Die Monster der Kindheit

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Thoth
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von Thoth »

Fürchtet euch nicht!

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"I couldn't help it," said the scorpion, "It's my nature".

Gwenyvere
Orga
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von Gwenyvere »

Schönes Thema :) Und ich geselle mich auch zu der Gruppe geouteter Ex-Waldorfschüler+ Kindergartenkind. Das mit den Zwegen kenn ich auch, wir haben ihnen gerne Höhlen gebaut :)

Meine Monster:
1. Das Hexenhäuschen: In Hamburg hatten wir ein schönes Haus mit Garten. Ging man vom Haus her in den hinteren Garten kam man erst durch einen efeubewachsenen Torbogen, und ging geradeaus auf ein steinernes Gartenhäuschen zu. Das Häuschen war zweigeteilt: Links waren alte, verrostete Gartengeräte, Kutschenräder, Sicheln, Holzfässer. Und ein Meer von Spinnenweben. Rechts gab es dutzende Möbel meiner Urgroßmutter, die natürlich Feuchtigkeit gezogen hatten und leicht muffig rochen. Dennoch war die rechte Kammer tagsüber eine tolle Fundgrube für Spielsachen. Jedenfalls wenn meine Eltern nicht genau hinsahen. Denn natürlich war dieser Ort für Kinder viel zu gefährlich! Der Möbelstapel könnte ja jeden Moment einstürzen und eines von uns Kinder unter sich begraben. Oder wir könnten uns an einem rostigen Stück Metall verletzen.
Wir spielten dennoch begeistert in der rechten Kammer. Die linke war auch tagsüber nicht sonderlich gemütlich.
Nachts wurde das Häusschen aber insgesamt gruselig. Wir tauften es das "Hexenhaus", was die Angst auch noch schürte. Ich wusste theoretisch, dass es keine Hexen gab- aber wer konnte sich ganz sicher sein? Es war dunkel und unheimlich, und ich passierte es nur rennend um ihm ja nicht zu nah zu kommen!

Selbiges galt für unseren Keller. Auch der war bis zur Decke mit alten Möbel gefüllt. Die Speisekammer befand sich im allerletzten Keller, sodass man durch jeden Vorkeller hindurchmusste. Vorbei an der Heizung, vorbei an dem Abfluss, zu dem sich der Boden wölbte...... ich hatte immer Angst vor diesem Weg. Ich war eine kleine Leseratte, und so wusste ich auch, was andere in dieser Situation taten: sie sangen. Und so gewöhnte ich mir an, die Wege möglichst schnell und singend hinter mich zu bringen.

2. Die Spiegeldecke: Mit 6 Jahren hörte ich eine Schallplatte mit dem Märchen der Schneekönigin, jedoch nur den Anfang, da meine Mutter entschied, dass ich noch zu jung für diese Geschichte sei. So hörte ich nur, dass die wunderschöne und kalte Schneekönigin einen Spiegel hatte, der zerbrach, und ein kleiner Junge einen Splitter dieses Spiegels ins Auge bekam. Von diesem Tag an traute ich mich im Dunkeln nicht mehr alleine ins Treppenhaus zum Obergeschoss. Ich bildete mir ein, die Decke sei ein einziger, großer Spiegel, der zerbrechen könnte und mir Splitter in die Augen treiben könnte. Wenn eines meiner Geschwisterkinder dabei war, gab es diese Gefahr nicht.

Garten, Keller und Obergeschoss waren also bereits von Monstern bewohnt.... im Erdgeschoss lauerte aber auch eins:

3. Der Affe:
Mein Vater hatte einen Affen, eine Kunstwerk aus Gips. Kiloschwer und dunkel. Seine Augen waren Höhlen, wie bei einem Totenschädel. Der Affe stand im Wohnzimmer, in einer dunklen Ecke, und stierte mich aus diesen toten Augenhöhlen an. Ich vertraute ihm nicht, behielt ihn immer im Blick, für den Fall, dass er doch lebendig war.

