltet ihr das tun und was für Beweggründe glaubt ihr dass die Person, die ihr kennt dafür hatte?
Ich weiss es ist viellicht zu persönlich, aber ich kenne auch jemanden, der Selbstmord beging und ich kann diese Person einfach nicht verstehen. Vielleicht kennt ihr ja ein paar Beweggründe für einen gesunden Menschen, sich selbst das Leben zu nehmen.

me-la
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Re: Selbstmord

Beitrag von me-la »

Ich hatte sowohl schon mit Suizid, als auch mit Suizidversuchen im Freundeskreis zu kämpfen. Die Ursache waren in beiden Fällen nicht behandelte psychische Krankheiten (Depressionen, Bipolare Störungen) und daraus resultierend das Gefühl alleine zu sein und die Welt nicht mehr zu ertragen.
Ich glaube, ein gesunder Mensch (mit sozialem Netz) begeht keinen Suizid. Suizid ist der letzen Ausweg für Verzweifelte und (scheinbar) einsame...
Nein: orales Verhütungsmittel.
(Joan Vichers)

Darcera
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Re: Selbstmord

Beitrag von Darcera »

Im Freundeskreis nicht, aber es gab in den letzte Jahren hin und wieder Zeiten in denen ich mir gewünscht habe, nicht mehr zu leben. Ich habe, denke ich, nie ernsthaft darüber nachgedacht, beziehungsweise die Ausführung nie geplant, da ich finde, das sich das schwer umsetzten lässt, wenn man wenig leiden möchte (und vor den Zug werfen kam nicht in Frage, mir tun die Schaffner immer so Leid).

Ich habe es nie testen lassen oder war nie beim Arzt deswegen, aber meine persönliche Diagnose, die ich auch schon in der Zeit hatte, war Depressionen. Objektiv hatte ich keinen, oder nur kaum nennenswerte Gründe, mir den Tod zu wünschen, aber es gab eben immer wieder Momente, in denen es mir in der Brust so wehtat, dass ich mir wünschte, nicht mehr weiterzuleben, ich wünschte mir das Nichts, das Ende vom Schmerz. Ich habe mir diesen Schmerz immer so vorgestellt, als würde mir jemand ein Messer in die Brust rammen, eine weitere Narbe hinzufügen (Ein echtes Messer würde vermutlich mehr weh tun, aber irgendwie brauchte ich eine Vorstellung).
Und zu Depressionen..Sie vermiesen dir dein ganzes Leben. Du hast keine Lust aufzustehen, du hast nichts, worauf du dich freust. Die Tage sind eintönig, grau in grau, es gibt nichts, wofür es sich zu leben lohnt.

Auslöser für diese Momente waren eben auch das Gefühl, alleine zu sein (es gab auch wirklich ne Zeit, in der ich keine Freunde hatte), das Gefühl, nicht lebensfähig zu sein, Selbsthass, und vielleicht noch andere, an die ich mich nicht mehr erinnere.

Ich wusste immer, dass meine Eltern mich lieben, und dass ich damit ihr Leben zerstören würde, und später, dass ich damit einem Freund sehr sehr weh tun würde, deshalb habe ich nicht ernsthaft darüber nachgedacht, aber gewünscht habe ich es mir trotzdem Hin und Wieder.
Aber ich wusste auch immer, dass es eben "nur" Depressionen sind, die mich runterziehen, und das Selbstmord feige ist, und ich habe gegen die Depressionen gekämpft und gewonnen. (Ich weiß, dass das nicht alle schaffen, ich will damit nicht sagen, ich hab's geschafft, ihr könnt das auch, es gibt sicher schwerere Depressionen, als die, die ich hatte)

Nacktes Mau
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Re: Selbstmord

Beitrag von Nacktes Mau »

Suizidale Menschen haben immer ein Problem: Sei es mit sich selbst, mit ihrer Situation, mit ihrem ganzen Leben. Wenn sich jemand wünscht zu sterben, nicht mehr zu sein, dann liegt dem eine tiefe Unzufriedenheit und verdammt viel Schmerz zugrunde. Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich jemand, der durchwegs glücklich ist, die Kugel gibt oder geben will.

