Gendergerechten Sprache

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me-la
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Gendergerechten Sprache

Beitrag von me-la »

Hallo zusammen, mich würde eure Meinung zur gendergerechten Sprache und Political correctness interessieren.

Meine Uni hat neulich einen Leitfaden zur "Anwendung einer gendergerechten Sprache" herausgebracht und nachdem ich ihn gelesen hatte, war ich froh, dass ich sich meine Abschlussarbeit um Dinge und nicht um Menschen dreht. Mich als Frau stört das generisches Maskulinumes nicht, ich fühle mich auch bei "Studenten" angesprochen, Wortwiederholungen mit unterscheidlichem Geschlecht, Binnen-I, Gender Gap und * senken meines Erachtens nur die Lesbarkeit von Texten.

Können wir nicht, statt die Grammatik zu ändern, die Bedeutung verändern, indem wir selbstverständlich dafür eintreten, dass wir bei z.B. Studenten alle meinen, egal ob männlich, weiblich, trans oder intersexuell oder was auch immer?

Wie sehr ihr das besteht ihr auf political correctness, findet ihr gendergerechte Sprache wichtig, findet ihr, dass dies der richtige Weg zu Akzeptanz und Gleichberechtigung ist?
Nein: orales Verhütungsmittel.
(Joan Vichers)

Félin
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von Félin »

Ja, mir ist gendergerechte Sprache wichtig und ich versuche darauf zu achten, eben Studierende zu sagen anstatt Studenten. Das ist mir persönlich auch wesentlich lieber so angesprochen zu werden. Ich will nicht nur irgendwie mitgemeint sein, ich will mit angesprochen werden. Das werde ich für mich persönlich bei Studenten nicht. Interessant dazu zu lesen auch: Frauen natürlich ausgenommen

P.S. Gerade hätten wir auch die Woche des Generischen Femininum
Love as thou wilt

Ich glaube, am Südpol gibt es keine Hummeln, weil Pinguine die Ungerechtigkeit nicht ertragen würden. (www.twitter.com/diktator)

ponos
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von ponos »

persönliche Meinung - Vorsicht
Also ich persönlich bin ein absoluter Fan des generischen Maskulinums.
Von der sprachlichen Seite her bin ich es gewöhnt, und ich gewöhne mich nur sehr ungerne um, solange es nicht unbedingt notwendig ist. Die einzige Schreibweise, die meiner Meinung nach gerechtfertigt wäre, wäre z.B. "Kassierer(innen)" oder "Studenten/Studentinnen" - beides je nach grammatischen Möglichkeiten. Alle anderen Formen treffen empfindlich diverse Schmerznerven, da ich der Meinung bin, dass dann jeder Satz entweder in der männlichen Form oder der weiblichen Form eine korrekte Grammatik haben sollte. Am Ende kommt dann soetwas raus wie "Der/die Kassierer(in) stand von der Kasse auf, da der/die Filialleiter(in) ihn/sie in sein/ihr Büro bat" *kotz*.
Von der weniger sprachlichen Seite her muss ich sagen, dass es mich generell stört, wenn mir irgendjemand aufdrücken will, was ich wie zu sagen habe. Wenn sich jemand durch ein "Studenten" nicht angesprochen fühlt, dann ist das halt so. Warum sollte ich mich ändern, wenn es keinen objektiv wichtigen Grund gibt? *Über die Existenz eines solchen Grundes können wir gerne diskutieren, siehe unten* Nur weil sich der ein oder andere davon vielleicht auf die Füße getreten fühlt, muss ich es mir nicht geben, bei jedem Wort erstmal ne Minute zu überlegen obs auch wirklich korrekt genug ausgedrückt ist.
In Stellenangeboten hat sich ja mittlerweile das "Geschäftsführer (m/w)" eingebürgert. Warum reicht nicht als erster Satz im Text ein "wir verwenden hier generisches Maskulinum - wenns euch nicht gefällt, lest es nicht"?