Bald zogen wir jedoch um. Das neue Haus war ein Bungalow, ohne Hexenhäuschen, ohne Obergeschoss. Der Keller war überschaubar, die Speisekammer vorne, und der Affe zog in den Kleiderschrank meines Vaters. Überraschenderweise hatte ich jedoch bald ein neues Monster:

4. Mein Schutzengel: Oh ja, richtig gelesen. Mein Schutzengel war eins meiner Monster. Als ich klein war, erzählte mir meine Mutter immer wenn etwas gerade gut geganen war, dass mein Schutzengel über mir gewacht hätte. Mit 9 oder 10, als die Pubertät begann, begleitete mich dieses Bild jedoch beständig. Wenn es wirklich Schutzengel gab, schaute er mir dann auch beim Pinkeln zu? Schaute er mir zu, wenn ich an mir spielte? Las er meine Gedanken? Wusste er, was für komische Ideen ich hatte? Ich war mir nicht sicher. Ab und an sagte ich auch irgendwas zu ihm, oder setzte mich so aufs Klo, dass ein Schutzengel neben mir nichts sehen konnte....

Ich war mir nie sicher, was jetzt eigentlich stimmte: Hexen gibt es nicht, sagten die Erwachsenen, auch wenn es so viele Geschichten über sie zu lesen gab. Aber wenns Hexen nicht gibt, gibts dann Engel? Aber Engel muss es doch geben, wenn es einen Gott gibt, oder? Und dass es einen Gott gibt, das sagten die Erwachsenen doch!

Moonwalkingdead
Zaungast
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von Moonwalkingdead »

Oh ja den Schutzengel kenne ich auch, meine Mutter tendierte früher dazu mir manchmal zu sagen dass das Christkind weine wenn mal wieder etwas schlimmes im Radio/Fernseher kam, und da es an der Existenz dieses Wesens nichts anzuzweifeln gab ,wo es mir doch immer die Geschenke zu Weihnachten gab die ich mir gewünscht hatte-, machte auch die Kinderbibel mit Farbbildern(Altes Testament!) die ich bekam entsprechenden Eindruck. Ich hatte eine längere zeit große Angst vor diesem allessehenden Christkind das ja irgendwie mit dem anderen bösen Mann in Verbindung stand, der so viele Leute ertränkt/verbrannt/sonstwie getötet hatte die er nicht mochte...
Ich verstehe immer noch nicht warum manche Religiöse Texte keine Altersbeschränkung haben :sfire: .

Sirenensang
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von Sirenensang »

Ihr seid ganz schön phantasievoll mit euren Monstern, ich dachte, es kommen nur zehnmal meine:

Da gibt es einmal natürlich das Monster unter dem Bett, dass dir versucht, die Gliedmaßen abzubeißen, wenn sie den Boden neben dem Bett berühren. Das stellte ich mir immer wie einen großen Skorpion mit Sichelklauen vor. Deshalb musste ich abends, wenn ich das Licht ausgemacht hab, immer große Sätze machen und ins Bett springen, um dem Vieh da keine Chance zu geben.
Wir haben einen großen Garten, deshalb muss es da auch ein Monster geben. Natürlich kann man den nicht ausreichend beleuchten, wenn man nicht überall Scheinwerfer aufstellen will, aber wenn man im Winter, wenn es früh dunkel wird, mal den Kompostbehälter im Garten ausleeren musste, weil abends noch Küchenanfälle anfielen... Da guckt man sich dann schon um. Ich hatte damals immer ganz viel über Aliens und Ufos und so gelesen, und in einem von diesen Büchern war eine ganz schreckliche Illustration von einem affenähnlichen Alien mit riesigen, roten Augen. Das hätte jederzeit in unserem Garten landen können!!1
Oh, und natürlich die Einbrecher, die nur nachts, wenn alle schlafen, einsteigen, die einen bestimmt abstechen, wenn man nachts rumläuft - aber man ist vollkommen sicher, wenn man unter der Bettdecke ist (häh? Tolle Logik. ^^).