Du gehst, wenn du keinen Sinn und keine Hoffnung mehr in deinem diesseitige Leben hast. Wenn es nicht mehr geht, keine Hoffnung auf Besserung besteht oder du sie nicht sehen kannst.
Das muss man sich mal vorstellen: Das Leben tut so sehr weh, dass man lieber stirbt und dem ganzen Schmerz ein Ende bereitet.
Gründe sind objektiv schwer zu ergreifen und meistens in psychischem Schmerz zu suchen, sei es wegen einem oder mehrerer Traumata, die den Betroffenen immens belasten, Psychosen, schwere Depression (wobei die Suizide meistens in manischen Phasen bzw. Motivationsschüben geschehen, da ein Depressiver oft keine Motivation hat, keinen Antrieb, sich umzubringen), tiefe, unerträgliche Einsamkeit, Selbsthass und damit verbundene Autodestruktion, der nicht verkraftete Tod eines geliebten Menschen, durch Mobbing verursachte Probleme, Minderwertigkeitskomplexe, etc. pp., die Liste ist lang.

Ja, ich kenne ein paar suizidale Menschen, nein, bisher hat sich keiner erfolgreich umgebracht.
Die Beweggründe dagegen, die Darcera geschildert hat, kann ich auch sehr gut nachvollziehen.
Allerdings bin ich der Meinung, dass jemand, der keine Hilfe in Therapien zu erwarten hat und keine Hoffnung auf verbesserte Lebensqualität hat, durchaus gehen darf, wenn er es wirklich persönlich will. Schließlich kann man niemandem zum Leben zwingen, und manche Probleme werden die Betroffenen ein Leben lang ohne Besserung verfolgen. Eine Zwangseinweisung in eine geschlossene Psychiatrie gleicht eher Folter als Hilfe.
"Und was hattest du an?" "... nichts ._."

EinsameSeele
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Re: Selbstmord

Beitrag von EinsameSeele »

Hallo Cheynee,

ich wundere mich immer wieder, wie Menschen darauf kommen so etwas zu fragen? Wieso muss man den Wunsch zu sterben analysieren und wieso muss man ihn verstehen?

Ich selbst hatte schon einmal den festen Plan zu gehen. Der Zufall wollte es, dass ich nicht gehen konnte. Warum? Weil ich depressiv war, weil die Chemie in meinem Gehirn nicht mehr völlig "normal" gearbeitet hat, das wäre die objektive Erklärung.

Die subjektive Erklärung wäre folgende: Ich bin und war krank (keine benannte Depression, eine andere Krankheit), ich nahm starke Medikamente, die mein Leben beeinflussten und Depressionen hervorriefen, ich hatte/habe körperliche Einschränkungen durch besagte Krankheit. Ich empfand mich als Last für mein Umfeld, als hilfebedürftige einsame Kreatur. Diese ganzen Faktoren zusammen bildete in meinem Kopf ein Knäuel aus ungelösten und scheinbar unlösbaren Problemen, dazu die Müdigkeit, der Wunsch Ruhe in meinem Kopf zu haben etc. pp. all das brachten mich dazu meinen Abschied zu planen. Dazu die vermeindliche Befreiung derer, die ich liebe von mir. Das alles kam irgendwie zusammen.

Ich denke effektiv wirst du nie verstehen, warum jemand den letzten Weg antritt, du wirst nie verstehen, was der letzte Tropfen war oder wo genau das Problem liegt. Du kannst nicht helfen, du hast keine schuld und wenn jemand es wirklich plant, dann weiß davon niemand. Nicht umsonst gibt es Suizidversuche und durchgezogene Suizide. Suizidversuche sind in der Regel "nur" Hilferufe, Suizide sind durchgeplante Reaktionen auf ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn. Wer sterben will, schafft das auch... und du könntest das weder sehen noch ändern.

Zimtschnecke
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Re: Selbstmord

Beitrag von Zimtschnecke »

EinsameSeele hat geschrieben:Hallo Cheynee,

ich wundere mich immer wieder, wie Menschen darauf kommen so etwas zu fragen? Wieso muss man den Wunsch zu sterben analysieren und wieso muss man ihn verstehen?

[...]

Ich denke effektiv wirst du nie verstehen, warum jemand den letzten Weg antritt, du wirst nie verstehen, was der letzte Tropfen war oder wo genau das Problem liegt. Du kannst nicht helfen, du hast keine schuld und wenn jemand es wirklich plant, dann weiß davon niemand. Nicht umsonst gibt es Suizidversuche und durchgezogene Suizide. Suizidversuche sind in der Regel "nur" Hilferufe, Suizide sind durchgeplante Reaktionen auf ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn. Wer sterben will, schafft das auch... und du könntest das weder sehen noch ändern.
Das würd ich so nicht unterschreiben. Ich finde es wichtig, wenn nachgefragt wird-das signalisiert meiner Meinung nach, dass sich die Person tatsächlich dafür interessiert, was im Kopf der Betroffenen vorgeht und sie ihnen nicht egal sind! Und das finde ich extrem wichtig!
Oftmals ist ein ganz integraler Bestandteil des Wunsches, zu sterben, daher, dass sich die betreffende Person einsam und von der Welt allein gelassen fühlt, da ist es sehr, sehr wichtig zu zeigen, dass man Interesse an der Gefühlslage und den Wunsch hat, zu helfen!