Frauen natürlich ausgenommen
Beim ersten der beiden von Felin genannten Quellen ist mir ein Problem mit einer der Studien aufgefallen. Es wird bei diesen erst ein Satz mit generischem Maskulinum verwendet, und daraufhin ein Satz mit jeweils einem expliziten Geschlechtsbegriff ("Männer"/"Frauen") als Folgesatz vorgeschlagen. Diese Studie wurde wohl auf Englisch, Deutsch und Französisch durchgeführt.
Aus dem Französischunterricht ist mir noch grob die Verwendung von "ils/elles" und ähnlichen Formen in Erinnerung geblieben. Hier wird das "ils" sowohl dann verwendet, wenn es nur Männer sind, als auch, wenn es sich um eine gemischte Gruppe handelt. "Elles" wird nur bei rein weiblichen Gruppen verwendet.
Ähnlich verhält es sich meines Wissens nach im Deutschen auch mit dem generischen Maskulinum: Wenn feststeht, dass es sich um eine rein weibliche Gruppe handelt, wird im Allgemeinen auch die weibliche Bezeichnung verwendet. Wird also im ersten Satz ein generisches Maskulinum verwendet, so ist davon auszugehen, dass nicht von der Gruppe bekannt ist, dass sie nur aus Frauen besteht - der nachfolgende Satz, der nur Frauen erwähnt, passt folglich weniger gut als ein Satz, der nur Männer erwähnt, da das generische Maskulinum in diesem Falle auch als explizites Maskulinum interpretiert werden kann.

Eigentlich zeigt auch dieser Artikel wieder, wie schwer es sein kann, "gendergerechte" Sprache wirklich umzusetzen. So lese ich z.B. "Die Autor/innen dieser Studie [...]". Gut, "die Autorinnen" lese ich da raus, aber wo bitte sehr ist das "en" der "Autoren"? Oder das der "Kolleg"? Tut mir Leid, aber jemand der verlangt, dass beide Geschlechter gleichberechtigt vertreten werden, sollte auch beide komplett ausschreiben...

Kaoru
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von Kaoru »

Wie einige vielleicht wissen, bin ich ein Vertreter der Queer-theorie.
Mich stört also an gendergerechter Sprache schon die Annahme, dass es reiche Männer und Frauen zu nennen. Wenn wir anfangen wollen alle Gescxlechter zu nennen, dann müssen bitte auch trans*, inter*, andros, queers, >>setzen sie diese Reihe beliebig fort<< usw. genannt werden und dann liest wirklich niemand mehr einen Text.
Ich finde die Idee des generischen Neutrums interessant, allerdings auch unpraktikabel. Persönlich würde ich einen einleitenden Satz "Im Folgenden werden alle Geschlechter mit dem generischen Maskulinum angesprochen" bevorzugen und danach ein normaler (leserlicher) Text.
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deine Worte Religion.
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me-la
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von me-la »

Der Leitfaden meiner Uni und das Video "Generisches Femininum") haben beide als Beispiel zum generischen Maskulinum das:
"Der Student" - "die Studentin", wird zusammen gefasst zu "der Student".

Das ist doch gar kein Beispiel für das generisches Maskulinum! *aufreg*
Und nach meinem grammatikalischen Verständnis ist die Zusammenfassung zu Student auch schlichtweg falsch.

Das generische Maskulinum wäre:
"Ein Student und eine Studentin treffen sich, dann gehen die Studenten gemeinsam zur Vorlesung"

Das ist wie im Französischen: Wenn ich eine Frau meine, ist das Promonemn "elle", wenn ich viele meine, nehme ich "elles". Wenn ich einen Mann meine ist das Pronomen "il", bei vielen "ils. Das generische Maskulinum beschreibt allein den Vorgang, dass eine gemischte Gruppe zu "ils" wird, nicht zu elles.

Kaouru, ja, ich sehe auch das Problem des "was ist wenn man weder er noch sie ist/sein will". Ich habe sebst einmal versucht, ein neutrales Pronomen zu verwenden, da ich darum gebeten wurde. Ich habs nicht geschafft, ich hab mich ständig versprochen. Meine Ausweichtaktik war, einfach die Person immer beim Namen zu nennen und so den Gebrauch an Pronomen zu vermeiden.
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Glacia
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von Glacia »

Ich persönlich finde es füchterlich Texte in gendergerechten Sprache lesen zu müssen. Das liest sich ungefähr so flüssig wie ein Text eines Grundschülers mit Rechtschreibschwäche.
Mir wurde als Kind halt eine Sprache mit einem generischen Maskulinum beigebracht und ich habe mich dadurch als Frau nie ausgeschlossen gefühlt. Das möchte ich auch nicht. Und wenn nun die Hälfte aller Texte gendergerecht von Student/innen sprechen und die anderen nur von Studenten fänd ichs doof wenn ich darüber erst noch nachdenken müsste, ob beim zweiten Text nun tatsächlich nur die männlichen Studenten angesprochen werden sollten oder ob es ein Text im generischen Maskulinum ist.
Ich lese lieber flüssige Texte in meiner Muttersprache als dass ich mich durch irgendeinen "/" schnickschack angeblich gleichberechtigter fühlen sollte.