Ich glaube natürlich, dass das die Klassiker sind, aber wenn ich mich so umschau, gibts da doch große Unterschiede. Finde ich spannend.

schätzin
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von schätzin »

Wirklich sehr spannend. Aber danke dass du den Einbrecher erwähnst, die hatte ich auch öfter! Zum Glück ist bis heute noch keiner gekommen *aufatme*
Später waren dann auch irgendwelche Nazgulartigen Herr der Ringe Monster dabei...brr, schrecklich. Immer wenn ich im Dunkeln noch rausgehen musste um meine Kaninchen zu versorgen hatte ich Angst vor denen.
Dem Leben für immer und ewig in Liebe ergeben

<laura>
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von <laura> »

Ich hatte auch so ein Monster im Zimmer/unter dem Bett, sobald es dunkel ist muss man ganz schnell ins Bett springen, denn die Decke beschützt einem vor allem. :)
Ich muss gestehen dass ich mich auch heute manchmal nachts noch zusammenreißen muss, um nicht ganz schnell und panisch ins Bett zu hüpfen.

Ja, generell Dunkelheit, zB im Keller muss man erst vorsichtig um die Ecke langen und Licht anmachen, denn bei Licht ist man sicher. ^^

Sonst hatte ich nur ein paar Träume, da kamen so echt grusloge Geisterwesen aus dem Keller, allerdings hab ich mich vor denen wenn ich in den Keller ging nicht oft gefürchtet, weil der Traumkeller doch anders aussah.
Naja, aber Träume ist ja nicht der Thread.

Vielleicht noch Alleine-sein, das mag ich auch heute nicht unbedingt, irgendwo bewegt sich immer eine Tür, oder knarzt ein Fußboden :shock:

little_darling
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von little_darling »

Oh ja, da kann ich auch mitreden :lol:

1. Zwischen dem Kopfende meines Bettes und der Wand war so ein halber Meter Platz, da hat mein Vater eine Holzplatte drüber gemacht und dann an die eine Seite einen kleinen Vorhang. Da drunter stand dann immer mein Schulranzen :)
Nur- ich war fest davon überzeugt, dass das eine Hundehütte von einem ganz großen, bösen schwarzen Hund war!!

2. Meine Mutter hat eine Porzelanpuppe oben an der Treppe stehen, direkt dahinter ist ein Spiegel. Ich erschrecke mich heute noch manchmal, wenn ich die Treppe hochgehe und die Puppe, statt neben mir, wo sie eigentlich steht, danke dem Spiegel sozusagen vor mir steht.
Früher dachte ich immer, dass die Nachts durch den Flur schleicht- ich konnte Nachts nur mit voller Beleuchtung überall auf Toilette gehen :roll:

3. Der Klassiker: das Monster im Schrank. :lol:

Und, Dunkelheit mag ich heute auch noch nicht, genau wie offene Schranktüren wenn ich schlafe....

N-32
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von N-32 »

Als Kind war der Dachboden für mich nicht sehr attraktiv... :lol: :D

EsWarDerButler
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von EsWarDerButler »

Die wohl besten Monster waren das mir von meiner grossen Schwester eingeredete Küchenmonster
(sie glaubte auch selbst fest daran) im Klavier in der Stube und ein Geist unter der Treppe meiner Grossmutter.

Dieser Geist war auf einem Missverständnis aufgebaut^^
Und zwar meinte mein Cousin mal zu mir unter der Treppe wohne ein Geist vor dem ich mich fürchten müsse

Meine Tante fällt ihm ins Wort und sagt:" keine Angst, es ist nur ein Witz."
mein Deutsch war damals nicht wirklich gut und die kindliche Logik tat den Rest.

Für mich war gut zwei Jahre lang klar, dass der vermaledeite Geist Witz heisst und ich war der einzige, der die Bedrohung erkannte^^
just because your truth isn't a true truth, doesn't mean there is no truth ruth =D

Egianor
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Re: Die Monster der Kindheit

Beitrag von Egianor »

EsWarDerButler hat geschrieben: Für mich war gut zwei Jahre lang klar, dass der vermaledeite Geist Witz heisst
Find ich völlig logisch!
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