Und Suizide sind nicht zwangsweise Reaktionen auf ein chemisches Ungleichgewicht, genauso, wie Depressionen nicht zwangsläufig von einer hormonellen oder chemischen Störung verursacht werden. Depressionen lassen sich z.B. auch durch äußere Umstände 'erlernen' und auslösen.

Und hier find ich die Frage der Threaderstellerin wieder total wichtig: WIESO möchte jemand sterben?
Niemand kommt auf die Welt und denkt sich 3 Sekunden nach der Geburt 'Oh, ich möchte wieder sterben.'. Nein, da steckt meistens viel, viel mehr dahinter-Umwelteinflüsse, körperliche Krankheiten und Beschwerden, Medikamentennebenwirkungen (prominentestes Beispiel hier mal die Pille), familiäre Probleme, Mobbing in der Schule, soziale Schwierigkeiten...
Und gegen viele dieser Ursachen kann etwas getan werden! Wenn man es einfach so geschehen lässt, ohne nachzufragen, dass heißt das für mich viel eher, dass es den Leuten egal ist, ob man lebt oder stirbt...und das finde ich eines der schlimmsten Gefühle überhaupt.

me-la
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Re: Selbstmord

Beitrag von me-la »

Und auch wenn man ein chemisches Ungleichgewicht hat und deswegen unter Depressionen leidet, heißt dass nicht, dass man damit leben muss (oder sich damit umbringen muss).
Medikamente können da Wunder tun! Und falls schon wieder ein Spruch gegen Medikamente kommt: Niemand zweifelt bei einem Diabetiker den Sinn der Insulinmedikamentation an, warum aber soll bei einem Depressiven mit Serotoninmangel plötzlich allein eine Gesprächstherapie wirken?
Nein: orales Verhütungsmittel.
(Joan Vichers)

EinsameSeele
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Re: Selbstmord

Beitrag von EinsameSeele »

Das sind ja nette Gedanken und sicherlich sind die sinnvoll, wenn jemand suzidale Gedanken hat, aber nicht wenn er Suizid begeht. Wie ich bereits sagte, gibt es zwei Arten, die man unterscheiden muss. Der eine versucht sich umzubringen als Hilferuf. Da kann sicherlich auch mal schief gehen und über den Versuch hinaus, aber in der Regel werden diese Menschen Andeutungen machen, sie werden es nicht wirklich durchdacht planen und oftmals rufen sie sogra selbst den Notruf an. In diesen Fällen gibt es ganz sicher Auswege, man kann in gewissen Grenzen helfen, Medikamente, Therapie und Co. versprechen große Erfolge.

Jemand, der ein chemischen Ungleichgewicht im Kopf hat, der wird keinen Suizidversuch begehen, er wird seine Suizid planen und durchziehen. Ich kann es, wie gesagt, nur an meinen Erfahrungen fest machen, aber bei mir war es kein "keiner hat mich lieb" oder "ich bin so allein". Niemand wusste von meinen Plänen, keine Andeutungen, kein Abschied, wenn ich es getan hätte, hätte ich es durchgezogen. Ich hab sogar geplant, was passiert, wenn mein natürlicher Überlebensinstinkt eingreift, ich wollte es nicht überleben. Ich habe auch keinen Abschiedsbrief formuliert, einfach weil es keine greifbaren Gründe gab, ich war einfach müde.

Ich für meinen Teil denke, sollte es jemand beendet haben, bringt die Frage nach dem Warum garnichts mehr. Bei einem Versuch bringt nur ein klare Frage dem Betroffenen gegenüber etwas.

me-la
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Re: Selbstmord

Beitrag von me-la »

@einsameseele, und trotz all deiner Pläne schreibst du hier.

Ich denke mal sollte alle Suizidgedanken, -versuche und -taten gleich ernst nehmen. Hier gibt es kein "mehr wert sein" oder "erfolgreich sein/ versagen"
Nein: orales Verhütungsmittel.
(Joan Vichers)

EinsameSeele
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Re: Selbstmord

Beitrag von EinsameSeele »

Hallo me-la,

hab ich irgendwo gesagt, dass das eine mehr wert ist, als das andere?! Meiner Meinung nach nicht. Ich sagte nur, dass es bei der einen Art ganz sicher keine Möglichkeit gibt, es vorher zu bemerken und auch keine Möglichkeit demjenigen zu helfen, bei der anderen geht das sehr wohl.

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