Flying Eagle
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von Flying Eagle »

Dieses ständige Gendern ist einfach nur schrecklich, nervig und ungemein anstrengend. Selbst die Mails innerhalbt verschiedener Studentengruppen werden von sich profilierenden Feministen (Feministinnen? wayne!) regelmäßig in der Luft zerpflückt.
Dem Verfasser eines nicht gegenderten Textes Diskriminierung oder ähnliches nachzusagen ist doch etwas vorschnell.

Ganz interessant find ich auch die Lösung bzgl. des "Studenten". Bei mir an der Uni - und wie ich mir hab sagen lassen auch an vielen anderen - gibt es den Studenten nicht mehr. Das ist der/die 'Studierende'. Erleichtert die Anrede im Plural bei 'Liebe Studierenden' natürlich ungemein. Ich für meinen Teil seh mich immer noch als Student. Aber das nur so nebenbei.

Kaoru
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von Kaoru »

me-la hat geschrieben:Ich habe sebst einmal versucht, ein neutrales Pronomen zu verwenden, da ich darum gebeten wurde. Ich habs nicht geschafft, ich hab mich ständig versprochen. Meine Ausweichtaktik war, einfach die Person immer beim Namen zu nennen und so den Gebrauch an Pronomen zu vermeiden.
Im direkten Gespräch finde ich das mit Abstand am elegantesten. Auf Grund von gender marks vermuten wir ein bestimmtes Geschlecht und formulieren unsere Sätze demnach. Wem es nicht passt, der mache bitte deutlich, dass er als "er/sie/es/whatever" angesprochen werden möchte und die anderen sollten dies einfach beachten.

Bei allgemein gehaltenen Texten ist es aber einfach nicht möglich, jeden Menschen direkt anzusprechen. Und ich empfinde es als ungerecht, dass die Frauen durch Binnen-I und co extra beachtet werden, inter*, trans*, queers und co aber nicht zu ihrem Recht kommen.
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SpielKatze
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von SpielKatze »

Ich persönlich habe ja mit ge-genderter Sprache auch in meinen Arbeiten zu tun und ich finde es extrem nervig und unnötig.
Ich bin sowieso schon kein Fan der ganzen übermäßigen Political Correctness (v.a. an der Uni), und dann soll ich auch noch Wörter doppelt schreiben.
Dank meines Instituts kann ich einfach eine Erklärung schreiben, dass im generischen Maskulinum auch alle anderen Formen eingeschlossen sind, das Blatt unterschreiben und der Arbeit voran stellen. Ich fühle mich mit dem generischen Maskulinum genauso angesprochen und eingeschlossen und finde den Aufwand im Vergleich zum Nutzen ziemlich hoch.

Andererseits reflektiert ja Sprache immer die Gesellschaft in der sie verwendet wird. Man könnte also natürlich streiten, ob unsere/meine Bereitschaft das generische Maskulinum anzuerkennen nicht vielleicht daher rührt, dass wir das Patriarchat 'zu sehr' gewöhnt sind, sodass 'wir' (Frauen) uns freiwillig unterordnen, um 'keinen Ärger zu machen' (Stress bei der Umformulierung).
Nachdem ich dieses Semester ein bisschen in die Geschlechterforschung geschnuppert habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher und wenn man dann noch die Queer-Theory dazu nimmt (ich lese gerade Artikel dazu für meine Prüfung)...
Vielleicht bin ich einfach ein bisschen simpel, aber ich ziehe das generische Maskulinum definitiv vor.

Polyencephalitis
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Re: Gendergerechten Sprache

Beitrag von Polyencephalitis »

Also ich versuche wo ich nur kann diese politisch korrekte oder gegenderte Sprache zu vermeiden. Um diese absurden sprachlichen Konstruktionen, die teilweise die Grammatik des Satzes ad absurdum führen (ponos hat das ja sschon schön dargestellt) zu vermeiden gibt es in der deutschen Sprache das generische Maskulin und daher verwende ich das auch.

Auf der Arbeit muss ich um dem AGG zu entsprechen immer von (m/w) sprechen, aber in Überschriften oder Stellenanzeigen kann man das eben mit dieser Klammer deutlich eleganter lösen als versuchen das irgendwie in die Texte einzubauen.

Als Studierender bezeichnet zu werden finde ich einfach nervig, den gerade studiere ich gar nicht, sondern surfe im Internet. Ich bin also gerade Student, aber nicht Studierender.

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